ALS: Milderung durch Kohlenhydratreiche Ernährung

Alfred Domke

Nervenerkrankung ALS: Abmilderung durch Kohlenhydrate

01.03.2014

Laut den Ergebnissen einer US-amerikanischen Studie könnte eine kohlenhydratreiche Ernährung den Verlauf der tödlichen Nervenerkrankung Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) abmildern. Demnach traten bei der Untersuchung Symptome wie Muskelschmerzen, Juckender Hautausschlag oder Lungenentzündungen seltener auf.

Ernährung mit vielen Kohlenhydraten schneidet am besten ab
Den Ergebnissen einer US-amerikanischen Studie zufolge könnte der Verlauf der tödlichen Nervenerkrankung Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) durch eine Ernährung mit vielen Kohlenhydraten abgemildert werden. Wie es in einem am Freitag veröffentlichten Artikel im Fachmagazin „The Lancet“ heißt, untersuchten die US-amerikanischen Wissenschaftler bei einer Studie mit 20 Patienten die Auswirkungen von verschiedenen Ernährungsformen auf die Patienten. Am besten schnitt dabei eine kohlenhydratreiche Ernährung ab. Allerdings müssen "angesichts der kleinen Anzahl von Versuchsteilnehmern weitere Test zeigen, ob sich die Erkenntnisse verallgemeinern lassen", wie es in dem Studienbericht heißt.

Patienten verlieren letztlich die Kraft zu atmen
Bei ALS, auch bekannt unter dem Namen Lou-Gehrig-Syndrom, sind Nervenzellen betroffen, die für die Steuerung der Skelettmuskulatur verantwortlich sind. Erkrankte werden müde und schwach und verlieren sogar die Kraft, sich zu bewegen und letztlich auch zu atmen. Den Patienten fällt es zudem schwer, zu essen. Sie müssen schließlich über eine Magensonde ernährt werden. Im Durchschnitt sterben Personen mit einer ALS etwa drei bis fünf Jahren nach der Erstdiagnose. Die Vermutung der Forscher, dass Patienten früher sterben, wenn sie Gewicht verlieren, hat sich auch schon in Tierversuchen gezeigt. So hatten Versuche mit Mäusen gezeigt, dass diejenigen Tiere länger lebten, die eine kalorienreiche Nahrung mit vielen Fetten erhielten.

Versuchsteilnehmer mussten bereits über Magensonde ernährt werden
Die Wissenschaftler aus den USA untersuchten nun bei den 20 Patienten, die an fortgeschrittener ALS litten und bereits über eine Magensonde ernährt werden mussten, drei verschiedene Ernährungsformen. Die Patienten einer Kontrollgruppe erhielten dabei so viele Kalorien, dass das Körpergewicht eigentlich stabil bleiben sollte. In den beiden anderen Gruppen erhielten die Erkrankten 125 Prozent der Kalorien, die für ein Beibehalten des Gewichts nötig sind. In der einen dieser Gruppen war die Ernährung besonders fetthaltig, bei der anderen besonders kohlenhydrathaltig. Die Patienten des vier Monate dauernden Versuchs wurden anschließend noch weitere fünf Monate beobachtet. Es zeigte sich, dass es den Patienten aus der Gruppe mit besonders kohlenhydratreicher Ernährung in der Zeit deutlich besser ging als denjenigen aus den anderen beiden Gruppen. Sie litten seltener unter Muskelschmerzen, Hautausschlägen oder auch Lungenentzündungen. Zudem starb aus dieser Gruppe in den fünf Monaten nach der besonderen Diät niemand. Aus der Gruppe mit der besonders fetthaltigen Ernährung starb ein Patient, aus der Kontrollgruppe starben drei Patienten.

Wegen geringer Teilnehmerzahl nur bedingt aussagekräftig
Festgestellt wurden auch "deutliche Unterschiede bei der Entwicklung des Körpergewichts". So nahmen Patienten der Gruppe "mit besonders kohlenhydratreicher Ernährung im Schnitt um 390 Gramm pro Monat zu", während die Patienten der Kontrollgruppe um 110 Gramm pro Monat zunahmen. Die Erkrankten mit der besonders fetthaltigen Ernährung nahmen sogar ab, sie verloren monatlich durchschnittlich 460 Gramm Körpergewicht. Die Studie ist jedoch wegen "der kleinen Zahl der Versuchsteilnehmer nur bedingt aussagekräftig". Es war dabei vor allem darauf geschaut worden, ob eine Umstellung der Ernährung für die Patienten gefahrlos möglich ist, und nicht, welche Auswirkungen die Umstellung hat.

Stephen Hawking weltweit wohl bekanntester ALS-Patient
„Diese Pilotstudie zeigt, wie sicher eine neue, einfache und preiswerte Behandlung für diese verheerende Krankheit ist, für die es derzeit sehr wenige Behandlungsmöglichkeiten gibt“, so Studienleiterin Anne-Marie Wills vom Massachusetts General Hospital in Boston. „Negative Auswirkungen der Gewichtszunahme wie Diabetes oder Herzerkrankungen, wie wir sie befürchtet hatten, wurden im Studienzeitraum nicht beobachtet.“ Es müsse nun größer angelegte Studien mit Patienten geben, die ALS im Frühstadium hätten. Als lebendes Beispiel für die Schwere der Erkrankung ist der Astrophysiker Stephen Hawking wohl der bekannteste ALS-Patient. Seit Ende der 1960er Jahren ist Hawking aufgrund der Erkrankung an den Rollstuhl gefesselt. Zur Kommunikation nutzt der weltbekannte Astrophysiker einen Sprachcomputer. (ad)

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Bild: Halina Zaremba / pixelio.de