An dieser Art von Schlaf kann man sterben

Dr. Utz Anhalt
Tödlicher Sekundenschlaf
Deutsche Schlafforscher warnen vor dem Sekundenschlaf beim Autofahren. Der kostet, ihnen zufolge, doppelt so viele Menschen das Leben wie Alkohol am Steuer.

Jeder vierte schläft beim Fahren

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) fand heraus, dass jeder vierte Autofahrer und jede vierte Autofahrerin bereits mindestens einmal beim Fahren einschlief.

Sekundenschlaf am Steuer endet oft auf dem Friedhof, sogar zwei mal so häufig wie Alkohol beim Fahren.  Bild: Pictures4you – fotolia

Doppelt so viel Tote wie durch Alkohol

Hans-Günter Weeß von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) sagt: „Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass auf deutschen Straßen mehr als doppelt so viele Menschen infolge Sekundenschlaf am Steuer als infolge Alkohol am Steuer sterben.“

Welche Situationen fördern den Schlaf am Steuer?

Weeß erläutert: „Dazu gehört die Dauer der Schlaflosigkeit, die Tageszeit und die Situation. So ist beispielsweise die Wahrscheinlichkeit für einen Sekundenschlaf nach einer durchwachten Nacht, in den frühen Morgenstunden zwischen vier und sieben und in monotonen Situationen wie auf der Autobahn besonders hoch.“

Risiko Schlaflosigkeit

Schlaflosigkeit erhöht das Risiko, in Sekundenschlaf zu fallen. Die Wahrscheinlichkeit nach nur vier Stunden Schlaf ist 4,3 mal höher als nach sieben oder mehr Stunden, bei weniger als 4 Stunden liegt es sogar 11,5 mal höher.

Wie Alkohol

Die Ärztin Prof. Dr. Maritta Orth sagt: „Schläfrigkeit wirkt beim Autofahren ähnlich wie Alkohol. Schon 17 Stunden ohne Schlaf beeinträchtigen das Reaktionsvermögen wie 0,5 Promille Alkohol im Blut, 22 Stunden ohne Schlaf wirken schon wie 1,0 Promille Alkohol im Blut.“ Ist ein Schlafloser gefährdeter als jemand, der an Alkoholismus leidet?

Schlafstörungen beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit

Nicht nur Sekundenschlaf ist ein Risiko, auch Schlafstörungen stören ein aufmerksames Fahren. So betont Alfred Wiater von der DGSM: „So kann regelmäßiger Schlafmangel zu einem erhöhten Risiko für Stoffwechsel- und Herzkreislauferkrankungen, zu psychischen Störungen und zu einem Abfall der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit führen. Letzteres beeinflusst vor allem das Autofahren.“

Warum ist Schläfrigkeit beim Autofahren gefährlich?

Anne-Sophie Börries vom DVR sagt, was Müdigkeit beim Autofahren bedeutet. Dazu gehört unter anderem Konzentrationsschwäche: „Schläfrigkeit beeinflusst negativ das Gefahrenbewusstsein, das Reaktionsvermögen und die Konzentrationsfähigkeit, so dass die aktuelle Geschwindigkeit, zurückgelegte Strecken und künftige Entfernungen falsch eingeschätzt werden können.“

Wie entsteht Sekundenschlaf?

Die wichtigsten Ursachen für Sekundenschlaf sind Schlafstörungen, Schlaflosigkeit und Schlafmangel.

Weitere Faktoren?

Weeß zählt weitere Ursachen auf: „Aber auch körperliche Erkrankungen, Medikamentenwirkungen, klimatische Verhältnisse, die Wegstrecke, die Tageszeit, der Wochentag, und die Ausstattung des Fahrzeuges müssen als weitere Faktoren bei der Entstehung von Müdigkeit am Steuer berücksichtigt werden.“

Medikamente

Auch nahezu 20 % der zugelassenen Medikamente stören die Fahrtüchtigkeit, indem sie die Leistungsfähigkeit bremsen und Müdigkeit auslösen.

Arzneimittel als Unfallursache

Weeß sagt: „Auf der Basis von Expertenmeinungen und vorsichtigen wissenschaftlichen Schätzungen können wir davon ausgehen, dass viele Verkehrsunfälle unter der Beteiligung von Arzneimitteln, insbesondere Psychopharmaka, stattfinden.“ (Dr. Utz Anhalt)