Allergien durch westliche Ernährung

Fabian Peters

Falsche Ernährung als Ursache für Allergien und Darmerkrankungen.

(04.08.2010) Der pädiatrische Gastroenterologe Paolo Lionetti vom Journal "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" an der Universität Florenz hat in einer Studie die Auswirkungen der kindlichen Ernährung auf die Bakterienkulturen des Dickdarms untersucht, um die Anfälligkeit westlicher Kinder für Allergien und entzündliche Darmerkrankungen genauer zu erörtern.

Zum Vergleich hat er die Ernährung und die Stuhlproben von Kindern aus Florenz und dem Dorf Boulpon in Burkina Faso untersucht. Bei letzteren kommen Autoimmunerkrankungen, Allergien und entzündliche Darmerkrankungen quasi nicht vor, was Lionetti in seiner Studie auf unterschiedliche Ernährung und die damit einhergehenden unterschiedlichen Bakterienkulturen im Darm zurückführt.

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Die Kinder aus Florenz ernähren sich der Untersuchung zu folge, wie die meisten Kinder in westlichen Industrieländern, wobei nach maximal einem Jahr Stillzeit die Ernährung wechselt und fortan im wesentlichen auf tierischen Proteinen (Fleisch), Stärke, Zucker und Fett basiert. Nur 0,9 Prozent der Nahrung bilden pflanzliche Fasern (Ballaststoffe), gegenüber einem Ballaststoffanteil von ca. 10 Prozent bei den afrikanischen Kindern. Dieser liegt bei den Kindern aus Boulpon wesentlich höher, da sie einerseits im Schnitt ca. zwei Jahre lang gestillt und anderseits anschließend überwiegend mit pflanzlicher Nahrung wie z. B. Hirsebrei mit Gemüse und Kräutern ernährt werden.

Damit einher gehen stark unterschiedliche Ausprägungen der Darmbakterien, wobei in beiden Gruppen 95 Prozent aller Bakterien auf vier Kategorien entfallen: die Actinobacteria und Bacteroidetes (B) sowie die Firmicutes (F) und Proteobacteria. Bei den Kindern aus Burkina Faso dominierten die Bakterien der Kategorie B während bei den italienischen Kindern die der F-Kategorie stärker vertreten waren. Dies ist an sich schon eine problematische Feststellung, da ein hohes F/B-Verhältnis als Kennzeichen der Fettleibigkeit (Adipositas) gilt während ein hohes B/F-Verhältnis bei schlankeren Menschen überwiegt, so der Fachmann Lionetti.

Zudem war die bakterielle Vielfalt bei den afrikanischen Kindern weit größer und einige der bei ihnen gefundenen Darmbakterien wie z. B. Prevotella, Butyrivibrio und Xylanibacter konnten bei den europäischen Testpersonen nicht nachgewiesen werden. Diese Bakterien sind dazu geeignet Pflanzenfasern aufzuschließen und zusätzliche Energieträger bereitzustellen wobei kurzkettige Fettsäuren entstehen, denen eine vorsorgende Rolle gegenüber entzündlichen Darmerkrankungen nachgesagt wird. Hierin sieht Lionetti auch eine mögliche Erklärung für die Abwesenheit von entzündlichen Darmerkrankungen bei den Kindern aus Burkina Faso. Aueßrdem geht er davon aus, dass die höhere bakterielle Vielfalt den Darm ebenfalls resistenter gegen Durchfallerkrankungen macht, da sie die Ausbreitung der Pathogene im Darm beschränkt.

Auch die geringe Rate allergischer Erkrankungen führt Lionetti auf die höhere Diversität der Darmbakterien zurück., da die Präsenz verschiedener Antigene im Darm das Immunsystem beschäftigt und davon abhält Abwehrreaktionen gegen unschädliche Allergene zu entwickeln. Demnach könnte eine Gesunde ballaststoffreiche Ernährung besonders in der frühen kindlichen Jahren, dazu beitragen sich ein Leben lang vor Allergien und entzündlichen Darmerkrankungen zu schützen.

Diese Ergebnisse will Lionetti in den kommenden Jahren durch weitere Studien verifizieren, doch er rät Eltern schon jetzt verstärkt darauf zu achten, dass ihre Kinder mit ausreichend Ballaststoffen versorgt werden, denn die Ernährungsgewohnheiten sind der bestimmende Faktor für die Vielfalt der Darmmikroben. (fp)