Alternativen zu Antibiotika aus der Naturheilkunde

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Alternativen zu Antibiotika

Als Antibiotika werden Medikamente bezeichnet, die gegen krankmachende Bakterien eingesetzt werden, indem sie diese entweder abtöten oder deren Wachstum hemmen. Nachdem das Penicillin in der Nachkriegszeit die Gefahr an Wundinfektionen, Kindbettfieber, Hals- und Lungenentzündungen zu sterben, erfreulich reduzierte, wird heute aufgrund zunehmender Resistenzen und negativer gesundheitlicher Folgen von Antibiotika, der Ruf nach Alternativen immer lauter. Welche Alternativen aus dem Bereich der Naturheilkunde gibt es und wie können diese sinnvoll eingesetzt werden?

Antibiotika: Entwicklung und Resistenzentwicklung

Als der schottische Bakteriologe Alexander Fleming 1929 bei seinen Laborversuchen eher zufällig die wachstumshemmende Wirkung des Schimmelpilzes Penicillum auf krankheitserregende Bakterien entdeckte, begann damit eine neue Ära der Medizin, die zunächst allerorts als Segen empfunden wurde. Penicillin wirkte vor allem auf die Stämme der Staphylokokken und Streptokokken, beides Bakterienarten, die eitrige Erkrankungen, wie etwa Halsentzündungen, Lungenentzündungen oder Wundinfektionen hervorbrachten. Bald schon wurden neue, gegen weitere Bakterien wirksame Antibiotika entwickelt, die zunächst aus Pilzen und Bakterien, später jedoch zunehmend synthetisch hergestellt wurden. Heute sollen weltweit mindestens 8000 Antibiotika bekannt sein. So beeindruckend schnell die Wirkung des Penicillinum eintrat, so rasch tauchten auch erste Resistenzen, insbesondere des Staphylococcus aureus auf, die sich bis heute auf ca. 80 % der Bakterienstammes ausgeweitet haben sollen. Der multi-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) soll nach Medienberichten aus dem vergangenen Jahre allein in Deutschland 40.000 Todesopfer pro Jahr einfordern, was insbesondere in Krankenhäusern eine ernstzunehmende Bedrohung darstellt.

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Unnötiger Einsatz und unsachgemäße Anwendung

Gründe für diese Resistenzentwicklung sind einerseits in der geradezu verschwenderischen und vielfach unnötigen Verschreibungspraxis von Human- bzw. Tiermedizinern in den vergangenen Jahrzehnten zu finden. So werden die – lediglich bei bakteriellen Infektionen wirksamen – Medikamente häufig bereits bei einer banalen Erkältung mit Halsweh, Husten und Schnupfen verschrieben, die in der Regel jedoch viral verursacht sind. Ebenso gehen Patienten mit einer Antibiotikaverordnung aus der Arztpraxis, obwohl eine Pilzinfektion festgestellt wurde, oftmals mit der Begründung, einer möglichen bakteriellen Entzündung vorzubeugen. Der großflächige Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung fördert indes indirekt über das Trinkwasser die Resistenzen.

Auf der anderen Seite kann sicherlich auch die unsachgemäße Anwendung durch den Patienten für die schwindende Wirksamkeit der Antibiotika mitverantwortlich gemacht werden. Insbesondere ein vorzeitiger Abbruch der Therapie bei abnehmenden Beschwerden kann dazu führen, dass einige Bakterien überleben, sich erneut vermehren und dabei auch noch Resistenzen gegen das Medikament entwickeln. Ebenfalls wenig beachtet, jedoch für die Wirkung bedeutsam, ist die Einhaltung der vorgegebenen Einnahmeabstände und Ernährungsvorschriften. In Bezug auf Antibiotika bestehen in der Bevölkerung insgesamt bedenkliche Wissenslücken, auf die eine europäische Studie bereits im Frühling dieses Jahres hingewiesen hat.

