Alzheimer Jahrzehnte vor Ausbruch erkennbar

Fabian Peters

Alzheimer-Diagnose: Krankheit Jahre vor dem Ausbruch erkennbar

14.06.2011

Alzheimer ist mit Hilfe eines neuen Diagnoseverfahrens bereits Jahre vor dem eigentlichen Ausbruch der Krankheit erkennbar. Nachdem US-Wissenschaftler der Harvard Medical School und des Massachusetts General Hospital in Boston sowie des Rush University Medical Center in Chicago bereits im April 2011 berichteten (siehe Fachmagazin „Neurology“), dass Alzheimer theoretisch Jahre vor dem Krankheitsausbruch erkennbar ist, haben Forscher der Universität Leipzig nun ein Diagnoseverfahren entwickelt, dass eine derart frühe Feststellung der Erkrankung ermöglichen soll.

Mehr zum Thema:

Mit Hilfe der neuen Methode zur Alzheimer-Diagnose lasse sich die neurodegenerative Erkrankung bereits bis zu 15 Jahre vor dem eigentlichen Krankheitsausbruch erkennen, berichtet das Forscherteam um Studienleiter Osama Sabri vom Universitätsklinikum Leipzig. Im Rahmen einer internationalen Studie haben die Wissenschaftler ein Diagnoseverfahren getestet, das den Nachweis des Alzheimer auslösenden Proteins Beta-Amyloid ermöglicht. Da sich Beta-Amyloid bereits über Jahre in bestimmten Hirnregionen ablagert, bevor es zum Ausbruch der Krankheit kommt, lasse sich mit Hilfe des neuen Diagnoseverfahrens lange vor dem Krankheitsausbruch eine drohende Alzheimer Erkrankung erkennen, so die Aussage der Leipziger Forscher.

Alzheimer-Früherkennung auf Basis des Proteins Beta-Amyloid
Die Früherkennung von Alzheimer könnte sich mit Hilfe des neuen Diagnoseverfahrens künftig deutlich verbessern, so die Hoffnung der Wissenschaftler um Osama Sabri, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. Durch die Injektion eines schwach radioaktive Markers, genannt Florbetaben, konnten die Wissenschaftler bei den Studienteilnehmern das Alzheimer verursachende Protein Beta-Amyloid im Positronen-Emissions-Tomographen (PET) nachweisen. Die Marker-Substanz wurde in den Arm der Probanden injiziert und wanderte von dort aus ins Gehirn, wo sie sich vermehrt in dem Protein Beta-Amyloid anreicherte und dies so auf den Bildern des PET sichtbar machte. Damit lässt sich verbreitetste Form der Demenz-Erkrankungen bereits Jahre vor dem eigentlichen Alzheimer-Ausbruch erkennen, erläuterte Studienleiter Osama Sabri. Dem Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin zufolge bedeuten die „Erkenntnisse der Studie eine gravierende Verbesserung bei der Alzheimer-Diagnostik“.

Alzheimer bis zu 15 Jahre vor Krankheitsausbruch erkennbar
Durch die Nachweismöglichkeiten des Proteins Beta-Amyloid im Gehirn könnten Alzheimer-Erkrankungen künftig rund zehn bis 15 Jahre vor dem eigentlichen Krankheitsausbruch erkannt werden, erklärten die Leipziger Wissenschaftler. Dem ebenfalls an der Studie beteiligten Henryk Barthel von der Universität Leipzig zufolge wäre dies „eine wirkliche Revolution in der Alzheimer-Diagnostik“. Denn die bisherigen Tests bieten keine Möglichkeit zu einer derart frühzeitigen Alzheimer-Diagnose und sind darüber hinaus äußerst ungenau – bis zu einem Drittel der Erkrankungen werden laut Aussage der Experten falsch diagnostiziert. Für die Betroffenen kann eine frühzeitige Diagnose mit umgehend eingeleiteter Behandlung jedoch einen Zeitgewinn von mehren Jahren darstellen, in denen sie länger alltagstauglich bleiben.

Verdopplung der Alzheimer-Erkrankungen bis 2050
Alzheimer ist bislang zwar nicht heilbar, aber durch die verschiedenen Behandlungsmethoden lässt sich Krankheitsverlauf deutlich verzögern. Außerdem ist die Entwicklung eines neuen Diagnoseverfahrens vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in den Industrienationen von besonderer Bedeutung. Denn die Anzahl der Alzheimer und Demenz-Erkrankungen wird nach Einschätzung der Experten in den kommenden Jahren massiv zunehmen. Schon heute leiden der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zufolge hierzulande rund 1,2 Millionen Menschen an Demenz, wobei zwei Drittel der Patienten eine Alzheimer-Erkrankung aufweisen. In den kommenden Jahren wird sich die Situation voraussichtlich weiterhin dramatisch zuspitzen, denn die Prognosen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gehen von einer Verdopplung der Alzheimer-Patienten bis zum Jahr 2050 aus. Dabei könnte das neue Diagnoseverfahren die Grundlagen der zukünftigen Alzheimer-Behandlung deutlich verbessern. (fp)