Analysen von Gemälden kann neurodegenerative Störungen bei Künstlern aufdecken

Alexander Stindt
Experten untersuchen die Gemälde von großen Künstlern auf Zeichen für Erkrankungen
Können die Pinselstriche von Malern wirklich auf Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson hinweisen? Forscher fanden jetzt heraus, dass neurodegenerative Störungen bei berühmten Künstlern erfasst werden können, indem subtile Änderungen in ihren Pinselstrichen im Laufe der Zeit analysiert werden. Die Technik könnte schließlich dazu verwendet werden, um Alzheimer und Parkinson bei Künstlern festzustellen, bevor die Erkrankungen diagnostiziert werden kann.

Die Wissenschaftler der University of Liverpool stellten bei einer Untersuchung fest, dass neurodegenerative Störungen berühmter Künstler durch eine Analyse der Pinselstriche festgestellt werden kann. Im Laufe der Zeit gibt es subtile Änderungen bei den Betroffenen, welche auf die Erkrankungen hinweisen können. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der medizinischen Fachzeitschrift „Neuropsychology“.

Sicherlich sagen die Werke von Malern viel über den Künstler aus. Experten stellten jetzt fest, dass durch eine Analyse der Pinselstriche sogar neurodegenerative Störungen festgestellt werden können. (Bild: kustvideo/fotolia.com)

Forscher entdecken bei Bildern von Dali ein Indiz für die Parkinsonsche Krankheit.
Neue Forschung deutet darauf hin, dass neurodegenerative Störungen von Künstlern erkannt werden können, bevor sie diagnostiziert werden. Frühe Bilder von Salvator Dali zeigen beispielsweise einen sogenannten anderen fraktalen Fingerabdruck im Vergleich zu seinen späteren Arbeiten, erläutern die Mediziner. Dies gilt als ein Indiz für die Parkinson Krankheit.

Experten analysieren 2092 Gemälde von bekannten Künstlern
Eine mathematische Technik bekannt als Fraktal-Analyse kann dazu verwendet werden, um Zeichen der Neurodegeneration in einem Werk von Künstlern zu erkennen. Durch eine Untersuchung von 2092 Gemälden aus der Karriere von sieben berühmten Künstlern konnten die Forscher der University of Liverpool feststellen, ob der Künstler entweder eine normale Alterung oder neurodegenerative Erkrankungen erlebt hat.

Fraktale sind wie Fingerabdrücke
Eine sogenannte Fraktal-Analyse kann komplexe geometrische Muster feststellen. Fraktale können verborgene und oft sich selbst wiederholende Muster in alltäglichen Gegenständen und Erscheinungen aufdecken. Diese unverwechselbaren geometrischen Formen sind wie Fingerabdrücke, erläutern die Autoren.

Bilder von Künstlern weisen eigene einzigartige fraktale Muster auf
Eine Fraktal-Analyse ist so genau, dass sie bereits verwendet wurde, um die Echtheit von wichtigen Kunstwerke zu bestimmen. Die Technik wurde beispielsweise bereits einmal verwendet, um ein authentisches Jackson Pollock Gemälde von einer großen Sammlung von Fälschungen zu unterscheiden, erklären die Autoren. Das Ergebnis zeigt klar, dass Bilder von Künstlern eigene einzigartige fraktale Muster aufweisen.

Variationen im fraktalen Fingerabdruck können auf neurologischen Verfall hindeuten
Also erforschten die Wissenschaftler, ob Variationen im fraktalen Fingerabdruck eines Künstlers über die Zeit eine Funktion des zunehmenden Alters sind oder ob der neurologische Verfall etwas damit zu tun hat. Beispielsweise litt der kanadische Künstler Norval Morrisseau an der Parkinson-Krankheit. Diese neurologische Erkrankung wurde auch durch eine Analyse der fraktalen Muster in seinen Pinselstrichen nachgewiesen, sagen die Mediziner.

Experten untersuchen für die Studie die Bilder von sieben bekannten Künstlern
Für ihre Studie untersuchten die Forscher Gemälde von vier Künstlern, welche bekannterweise an Parkinson oder Alzheimer litten. Zu diesen gehörten Salvadore Dali, Norval Morrisseau, James Brooks und Willem De Kooning. Außerdem analysierten die Experten auch die Werke von drei Künstlern ohne bekannte neurodegenerative Probleme: Marc Chagall, Pablo Picasso und Claude Monet.

Veränderungen können Jahre vor der Diagnose von neurodegenerative Störungen festgestellt werden
Die Fraktal-Analyse zeigte klare Muster des Wandels bei den Künstlern, die unter neurologischen Verschlechterung litten, verglichen mit normal gealterten Künstlern, sagen die Autoren. In allen Fällen veränderten sich die fraktalen Fingerabdrücke, aber die fraktalen Dimensionen der Parkinson- und Alzheimer-Künstler zeigten konsistente Muster, welche sich von der gesunden Gruppe unterschieden. Veränderungen können dadurch bereits Jahre vorher entdeckt werden, bevor die Symptome des neurologischen Rückgangs beginnen.

Ergebnisse sollen Innovationen für Forschungsrichtungen bewirken
Dieser Prozess bietet das Potenzial für die Erkennung von aufkommenden neurologischen Problemen, erklären die Autoren. Wir hoffen, dass unsere Innovation neue Forschungsrichtungen eröffnen kann, die dann dazu beitragen neurologische Erkrankungen frühzeitig zu diagnostizieren. (as)