Angst vor Pökel-Wurst: Krebs durch Fleisch Zusammenhang etwas überinterpretiert

Sebastian
Angst vor Wurst: Kanzerogener Zusammenhang überinterpretiert
Die Meldungen überschlugen sich, seitdem die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO (IARC) meldete, dass rotes und verarbeitetes Fleisch als „wahrscheinlich krebserregend“ einzustufen ist. Das ist weniger erstaunlich als viele Medien meinen. Seit langem ist nämlich bekannt, dass verarbeitetes Fleisch (Wurstwaren) und rotes Fleisch (Rind, Lamm, Schwein) einen risikosteigernden Effekt für Krebserkrankungen, insbesondere Darmkrebs haben. Wobei der Zusammenhang zwischen Fleischwaren und kolorektoralen Tumoren statistisch höher ist als der vom roten Fleisch.

Daten aus der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition, über 500.000 Teilnehmer) haben ergeben, dass sich bei einer wöchentlichen Zufuhr von rund 600 g rotem Fleisch kein erhöhtes Risiko von Darmkrebs-Arten nachweisen ließ. Das große Problem bei der Gesamtbetrachtung liegt aber darin, dass zwar die Risikosteigerung aber nicht der Dosis-Wirkungs-Zusammenhang belegt ist. Man kann also nicht sagen, welche Menge man maximal essen darf oder sollte.

Wie ungesund ist Fleisch wirklich? Hier scheiden sich die Geister. Bild: Thomas Francois - fotolia
Wie ungesund ist Fleisch wirklich? Hier scheiden sich die Geister. Bild: Thomas Francois – fotolia

Ernährungsphysiologisch betrachtet ist dies schon anders. So empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nicht mehr als 300 bis 600 g Fleisch und Wurst pro Woche zu essen. Verarbeitete Produkte wie Salami, Fleischwurst und Co. tragen nicht unerheblich zur Gesamtenergie bei, weil sie relativ viel Fett enthalten. Das kann bei Viel-Wurst-Essern oft einfach ein „zu viel“ an Energie-Aufnahme bedeuten, sprich: man nimmt zu. Mit allen nachfolgenden Schwierigkeiten für Herz-Kreislauf, Gelenke, Blutwerte etc.

Warum keine glasklare Gramm-Empfehlung ausgesprochen werden kann, erklärt eine Binsenweisheit, die auch für die vorliegende Beurteilung der WHO gilt: Monokausale Zusammenhänge existieren in der Praxis nicht. So weiß man zum Beispiel, dass Viel-Fleisch-Esser auch gleichzeitig zu einem höheren Alkoholkonsum neigen, weniger Obst und Gemüse essen, öfter zur Zigarette greifen und schlicht einen „ungesünderen“ Lebensstil an den Tag legen. Statistisch. Durchschnittlich. Anhand solch vieler Unsicherheitsfaktoren und der Tatsache, dass jede Wurst auch noch anders hergestellt wird, kann man von einer generellen „Warnung“ also nicht sprechen.

Aber, um den Fleisch- und Wurstessern nicht die Absolution zu erteilen: Aus rein gesundheitlichen Gründen ist eine Mischkost mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und einer Menge Bewegung „nicht schädlich“. Und man will allen zurufen: Nutzt das Angebot des Handels: Da gibt es so viel, was schmeckt und wenig verarbeitet ist. (aid)