Alltagsprobleme bei Alzheimer und Demenz durch Technik überwinden

Fabian Peters
Projekt erforscht technische Lösungen zur Unterstützung von Demenzkranken
Die Zahl der Demenz-Patienten wächst rasant und die Entwicklung effektiver Behandlungsmethoden macht zwar Fortschritte, doch eine Heilung bleibt vorerst nicht erreichbar. Daher stellt sich kurzfristig vor allem die Frage, wie die Alltagsprobleme der Betroffenen minimiert werden können. Hier bieten technische Neuerungen vielversprechendes Potenzial. In dem Projekt . MEMENTO widmen sich Forscher der Suche nach technischen Lösungen für den Umgang mit der Vergesslichkeit im Alltag.

An dem europäischen Forschungsprojekt MEMENTO (Memory and Moments collected) sind unter anderem Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien) beteiligt. Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer technischen Lösungen, die den Umgang mit der Vergesslichkeit im Alltag erleichtern sollen. Hierfür wird ein Programm entwickelt, in dem persönliche Bilder, Videos und Notizen gesammelt werden können. Anschließende erfolge in einer sogenannten Cloud (Online-Datenspeicher) eine intelligente Aufarbeitung der Daten, so dass diese anschließend als Erinnerungsstütze dienen, berichtet die MedUni Wien.

In einem aktuellen Forschungsprojekt arbeiten Wissenschaftler an technischen Lösungen, die Demenzpatienten gegen die Vergesslichkeit und gegen damit zusammenhängende Alltagsprobleme helfen soll. (Bild: vege/fotolia.com)

Steigende Zahl der Demenzerkrankungen
Unter dem Begriff Demenz wird eine Gruppe von Krankheitsbildern zusammengefasst, „bei denen es zu Beeinträchtigungen von kognitiven Funktionen wie Gedächtnis, Sprache, Orientierung, Auffassungsgabe und Urteilsvermögen kommt“, erläutert die Experten der MedUni Wien. Die Erkrankungen seien vor allem im höheren Alter festzustellen und „aufgrund demografischer Entwicklungen zu einem wichtigen gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Thema geworden.“ In Österreich leben laut Angaben der MedUni Wien derzeit rund 130.000 Personen mit einer Form der Demenz, wobei sich die Zahl nach Expertenschätzungen bis zum Jahr 2050 verdoppeln werde. Dabei sei die Alzheimer-Krankheit mit bis zu 80 Prozent der Fälle die häufigste Demenzform.

Demenz bedingt weitreichende Alltagsprobleme
Die Demenzerkrankungen führen zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag wie beispielsweise bei der Organisation des Haushalts, der Erledigung von finanziellen Dingen oder der Wahrnehmung von Arztterminen, was oft zu einer zusätzlichen Verschlechterung der Stimmungslage, einer Veränderung des Sozialverhaltens und beeinträchtigter Motivation führe, berichtet die MedUni Wien. Hier setzt das MEMENTO-Projekt an, welches von acht Forschungszentren in Österreich, Italien und Spanien gemeinsam durchgeführt wird.

Gefühl der Sicherheit vermitteln
„Das Programm MEMENTO soll in der Lage sein, PatientInnen mit leichter Demenz an tägliche Ereignisse, Situationen und Orte zu erinnern, und Ihnen zu helfen, neue Informationen zu behalten“, berichtet Elisabeth Stögmann von der Universitätsklinik für Neurologie an der MedUni Wien. Die technische Lösung soll Menschen mit Demenz ein Gefühl der Sicherheit vermitteln und eine vertraute Umgebung herstellen, so Stögmann weiter. Dabei werde das Programm aus drei Komponenten bestehen, mit welchen persönliche Bilder, Videos und Notizen gesammelt werden können. Anschließend erfolge eine intelligente Aufarbeitung der Informationen in einer Cloud, so dass die Daten als Erinnerungsstütze geeignet sind.

Hilfreiche kurzfristige Erinnerungsstütze
Die kurzfristige Erinnerungsstütze könnte für Betroffene besonders hilfreich sein, da laut Elisabeth Stögmann die meisten Menschen mit Demenz sich frühere Momente besser ins Gedächtnis rufen können, als kürzlich geschehene Ereignisse. „Es ist möglich, dass sie sich an eine Vielzahl von Fakten oder Erfahrungen erinnern, jedoch bei aktuellen Dingen – wie kurz zurückliegenden Ereignissen oder gerade Besprochenem – sehr vergesslich sind“, so Stögmann weiter. Demnach falle es Menschen mit Demenz oft schwer, sich zu erinnern, was vor einigen Minuten oder Stunden passiert ist, doch andererseits können sie sich vergleichsweise gut an Ereignisse erinnern, die passiert sind, als sie viel jünger waren.

Bei dem Forschungsprojekt werde „die technische Umsetzung von Beginn an von potenziellen Benutzern begleitet“, ergänzt Sten Hanke von der AIT Austrian Institute of Technology GmbH. Insgesamt ist ein breites interdisziplinäres Expertenteam aus verschiedenen Fachbereichen an dem Projekt beteiligt. Neben Wissenschaftlern des Medizinbereichs von der MedUni Wien, der Universitätsklinik in Perugia und einer Pflegeeinrichtung in Spanien sind auch Forscher der AIT Austrian Institute of Technology GmbH und Designfachleute vom BKM Design Studio vertreten. Die industriellen Partner VirtualWare, WeTouch, Integris und Citard Services seien darauf konzentriert, dass die entwickelte Lösung auch auf den Markt gebracht werden kann, so die Mitteilung der MedUni Wien.

Finanziert wird das Projekt laut Angaben der MedUni vom „Active and Assisted Living (AAL)“ Programm, welches Projekte unterstützt die Informations- und Kommunikationstechnologie entwickeln, um die Lebensqualität von älteren Menschen zu verbessern. Das AAL-Programm fördere die Entwicklung und Erprobung der Lösung in drei europäischen Ländern für die nächsten drei Jahre mit zwei Millionen Euro. Auch seien nationale Fördergelder vom „benefit Programm der FFG“ für das MEMENTO-Projekt vorgesehen. (fp)