Bandwurm aus Gehirn eines Mannes operiert

Heilpraxisnet

Parasit lebte vier Jahre im Gehirn eines Mannes

21.11.2014

Es begann mit Kopfschmerzen, Gedächtnis-Flashbacks und einem merkwürdig veränderten Geruchssinn und endete mit einer Operation, bei dem ein etwa ein Zentimeter langer und äußerst seltener Bandwurm aus dem Gehirn eines 50-jährigen Mannes entfernt wurde. Der Bandwurm lebte vier Jahre im Kopf des Patienten und ist laut dem Genomforschungsinstitut „Wellcome Trust Sanger“ dabei rund fünf Zentimeter von der rechten zur linken Hirnhälfte gewandert.

Erkenntnisse aus dem Genom des Bandwurms im Gehirn des Mannes eröffnen neue Therapiemöglichkeiten
Wie das Institut weiter mitteilt, sei eine Infektion von Menschen durch den Bandwurm Spirometra erinacei-europaei sehr selten. Bei Betroffenen kann sich eine sogenannte Sparganose entwickeln, eine Entzündung von Körpergewebe. Ist das Gehirn befallen leiden die Patienten häufig an heftigen Kopfschmerzen, Krampfanfällen und Gedächtnisverlust. Menschen kommen mit den Bandwurm-Larven nur durch den Verzehr von verseuchtem Krebsfleisch, rohem Frosch- oder Schlangenfleisch sowie durch Frosch-Umschläge, die in China zur Behandlung von Augenentzündungen angewendet werden, in Kontakt.

Erstmals konnte nun das Genom dieses seltenen Bandwurms durch den Fund im Gehirn des 50-Jährigen sequenziert wird, was neue Möglichkeiten der Diagnose und Therapie dieses invasiven Parasiten eröffnet. „Wir hatten nur eine winzige Menge von DNA zur Verfügung, um damit zu arbeiten – lediglich 40 Milliardstel Gramm. Also waren wir gezwungen, schwierige Entscheidungen darüber zu treffen, welche Informationen wir genau aus der DNA herausziehen wollen", erklärte Hayley Bennett, Erstautor der Studie vom Wellcome Trust Sanger Institute.

Seltener Bandwurm konnte anhand winziger DNA-Proben bestimmt werden
„Wir hätten niemals damit gerechnet, einer derartigen Infektion in Großbritannien zu begegnen, aber angesichts der Reisen rund um den Globus können auch hier ungewöhnliche Parasiten auftauchen", sagte Effrossyni Gkrania-Klotsas von der Universitätsklinik in Cambridge. „Wir können Sparganose mittels MRT diagnostizieren, aber dies gibt uns nicht die Informationen, die wir brauchen, um die genauen Bandwurmarten und ihre Schwachstellen zu identifizieren. Unsere Arbeit zeigt, dass wir auch mit nur winzigen Mengen an DNA aus klinischen Proben alles herausfinden können, was wir brauchen, um den Parasiten zu identifizieren und zu charakterisieren.“ (ag)

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