„Alternative“ Krebsprävention: Patient durch Aprikosenkern-Extrakt vergiftet

Alfred Domke
Mann will Krebs vorbeugen: Schwere Zyanid-Vergiftung durch Aprikosenkern-Extrakt
Ein Mann der jahrelang Aprikosenkern-Extrakt zur Prävention von Krebs einnahm, hat sich durch diese „Alternativmedizin“ eine schwere Vergiftung zugezogen. Aprikosenkerne enthalten eine Substanz, die in Zyanid umgewandelt wird. Dieses Gift kann lebensbedrohlich sein. Trotz des Risikos will der Mann sein hausgemachtes Mittel weiter einnehmen.

Aprikosenkerne zur Krebsvorbeugung konsumiert
Obst ist kerngesund. Allerdings nicht alles davon. Wie in der Medizin-Fachzeitschrift „BMJ Case Reports“ berichtet wird, hat ein Mann eine Zyanid-Vergiftung erlitten, nachdem er jahrelang Aprikosenkern-Extrakt zu sich nahm. Den Angaben zufolge konsumierte der 67-Jährige die „Alternativmedizin“ zur Krebsvorbeugung über fünf Jahre lang täglich. Aprikosenkerne enthalten allerdings auch eine natürlich vorkommende Substanz namens Amygdalin, die sich nach dem Verzehr in Zyanid (Blausäure) umwandelt.

Ein Mann, der jahrelang Aprikosenkern-Extrakt zur Krebsvorbeugung einnahm, hat sich dadurch eine schwere Vergiftung zugezogen. In den Kernen ist nämlich eine Substanz enthalten, die sich nach dem Verzehr in Zyanid (Blausäure) umwandelt. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)

Alarmierend hohe Zyanid-Werte gemessen
Laut dem Bericht fielen während einer Operation die extrem niedrigen Sauerstoff-Werte bei dem Mann auf. Zudem wurden bei Bluttests alarmierend hohe Zyanid-Werte gemessen.

Nachdem der Patient aus der Vollnarkose erwacht war, informierte er die Ärzte über seine Selbstmedikation: demnach hat er täglich zwei Teelöffel seines hausgemachten Aprikosenkern-Extraktes und zusätzlich drei Fruchtkern-Tabletten eingenommen.

Wie es in der Zeitschrift heißt, habe der Mann so jeden Tag 17 Milligramm des Extraktes zu sich genommen – genug, um den Zyanid-Gehalt im Blut auf das 25-Fache der Menge zu erhöhen, die als unbedenklich gilt.

Vergiftung kann tödlich enden
„Eine Cyanidvergiftung kann Übelkeit, Fieber, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Durst, Trägheit, Nervosität, diverse Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Blutdruckabfall zur Folge haben“, schreibt die European Food Safety Authority (EFSA) in einer Mitteilung.

„In extremen Fällen kann sie zum Tode führen“, heißt es dort weiter. „Studien zufolge können schon 0,5 bis 3,5 Milligramm (mg) Cyanid pro Kilogramm Körpergewicht tödlich sein.“

Laut anderen Gesundheitsexperten können 50 Milligramm des Giftes (ein bis zwei Teelöffel) zum Tod eines 72 Kilogramm schweren Menschen führen.

Aprikosenfrüchte stellen keine Gesundheitsgefahr dar
Dem „BMJ“-Bericht zufolge zeige der Fall des Mannes, dass Selbstmedikation mit sogenannter Alternativmedizin gefährlich sein kann.

Wie es heißt, hätten die Mediziner dem Patienten ihre Bedenken mitgeteilt, dieser habe sich jedoch dazu entschieden, sein Aprikosenkern-Extrakt weiterhin einzunehmen.

Auch die EFSA hatte im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, wie gefährlich der Verzehr von Aprikosenkernen – insbesondere für kleine Kinder – werden kann.

Aber: „Der normale Verzehr von Aprikosenfrüchten stellt kein Gesundheitsrisiko für Verbraucher dar“, so die Experten. (ad)