Alkoholsucht: Neue Tablette soll helfen

Heilpraxisnet

Alkoholsucht: Neue Tablette soll Abhängigen helfen

30.06.2014

Nach der EU hat nun auch der Gemeinsame Bundesausschuss den Weg für ein neues Medikament freigemacht, das Alkoholabhängigen helfen soll, weniger zu trinken. Experten sind sich jedoch uneinig über den Nutzen der Arznei.

Medikament vor trinkträchtigen Ereignissen einnehmen
Künftig können Ärzte ein Medikament verschreiben, das Alkoholabhängigen helfen soll, weniger zu trinken. Wie die „Apotheken Umschau“ (7/2014 A) berichtet, hat nach der EU auch der Gemeinsame Bundesausschuss den Weg für den Wirkstoff Nalmefen freigemacht. Diesersoll bei Bedarf eingenommen werden, etwa ein bis zwei Stunden vor einem trinkträchtigen Ereignis. Doch der Vorsitzende der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Dr. Heribert Fleischmann, ist skeptisch. Zu gering sei der Effekt der Arznei und außerdem sei sie zu teuer.

Wirkung des Medikaments nicht überschätzen
Andere Mediziner zeigen sich optimistischer. „Wer nicht schwer abhängig ist, kann versuchen, mithilfe von Nalmefen seinen Konsum zu reduzieren“, so Professor Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité laut der „Apotheken Umschau“. Allerdings warnt er davor, die Wirkung des Medikaments zu überschätzen: „Tabletten allein nützen nichts. Man muss auch motiviert sein, das eigene Trinkverhalten zu verändern.“ Es scheint allgemeiner Konsens zu sein, dass die Tablette nur unterstützend wirken kann, wenn jemand die Sucht wirklich besiegen will.

Über sieben Millionen Deutsche trinken zu viel
Laut dem aktuellen „Epidemiologischen Suchtsurvey“, der im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durch das Institut für Therapieforschung in München erarbeitet wurde, sind fast 1,8 Millionen Deutsche alkoholabhängig. Darüber hinaus würden 1,6 Millionen Erwachsene zwar sehr viel trinken, jedoch nach den offiziellen Kriterien nicht als abhängig gelten, berichtete die Nachrichtenagentur „dpa“ unter Berufung auf die Zahlen des Surveys vor wenigen Monaten. Insgesamt seien es 7,4 Millionen Bundesbürger, die mehr Alkohol als die empfohlene maximale Tagesmenge zu sich nehmen. (ad)

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