Als Wickel, Maske oder als Gesundheitsdrink: Heilerde ist vielseitig verwendbar

Sebastian
Vielseitig einsetzbare Heilerde hilft als Wickel oder Maske
Heilerde ist ein Jahrtausende altes Naturheilmittel. Vor allem äußerlich, etwa als Maske oder Wickel, wird die heilsame Erde als „Wunderwaffe“ gegen Hautprobleme eingesetzt. Der unscheinbare Schlamm wird aber auch innerlich angewendet und hilft gegen verschiedene Krankheiten, vor allem im Magen-Darm-Bereich.

Wunderwaffe der Natur
Zwar mag eine Heilerde-Maske auf den ersten Blick wenig ansprechend aussehen, doch bereits die alten Ägypter wussten über die positiven Effekte, die ein Bad in der heilsamen Erde mit sich bringt, Bescheid. Der unscheinbar aussehende Schlamm ist eine wahre Wunderwaffe der Natur. Uta Schlossberger, Hautärztin in Köln, erklärte in einer Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa: „Bei Heilerde handelt es sich um ein mineralisches Pulver, das aus Lössablagerungen aus der Eiszeit gewonnen wird.“ Die genaue Zusammensetzung der Erde variiert je nach Abbaugebiet.

Heilerde
Heilerde kann heilen. Bild: PhotoSG – fotolia

Heilerde besteht im Wesentlichen aus natürlichen Mineralien wie Silikat, Kalkspat, Dolomit und Feldspat sowie darin gebundenen Elementen wie Silizium, Kalzium, Eisen, Kalium, Magnesium und Natrium sowie den Spurenelementen Kupfer, Mangan, Nickel, Selen und Zink. Im Handel ist sie heutzutage in Form von Pulver erhältlich. Die Wirkung soll umso effektiver sein, je feiner es gemahlen ist. Das Naturheilmittel wird von manchen Herstellern auch in Form von gebrauchsfertigen Pasten oder Kapseln angeboten.

Bewährtes Hausmittel bei verschiedenen Hautproblemen
Als Maske findet die Heilerde hierzulande ihre häufigste Anwendung. „Dank ihrer antibakteriellen Wirkung und weil sie der Haut beim Trocknen Schadstoffe, Bakterien und Talk entzieht, ist sie eine Wunderwaffe gegen Pickel und Ekzeme“, erklärte Schlossberger. „Zwei Esslöffel des Pulvers mit einem Esslöffel Wasser zu einer dicken Paste verrühren, auftragen, trocknen lassen und mit viel Wasser abspülen“, erläuterte Kosmetikerin Heike Kaufmann aus Siegen die Anwendung. Zwar wird Heilerde häufig als Hausmittel bei Akne oder als Hausmittel gegen Furunkel eingesetzt, doch sie ist nicht für alle Menschen gleichermaßen geeignet. Da sie der Haut Feuchtigkeit entzieht, sollten Menschen mit trockener Haut besser auf andere Produkte zurückgreifen. „Nach jeder Anwendung sollte die Haut eingecremt werden“, empfiehlt Kaufmann. Sie rät zu Produkten aus körperverwandten Stoffen wie Hyaluron.

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Vielseitige Anwendungsmöglichkeiten
Die Anwendungsmöglichkeiten von Heilerde sind äußerst vielseitig. „Wer an Neurodermitis leidet, dem kann der eiszeitliche Löss helfen, denn die darin enthaltenen Wirkstoffe mindern den Juckreiz“, sagte Kaufmann. Dazu eignet sich am besten ein Wickel, bei dem die Paste auf die Haut gestrichen und anschließend mit einem feuchten Leinentuch straff umwickelt wird. Auch gegen Cellulite kommt Heilerde zum Einsatz, da sie die Durchblutung fördert.

Das Naturprodukt kann als Hausmittel bei Sonnenbrand helfen. „Die Paste lindert dank ihrer kühlenden Wirkung den Schmerz. Zugleich wird die Durchblutung der verbrannten Hautpartie angeregt“, erläuterte Schlossberger. Simone Schulze, Mitglied im Verband Cosmetic Professional, fügte an: „Als Wickel oder Vollbad hilft sie bei Muskelverspannung, Unterleibsschmerzen und sogar bei Rheuma und Arthrose.“ Schlossberger warnte: „Aber Achtung: Bei Sehnenleiden oder Krampfadern ist ein warmer Heilerde-Wickel keinesfalls förderlich.“

Innere Anwendung ist nicht weniger wirkungsvoll
Die innere Anwendung von Heilerde ist zwar weniger bekannt als die äußere, doch ebenfalls sehr wirkungsvoll. So haben Forscher der Berliner Universitätsklinik Charité in einer Studie festgestellt, dass Heilerde das Reizdarm-Syndrom lindert.

Das Pulver kann aber noch mehr. Man kann Heilerde zum Beispiel als Kapsel oder auch als Drink zu sich nehmen. Dafür löst man einen gestrichenen Teelöffel in einem Glas Wasser oder Tee auf. Der Geschmack ist jedoch etwa gewöhnungsbedürftig. „Bei innerer Anwendung hilft Heilerde wegen der Carbonatsalze gegen Sodbrennen, Verdauungsstörungen oder Magen-Darm-Erkrankungen“, erklärte Schlossberger. Allerdings ist die Einnahme von Heilerde bei Störungen der Nierenfunktion, akutem Durchfall oder Fieber untersagt. Man sollte in jedem Fall die Gebrauchsanweisung beachten.

Rügener Heilkreide mit ähnlicher Wirkung
Wie die dpa berichtet, soll auch die Rügener Heilkreide ähnlich heilende Wirkungen erzielen. Es handelt sich dabei um Kalkstein, der am Fuße der Kreidefelsen gewonnen wird. „Sie besteht aus Schalen und Gehäusen kleinster Lebewesen und enthält Mineralstoffe und Spurenelemente, die sich über Millionen Jahre dort angelagert haben“, erläuterte Schulze. Die Kreide entziehe – wie auch die Heilerde – der Haut Schmutz und Talk und helfe gegen fettige Haut und Akne. „Weil die Kreide nur in Wasser aufgelöst, aber Schulkreide ähnlich ist, empfehle ich, sie mit cremigen Komponenten anzureichern“, so Schulze. In der Naturheilkunde kommt die Rügener Heilkreide unter anderem bei Ischiasschmerzen zum Einsatz. Dabei wird die Kreide in Form eines so genannten Kreidebades angewendet – hierfür wird sie in 38 bis 40 Grad warmes Badewasser gegeben, in welchem 20 Minuten gebadet wird, im Anschluss wird warm geduscht und im vorgewärmten Bett etwa noch eine halbe Stunde nachgeschwitzt. (ad)