ALS: Unheilbar erkrankte Frau feierte eine Abschiedsparty und nahm sich das Leben

Nicht alle Strand-Partys haben einen fröhlichen Anlass. In Kalifornien feierte eine todkranke Frau ein Abschiedsfest und nahm sich später mit einem Medikamentencocktail das Leben. (Bild: Jacob Lund/fotolia.com)
Alfred Domke
Nervenkrankheit ALS: Todkranke Frau feiert Abschiedsfest und begeht Suizid
Eine todkranke US-Amerikanerin feierte Ende Juli eine bewegende, zweitägige Abschiedsparty und schluckte anschließend einen tödlichen Medikamentencocktail. Die Frau litt an ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), einer unheilbaren Nervenkrankheit, die vielen Menschen durch die sogenannte „Ice Bucket Challenge“ bekannt wurde. Die eingeladenen Freunde und Verwandten wurden aufgefordert, bei dem Fest nicht zu weinen.

Patientin wollte ihrem Leben ein Ende setzen
Ende Juli entschied sich die 41-jährige US-Amerikanerin Betsy Davis dazu, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Im Jahr 2013 war bei ihr ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) diagnostiziert worden, eine Nervenkrankheit, die als unheilbar gilt und vielen Menschen durch die sogenannte „Ice Bucket Challenge“ bekannt wurde. Bevor sie sich das Leben nahm, feierte sie mit ihrer Familie und Freunden in der Nähe von San Diego (Kalifornien) ein zweitägiges Abschiedsfest.

Nicht alle Strand-Partys haben einen fröhlichen Anlass. In Kalifornien feierte eine todkranke Frau ein Abschiedsfest und nahm sich später mit einem Medikamentencocktail das Leben. (Bild: Jacob Lund/fotolia.com)
Nicht alle Strand-Partys haben einen fröhlichen Anlass. In Kalifornien feierte eine todkranke Frau ein Abschiedsfest und nahm sich später mit einem Medikamentencocktail das Leben. (Bild: Jacob Lund/fotolia.com)

Unheilbare Nervenkrankheit
Die Nervenkrankheit ALS, bei der es unter anderem zu heftigen Muskelzuckungen und starken Schluckproblemen kommen kann, führt zu einer Schädigung von Nervenzellen. Sie ist nicht heilbar und führt bei etwa der Hälfte der Patienten innerhalb der ersten drei Jahre zum Tod. Betroffene leben nur in Ausnahmefällen länger als ein Jahrzehnt mit der Krankheit. Betsy Davis bekam ihre Diagnose vor rund drei Jahren. Sie wollte selbst entscheiden, wann ihr Leben zu Ende ist.

Zweitägiges Abschiedsfest mit Familie und Freunden
Die 41-Jährige entschloss sich dazu, sich vor ihrem Tod mit einem großen, zweitägigen Fest zu verabschieden. Sie verschickte Einladungen an Verwandte und Freunde, und verwies darauf, dass die Umstände vermutlich anders sind, „als bei allen anderen Feiern, die ihr je besucht habt. Sie erfordern emotionales Durchhaltevermögen und Offenheit“, berichtet die britische „Daily Mail“. Davis schrieb: „Es gibt keine Regeln. Zieht an was ihr wollt, sagt was ihr wollt, tanzt, hüpft, schreit, singt, betet, aber weint nicht vor mir. Oh, OK, eine Regel.“

Gäste bekamen ein Souvenir der Patientin
Die angereisten 30 Gäste feierten zwei Tage lang mit der Patientin, die vor ihrer Erkrankung als Malerin und Performance-Künstlerin tätig war. Medienberichten zufolge gab es Cocktails und Pizza, manche Gäste machte mit mitgebrachten Instrumenten Musik. Sie sahen sich einen der Lieblingsfilme von Davis an („The Dance of Reality“) und modelten mit den Kleidern der Patientin. Schließlich durften sich alle Anwesenden ein „Betsy Souvenir“ mitnehmen.

Leben im elektrischen Rollstuhl
Die 41-Jährige hatte die ganz Party, wie auch die letzten Monate zuvor in einem elektrischen Rollstuhl verbracht. Sie konnte aufgrund ihrer Krankheit schon seit längerem nicht mehr stehen oder Dinge des Alltags verrichten, wie etwa Zähneputzen oder sich zu kratzen. Zum Ende der Feierlichkeiten versammelten sich nochmal alle Gäste für ein letztes gemeinsames Foto um die Gastgeberin und küssten sie.

Letzter Sonnenuntergang
Schließlich sah sich Betsy Davis ihren letzten Sonnenuntergang an und nahm im Beisein ihrer Ärztin, einem Masseur, ihrem Pfleger und ihrer Schwester einen tödlichen Medikamenten-Cocktail. Vier Stunden später war sie tot. Ihr Suizid erfolgte nur rund einen Monat nachdem das kalifornische Gesetz eine solche Möglichkeit für unheilbare Patienten legalisiert hatte.

Ice Bucket Challenge machte auf Krankheit aufmerksam
Die seltene Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist vielen Menschen seit der sogenannten „Ice Bucket Challenge“ ein Begriff. Im Rahmen dieser Aktion hatten sich Tausende Menschen weltweit Eiswasser über den Kopf geschüttet, um Geld für die ALS-Forschung zu sammeln. Erst vor kurzem war berichtet worden, dass dank der Ice-Bucket-Challenge Hunderte Millionen US-Dollar zusammen kamen.

Sinnvoll eingesetzte Spendengelder
Das Geld, das in die Forschung gesteckt wurde, war offenbar von großem Nutzen. Wissenschaftler haben neue Genvarianten gefunden, die in vielen Fällen zur Krankheit beitragen. Professor Naomi Wray von der University of Queensland (Australien) sagte: „Diese drei neuen Gene eröffnen neue Möglichkeiten für die Forschung, um eine komplexe und schwächende Krankheit zu verstehen, gegen die es zur Zeit noch keine wirksame Behandlung gibt.“ Laut beteiligter Experten war die Forschung aufgrund der Spendengelder möglich geworden. (ad)

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