Langzeitfolgen für die Gesundheit

Als häufigste Nebenwirkungen von Antibiotika kommen Beschwerden des Verdauungstraktes vor, etwa Übelkeit und Erbrechen, insbesondere aber Durchfall. Antibiotika machen mit ihrer bakterienfeindlichen Eigenschaft auch vor den ständig ansässigen und für ein gesundes Gleichgewicht sorgenden Keimen unserer Darmflora nicht Halt. Bereits die einmalige Therapie führt oftmals zu einer Störung des sensiblen Systems, das sich jedoch nach einer Weile zu reorganisieren vermag. Bei wiederholter Antibiotikatherapie kann das Gleichgewicht häufig nicht ohne äußeres Eingreifen wiederhergestellt werden. Dadurch kommt es aus Sicht der Naturheilkunde nicht nur zu andauernden Verdauungsstörungen. Vielmehr kann die entstandene Darmdysbiose auch Funktionsstörungen des Abwehrsystems hervorbringen, die zu Infektanfälligkeit oder Allergiebereitschaft, wie beispielsweise einer Nahrungsmittelallergie, führen. Auch der Ansiedelung und Verbreitung von Hefepilzen, z.B. Candida albicans oder unerwünschten Bakterienstämmen, die wiederum zu gesundheitlichen Störungen führen können, ist der Weg geebnet. Aktuell konnte in einer Studie von David Relman und Kollegen an der Stanford University School of Medicine eine anhaltende Auswirkung von wiederholten Ciprofloxacin-Gaben auf die natürliche Besiedelung der Darmflora belegt werden.

Pflanzliche Antibiotika

Für viele bakteriell verursachte Beschwerden können zunächst Heilpflanzen eingesetzt werden. Als pflanzliche Antibiotika werden Heilpflanzen bezeichnet, deren Inhaltsstoffe entweder bakterizid, also bakterienabtötend oder bakteriostatisch, d.h. wachstumshemmend auf die Keime wirken. In einer Vielzahl von Pflanzen sind diese z.B. als ätherische Öle, Flavonoide, Gerbstoffverbindungen, Saponine oder Senföle enthalten. Je nach weiteren Inhaltsstoffen und Wirkungen werden die Heilpflanzen zur Linderung spezifischer Beschwerden ausgesucht.

So hilft Salbei bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum und Thymian gegen Husten, während die antibakterielle Wirkung von Cranberrys und weißem Sandelholz eher bei einem Harnwegsinfekt genutzt wird. Als natürliches Antibiotikum, das überdies Verdauung und Darmflora stärken soll, ist Gelbwurz (Curcuma) bekannt. Zur Vorbeugung und Behandlung von Hautinfektionen hat sich Teebaumöl bewährt, während Aloe vera bei der Wundheilung als besonders effektiv gilt. Bereits 1994 soll Dr. Kathleen Shupe an der Universität von Dallas in einer Reihe von in-vitro-Versuchen die abtötende Wirkung der Aloe-Wirkstoffe auf Streptococcus pyogenes und den Eiter erzeugenden Staphylococcus aureus beobachtet haben.

Ist eine Behandlung mit konventionellen Antibiotika unumgänglich, sollten die Patienten in der Arztpraxis (wieder) vermehrt über die Folgen einer unzureichenden Einnahme bzw. ihren Beitrag zur Verhinderung von Antibiotikaresistenzen aufgeklärt werden. Eine gründlichere Abwägung der Notwendigkeit und eine genaue Keimanalyse zum gezielten Einsatz eines Antibiotikums können außerdem dazu beitragen, dass die Medikamente in angebrachten Fällen als „scharfe Waffe“ auch weiterhin verlässlich wirken. Nach der Behandlung kann die physiologische Bakterienflora wieder durch die Gabe sogenannter Probiotika beim Aufbau der Normalflora unterstützt werden. (Dipl.Päd. Jeanette Viñals Stein, Heilpraktikerin, 17.09.2010)

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Quellen: David Relman, Stanford University School of Medicine, et al.: PNAS, Onlineveröffentlichung, doi/10.1073/pnas.1000087107)