Alterssichtigkeit: Wann sollte es eine Gleitsichtbrille sein?

Bild: sinuswelle - fotolia
Sebastian
Fast jeder von Alterssichtigkeit irgendwann betroffen
Im höheren Alter ist Alterssichtigkeit mit 95 Prozent die häufigste Fehlsichtigkeit beim Menschen. Eigentlich handelt es sich aber gar nicht um eine Krankheit, sondern um einen altersbedingten Funktionsverlust des Auges. Strukturen im Auge ermüden im Laufe des Lebens und scharfes Sehen in der Nähe wie beim Lesen ist nur noch eingeschränkt möglich. Viele greifen dann zur Gleitsichtbrille, einigen von ihnen bereitet die neue Sehhilfe aber Probleme. Für sie und alle die keine Brille tragen wollen, gibt es sogenannte Multifokallinsen. Sie werden beim Augenarzt während eines Eingriffes eingesetzt und stellen die verlorene Sehkraft wieder her.

Bei der Alterssichtigkeit verlieren die Linsen ihre Elastizität. „Sie können sich nicht mehr flexibel auf unterschiedliche Entfernungen einstellen“, erklärt Augenarzt Dr. Robert Löblich von der Artemis Augenklinik Frankfurt. „Der Punkt, an dem Bilder gerade noch scharf erkannt werden, rückt immer weiter in die Ferne.“ Eine Brille hilft dann, das Kleingedruckte wieder lesen zu können. Bei vielen beliebt sind Gleitsichtbrillen, mit denen sowohl im Nah-, als auch im Fernbereich gut gesehen werden kann. Gläser dieser Sehhilfen sind so geschliffen, dass durch den oberen Bereich des Glases die Fehlsichtigkeit und im unteren Bereich die Altersweitsichtigkeit ausgeglichen wird. „Für viele ist dies praktisch, da sie nur noch eine Brille brauchen, aber es gibt auch Nachteile“, meint Dr. Löblich. „Gehirn und Augen brauchen einige Zeit, um sich an die Brille zu gewöhnen.“ Das führt manchmal zu Kopfschmerzen, Schwindel und unscharfem Sehen.

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Zudem ist der Scharfbereich von der Blickrichtung abhängig. So nehmen Betroffene oft den Kopf in den Nacken, um Texte lesen zu können. Das kann zu Schulter- und Nackenschmerzen führen. Beim Treppenlaufen hingegen werden die Stufen beim Blick durch den Nahteil der Brille nur verschwommen gesehen. Studien haben gezeigt, dass bei der Umstellung auf eine Gleitsichtbrille die Sturzgefahr um das Doppelte erhöht ist. Vor allem ältere Menschen mit Gangunsicherheit oder Schwindel sollten im Alltag keine Gleitsichtbrille tragen.

Wer Probleme mit der Gleitsichtbrille hat oder wen einfach das „Nasenfahrrad“ stört, kann sich die Fehlsichtigkeit operativ korrigieren lassen. „Je nachdem, ob zur Alterssichtigkeit auch Hornhautverkrümmungen, Kurz- oder Weitsichtigkeit hinzukommt, gibt es verschiedene Methoden“, erklärt Dr. Löblich. Linsenchirurgische Verfahren, wie das Einsetzen von multifokalen Linsen, erfüllen den meisten Patienten den Traum von Brillenfreiheit. Diese implantierten Multifokallinsen funktionieren wie eine Gleitsichtbrille im Auge und ermöglichen scharfes Sehen in verschiedene Distanzen. Da das Sichtfeld des Patienten jedoch nicht eingeschränkt ist und die Fern- und Nahsicht von der Blickrichtung unabhängig ist, haben Patienten meist keine Gewöhnungsprobleme. Die Linsen können jedoch manchmal den Nachteil haben, dass nachts Streulicht auftreten kann. Im Vordergrund der Methode steht, eine höhere Lebensqualität im Alltag zu erlangen.

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