Am ersten Oktober ist der Weltvegetariertag

Sebastian

Weltvegetariertag: Was essen eigentlich Veganer, Vegetarier oder Flexitarier?

03.10.2011

Am ersten Oktober ist der Weltvegetariertag. Wurde noch vor einigen Jahren behauptet, die vegetarische Ernährung sei gegenüber der Mischernährung ungesund, hat sich das wissenschaftliche Bild gänzlich verändert. Erwiesen ist, dass eine vegetarische und ausgewogene Ernährung das Risiko von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs drastisch senken kann. Laut einer Langzeitstudie des Deutschen Krebsforschungszentrum in Heilberg verringert sich die Sterberate bei einer vegetarischen Ernährungsweise bei Frauen um 30 Prozent und bei Männern sogar um 50 Prozent.

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Zwar sieht man Vegetarier an Currywurst-Buden eher selten, aber es gibt mittlerweile zahlreiche Ausgleichsprodukte aus Tofu aus Soja oder dem Quorn Pilz. Immer mehr Menschen, die zwar eine Mischkost bevorzugen, machen sich dennoch Gedanken über die Herkunft ihrer Speisen und verzichten vielmals auf Fleisch. Ernährungswissenschaftler haben einen neuen Trend ausgemacht: Der Fleischkonsum sinkt in den westlichen Industrieländern kontinuierlich seit Jahren. Statt dem Steak vom Grill probieren immer mehr Menschen auch vegetarische Rezepte aus und merken, dass das Fleisch nicht mehr fehlt.

Vegetarier ist nicht gleich Vegetarier. Es gibt sehr viele unterschiedliche Ernährungsformen unter den Fleischverächtern. Manche essen auch Fisch, andere essen überhaupt keine tierischen Produkte wie Eier, Käse oder Jogurt. So gibt es Vegetarier, Veganer, Frutarier oder Pescetarier. Wer nun was isst, wird zum Weltvegetariertag am 1. Oktober erklärt.

Fleischesser/Mischkost: Laut einiger Ernährungsstudien essen Männer mehr Fleisch als Frauen. Das Bundesministerium für Ernährung fand in einer Auswertung heraus, dass Männer doppelt so viel Fleisch essen wie Frauen. Im Durchschnitt isst jeder Deutsche etwa 88,2 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Der Konsum hat seit den 50er Jahren rapide zugenommen und ist erst seit einigen Jahren wieder rückläufig. Zahlreiche Wissenschaftler fordern ein massives Umdenken in der Ernährung. Durch den weltweit hohen Fleischverzehr vor allem in den Industrienationen ist es schon heute aufgrund der steigenden Weltbevölkerung unmöglich, alle Menschen ausreichend zu ernähren. Zahlreiche Studien weisen daraufhin, dass ein hoher Verzehr von Fleisch das Risiko für Herzkrankheiten oder Schlaganfall signifikant ansteigen lässt.

Vegetarier: Mussten sich Vegetarier noch vor einigen Jahrzehnten rechtfertigen, weil sie kein Fleisch essen, ist es heute gesellschaftlicher Standard, auf Wurst und Rinderbraten zu verzichten. Viele Stars wie die Rocksängerin Nina Hagen oder Ex-Beatle Paul McCartney bekennen sich zu ihrem fleischlosen Leben. Experten schätzen, dass rund eine Milliarde Menschen sich rein vegetarisch ernähren. Der Bund der Vegetarier e.V. sagt, die Anzahl der Deutschen Fleischverächter liege derzeit bei rund sechs Millionen Menschen, Tendenz steigend. Hatten in früheren Zeiten noch viele aus politischen, religiösen oder ethischen Gründen zum Fleischverzicht aufgerufen, verzichten heute immer mehr Menschen auch der Gesundheit willen. Daneben spielen Aspekte wie Tierleiden und Massentierhaltung eine prägende Rolle für den Fleischverzicht. Umweltschutz und Tierschutz sind im Übrigen die am meisten genannten Gründe, warum jemand kein Fleisch isst. Viele sagen aber auch, „mir schmeckt Fleisch einfach nicht“. Laut Studien sind Vegetarier heute meist weiblich, jung und überdurchschnittlich gebildet. In Asien essen sehr viele Menschen seit Jahrhunderten aus religiösen Gründen kein Fleisch, weshalb dort die vegetarische Küche von vielen Vegetariern hoch gelobt ist.

