Anhaltende Bakterien-Gefahr: Aufnahmestopp der Frühchenstation verlängert

Fabian Peters
Universitätsklinikum Tübingen verlängert Aufnahmestopp der Frühchenstation
Bereits seit rund einer Woche besteht auf der Frühgeborenestation des Universitätsklinikum Tübingen ein Aufnahmestopp wegen des Nachweises von Bakterien der Gattung Enterobacter aerogenes bei mehreren Kindern. Nun wurde dieser Aufnahmestopp verlängert, da ein weiteres Frühgeborenes mit dem Bakterium identifiziert wurde.

Der„Aufnahmestopp der Frühgeborenen-Intensivstation bleibt“, so die aktuelle Mitteilung des Universitätsklinikums Tübingen. In der letzten Woche wurde ein weiteres Kind identifiziert, das mit dem Darmbakterium Enterobacter aerogenes besiedelt ist. Die Entscheidung über die Dauer des Aufnahmestopps für Frühgeborene sei abhängig von einer Reihe weiterer Untersuchungen, die in den kommenden Tagen durchgeführt werden, berichtet das Universitätsklinikum.

Der Aufnahmestopp auf der Frühchenstation der Tübinger Uniklinik, welcher aufgrund des Nachweises von Bakterien der Gattung Enterobacter aerogenes erfolgte, wurde nun inbefristet verlängert. (Bild: Tobilander/fotolia.com)

Mehrere Kinder mit den Bakterien besiedelt
Seit Mitte August wurde bei mehreren Kindern auf der Neonatologie des Universitätsklinikum Tübingen eine Besiedlung mit den Darmbakterien festgestellt, welche bei Frühgeborenen vermehrt zu einer Infektion führen kann. Bei routinemäßigen und engmaschigen Kontrollen sei die Besiedlung nachgewiesen worden und in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt Tübingen wurden umfassende Vorsorgemaßnahmen eingeleitet, erläutert das Universitätsklinikum.

Ein weiteres Kind identifiziert
So wurde vor einer Woche vorsorglich ein Aufnahmestopp in der Frühgeborenenstation verhängt, der wegen der Ausbreitung des Bakteriums nun verlängert wurde. Bei Auswertung aller aktuellen Testergebnisse sei ein weiteres, mit dem Bakterium besiedeltes Kind identifiziert worden, berichtet das Universitätsklinikum Tübingen. Das Kind sei soweit gesund und eine Infektion liege nicht vor. Der Nachweis zeige, dass die engmaschigen Kontrollen und Hygienemaßnahmen greifen, so Professor Dr. Ingo Autenrieth, Ärztlicher Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene.

Dauer des Aufnahmestopps unklar
„Im Rahmen der Verlängerung des Aufnahmestopps bleiben die intensiven Vorsorgemaßnahmen nach Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Tübingen bestehen“, so die Mitteilung des Universitätsklinikums. Wie lange der Aufnahmestopp für Frühgeborene gilt, werde sich im Rahmen einer Reihe weiterer Untersuchungen zeigen. Laut Professor Dr. Christian Poets, Ärztlicher Direktor der Neonatologie und der neonatologischen Intensivmedizin, wird die Besiedelung der extrem frühgeborenen Kinder mit dem Darmbakterium Enterobacter aerogenes sehr ernst genommen, auch wenn diese bislang nur in einem Fall zu einer Infektion geführt habe. „Allen sehr früh geborenen Kindern geht es gut“, betont Professor Poets.

Departments für Frauengesundheit Tübingen nicht betroffen
Das Universitätsklinikum Tübingen weist explizit darauf hin, dass die Abteilungen und Bereiche des Departments für Frauengesundheit Tübingen wie der Kreißsaal, der OP-Bereich, der Ambulanz-Bereich, das Brustkrebszentrum und die Patientenzimmer von der aktuellen Situation in der Neonatologie nicht betroffen sind. Die umfangreiche Patientenversorgung in Geburtshilfe und Frauenklinik bleibe von den Maßnahmen unberührt. Alle reifgeborenen Kinder und Notfälle können in Tübingen versorgt werden und alle Schwangeren sind in der Universitätsfrauenklinik in sicheren Händen, so die Mitteilung der Uniklinik. Auch Risikoschwangerschaften würden weiterhin versorgt.

„Sobald die Frühgeborenen reifer sind und nach Hause entlassen werden können, kann ihnen der Keim auch nichts mehr anhaben“, berichtet Professor Dr. Christian Poets. Ab dann gehöre das Bakterium wie bei allen kleinen und großen Menschen zur normalen Darmflora. Das gesamte Department für Frauengesundheit zeige sich dankbar, „dass die Kliniken in der Region uns so tatkräftig unterstützt haben“, betont Professor Dr. Diethelm Wallwiener, Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik. (fp)