Angst-Zustände bei Kindern: Eltern sollten erste Warnsignale dringend ernstnehmen

Alfred Domke
Angst von Kindern muss immer ernst genommen werden
Furcht vor dem Gang in den dunklen Keller? Unheimliche Gestalten unter dem Bett? Solche und ähnliche Ängste von Kindern sollten von den Eltern nicht einfach als „Hirngespinste“ abgetan, sondern ernst genommen werden. Nimmt die Furcht überhand, müssen Betroffene behandelt werden.

Ängste von Kindern ernst nehmen
Kinder haben oft vor den unterschiedlichsten Dingen Angst: Vor Dunkelheit, Blitz und Donner, dem Arztbesuch oder davor, dass sich die Eltern trennen könnten. Viele von ihnen leiden nicht nur unter der Furcht selbst, sondern auch körperlich, beispielsweise unter Bauchschmerzen. Ganz falsch wären dann Sätze wie „Davor brauchst Du doch keine Angst haben“. Vielmehr sollten Eltern die Ängste von Kindern ernst nehmen. Eine Expertin erklärt in einem Interview, was Alarmsignale sind und wie geholfen werden kann.

Das Monster unter dem Bett, Dunkelheit oder Blitz und Donner: Kinder haben vor den unterschiedlichsten Dingen Angst. Wichtig ist dann, die Furcht nicht einfach abzutun, sondern die Ängste der Kleinen stets ernst zu nehmen. (Bild: Aliaksei Lasevich/fotolia.com)
Das Monster unter dem Bett, Dunkelheit oder Blitz und Donner: Kinder haben vor den unterschiedlichsten Dingen Angst. Wichtig ist dann, die Furcht nicht einfach abzutun, sondern die Ängste der Kleinen stets ernst zu nehmen. (Bild: Aliaksei Lasevich/fotolia.com)

Bis zu 15 Prozent aller Kinder leiden an einer Angsterkrankung
Rund zehn bis 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen leiden an einer Angsterkrankung. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet über ein Interview mit PD Dr. Susanne Knappe von der Ambulanz für Kinder und Jugendliche des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden, in dem die Expertin erläutert, wann ein Kind nicht mehr nur schüchtern ist und wie man Betroffene behandeln kann.

Weiteren Lebensweg der Kinder positiv beeinflussen
Das Kindes- und Jugendalter ist der Zeitraum, wo die Erkrankung entsteht und das Zeitfenster, wo das Risiko am größten ist. Laut Knappe stehen die Chancen gut, den weiteren Lebensweg der Kinder positiv zu beeinflussen, wenn sie bereits in diesem Alter behandelt werden.

Es ist bekannt, dass im Alter von vier bis fünf Jahren oft Trennungsängste oder spezifische Phobien erstmals auftauchen. Wenn kleine Kinder beispielsweise anfangen, im eigenen Zimmer zu schlafen, haben sie mitunter Angst vorm Monster unterm Bett oder der Dunkelheit. Der Expertin zufolge ist es für kleinere Kinder völlig gesund und normal, nach den Eltern zu rufen, weil sie noch hilflos sind.

Allerdings ist das Zeitfenster irgendwann überschritten, dann findet eine Entwicklung statt und diese Ängste geben sich. Bei einigen wenigen Kindern ist dies jedoch nicht der Fall, sie leiden zunehmend unter ihrer Angst.

Alarmsignale erkennen
Wie die Expertin erklärt, ist die Furcht an sich noch kein Alarmsignal, sondern eher, wie lange diese andauert. Hält sie länger als sechs Monate an? Ist sie sehr ausgeprägt, möglicherweise begleitet von starken Beschwerden wie Bauchweh, Protesten oder Rückzug? Oder wirkt die Angst übertrieben und tritt in Situationen auf, die eigentlich ungefährlich sind? Zum Beispiel, wenn sich die Kleinen im Kindergarten nicht verabschieden wollen, weil sie befürchten, dass die Eltern einen Unfall haben könnten und nicht wiederkommen.

Oder Angst, ein paar Hundert Meter bis zum Freund allein zu bewältigen. Furcht davor, andere Kinder auf dem Spielplatz anzusprechen oder beim Lehrer in der Schule nachzufragen wenn etwas nicht verstanden wurde.

Behandlung von Angsterkrankungen
Für Betroffene ist häufig der Kinderarzt die erste Anlaufstelle. Am Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden gibt es eine Ambulanz für Kinder und Jugendliche. Dort wird auch daran geforscht, wie die Behandlung von Angsterkrankungen weiter zu verbessern ist.

Für die aktuelle Studie „Kinder bewältigen Angst” (KibA) werden noch Kinder zwischen acht bis 14 Jahren gesucht. Informationen dazu gibt es in einem Flyer der Universität.

Unter dem Punkt: „Auch du kannst deine Angst besiegen!“ heißt es dort: „Du erfährst, wie deine Angst entsteht und verstehst besser, warum du auf bestimmte Dinge mit Angst reagierst. Gemeinsam mit dem Therapeuten entwickelst du Strategien, wie du die Angst bekämpfen kannst. Schrittweise übst du in kleinen Mutproben, schwierige Situationen zu meistern.“ (ad)