Veganer: Bei der veganen Ernährungsweise verzichten die Menschen auf jeglichen Verzehr von tierischen Produkten. Veganer essen demnach kein Fleisch, Käse, Eier, Gelatine aus Tiermehl oder Honig. Viele Veganer wollen sehr konsequent leben und achten auch bei der Auswahl ihrer Kleidung auf Inhalt und Herkunft. Daher verzichten die meisten auf das Tragen von Lederschuhe, Schafwolle, Daunenfedern oder handelsüblicher Kosmetik. Veganer leben meist sehr strikt nach ihren Regeln und kritisieren Vegetarier dafür, nicht ebenso konsequent zu handeln. Kritiker behaupten, die vegane Ernährungsform könne zum Nährstoffmangel führen und daher auch Erkrankungen auslösen. Das stimmt laut einiger Studien nur bedingt, denn es kommt darauf an, ob sich ein Veganer vielfältig und damit ausgewogen ernähren. Alle Proteine, Eiweiße, Mineralien und Vitamine lassen sich auch pflanzlich finden. Veganer müssen sich daher sehr vielfältig ernähren. Manche schlucken allerdings auch Zusatzpräparate, um keine Mangelerscheinungen zu erleiden.

Flexitarier: Immer mehr Menschen wollen sich bewusst ernähren. Die Flexitarier lehnen die Massentierhaltung ab, setzen sich für Umweltschutz ein und achten auf die eigene gesunde Ernährung. Auf den sehr moderaten Verzehr von Fleisch wollen sie nicht verzichten. Sie achten eher auf die Herkunft und verlangen nach Biowaren. Vegetarier und Veganer werfen den „Freizeit-Vegetariern“ inkonsequentes Handeln und Gewissensberuhigung vor. Ein bekannter Befürworter dieser Lebensweise ist zum Beispiel der US-Schriftsteller Jonathan Safran Foer. Eine Forsa-Studie hatte ermittelt, dass es in Deutschland rund 42 Millionen sogenannter Flexitarier gibt. Auch hier ist eine steigende Tendenz festzustellen.

Pescetarier: Sehr viele Menschen essen zwar kein Fleisch, greifen aber um so häufiger auf Fisch, Krabben und anderen Meeresfrüchten zurück. Die Bezeichnung stammt aus Italien, wie das Wort „pesce“ bereits andeutet. Die beinahe Vegetarier essen meist auch Eier, Milch und Honig. Für sie sind ebenfalls gesundheitliche Faktoren entscheidend. Viele sagen aber auch, sie mögen kein Fleisch.

Frutarier: Diese Menschen essen keine Tiere, keinen Käse, trinken keine Milch aber dafür nur Pflanzen, die bei der Ernte nicht umgekommen sind. Demnach essen Frutarier auch keine Möhren, Fenchel, Lauch oder Zwiebeln. Frutarier essen nur Fallobst, d.h. das Obst muss selbst vom Baum herunter gefallen und nicht gepflückt sein. In Deutschland gibt es nur ein paar Tausend Menschen, die sich derartig ernähren. Ihr Hauptanliegen ist der konsequente Schutz und die Schonung der Natur.

Freeganer sind eine relativ neue Gruppe in der westlichen Welt. Sie haben eine gesellschaftspolitisch kritische Haltung gegenüber der Konsumwelt. Die Vertreter essen das, was andere Menschen bereits weggeschmissen haben. Nach Verkaufsschluss suchen sie vordergründig Supermärkte und Restaurants auf, um bereits abgelaufenes Obst, Gemüse oder Joghurts zu entwenden. Viele Supermärkte sind bereits dazu übergangen, die weggeworfenen Lebensmittel abzuschließen. Sogar Strafanzeigen mussten einige Aktivisten bereits in Kauf nehmen, obwohl die Ware eigentlich auf dem Müll landen sollte. Die meisten der Freeganer ernähren sich entweder vegan oder vegetarisch. Mit ihrer Haltung und ihren Aktionen wollen sie auf die Wegwerfgesellschaft, den Überfluss und die bittere Armut in der dritten Welt aufmerksam machen. Die meisten lehnen daher auch den Kapitalismus als Wirtschaftsform ab. Die Kritik ist sehr wohl berechtigt: Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO werden jeden Jahr 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll entsorgt. In den USA und Europa schmeißt jeder Einwohner pro Jahr rund 115 Kilogramm Essen weg. Im Gegensatz dazu sterben jeden Tag tausende Kinder in Afrika an Hunger. (sb)

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Bild: Luise / pixelio.de