Anstieg bei Demenz: Immer mehr junge Menschen betroffen

Alfred Domke

Angehörige von jung an Demenz erkrankten Menschen unterstützen

Zwar trifft die Alzheimer-Krankheit zumeist Menschen ab 65 Jahren, doch bestimmte Demenzformen treten schon ab dem Alter von 50 Jahren auf. Selbst Kinder können erkranken. Meist haben es junge Demenz-Patienten besonders schwer, weil Hilfsangebote noch rar sind. Nun gibt es einen Online Ratgeber zur Demenz im jüngeren Lebensalter.

Zahl der Demenz-Patienten wird sich weiter erhöhen

Der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) zufolge leben in Deutschland heute etwa 1,6 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Ungefähr 60 Prozent davon leiden an einer Demenz vom Typ Alzheimer. Doch die Zahl steigt immer weiter. Laut den Experten wird sie sich bis 2050 auf drei Millionen erhöhen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt. Auch immer mehr junge Menschen sind betroffen. Ein neuer Online Ratgeber unterstützt nun Angehörige von jung an Demenz erkrankten Menschen.

Demenz trifft zwar in erster Linie Senioren, doch auch immer mehr jüngere Menschen sind betroffen. Angehörige von jung an Demenz erkrankten Menschen sind besonders auf Unterstützung angewiesen. Für sie gibt es nun einen neuen Online Ratgeber. (Bild: JSB31/fotolia.com)

Hilfe für Angehörige von Betroffenen

Laut der DAlzG werden rund 80 Prozent aller Demenzkranken hierzulande von ihren Angehörigen versorgt und begleitet. Bei den Helfenden führt das nicht nur zu finanziellen Einbußen, sondern mitunter auch zu gesundheitlichen Problemen.

Pflege ist finanziell, körperlich und psychisch eine starke Belastung. Experten fordern seit langem, dass Angehörige von Demenzpatienten mehr unterstützt werden müssen.

Ein neues Informationsangebot unter „www.ratgeber-junge-demenz.de“ unterstützt Angehörige von jung an Demenz erkrankten Menschen.

Der im Rahmen des europäischen Projekts RHAPSODY entstandene Online Ratgeber steht auf den Internetseiten der DAlzG kostenlos zur Verfügung.

Auch jüngere Menschen erkranken

Demenzen beginnen meist erst im höheren Lebensalter. Wenn ein Mensch aber bereits im berufstätigen Alter an einer Demenz erkrankt, stellt dies die Familie vor ganz besondere Herausforderungen, schreibt die Gesellschaft in einer Mitteilung.

Der Beruf muss aufgegeben werden, Kinder müssen den langsamen Verlust eines Elternteils miterleben und die ganze Lebensplanung wird infrage gestellt.

In dem europäischen Projekt RHAPSODY (Research to Assess Policies and Strategies for Dementia in the Young) wurde ein Online Ratgeber zur Demenz im jüngeren Lebensalter in Form eines E-Learning Angebots in drei Sprachen entwickelt.

Er soll insbesondere Angehörige der Betroffenen dabei unterstützen, das gemeinsame Leben mit der Krankheit zu gestalten. Der Ratgeber informiert zu medizinischen Aspekten, zum Umgang mit den Erkrankten, zu rechtlichen Fragen und Unterstützungsangeboten.

Außerdem unterstützt er Angehörige dabei, mit den Veränderungen in der Beziehung zu den Erkrankten umzugehen und dabei die Sorge für sich selbst nicht zu vergessen.

Multimediales Informationsangebot

„In Deutschland gibt es bisher kaum Informationsangebote zur Demenz im jüngeren Lebensalter“, so Sabine Jansen, Geschäftsführerin der DAlzG.

„Ich freue mich deshalb, dass wir als Partner im Projekt RHAPSODY an der Entwicklung dieses multimedialen Informationsangebots mitwirken konnten, das eine wichtige Lücke schließt“, sagte die Expertin.

„Darüber hinaus braucht es allerdings noch weit mehr Aufmerksamkeit für das Thema und die Entwicklung neuer Unterstützungsangebote, um die Situation von jung an Demenz erkrankten Menschen und ihren Familien zu verbessern.“

Aufklärung über die Krankheit
Experten zufolge erfordere der Umgang und die Kommunikation mit Betroffenen grundsätzlich viel Aufmerksamkeit, Mühe, Ruhe und Geduld.

Man sollte demente Menschen nicht überfordern und Stress möglichst meiden.

Außerdem wird immer wieder darauf hingewiesen, dass man im Umgang mit Demenzpatienten Babysprache vermeiden und Betroffene wie Erwachsene behandeln soll.

Hilfreich ist zudem eine bessere Aufklärung über die Krankheit: Zwar ist Demenz bislang nicht heilbar, sie lässt sich aber im Anfangsstadium mit Medikamenten hinauszögern. Wichtig ist deshalb eine frühzeitige Diagnose.

Doch obwohl Früherkennung einer der wichtigsten Punkte ist, um der Krankheit entgegen zu wirken, wird Demenz oft zu spät erkannt, weil die Warnsignale nicht erkannt werden.

Viele Menschen verbinden mit Demenz den Umstand, sich nicht erinnern zu können, doch auch andere Merkmale können mit der Krankheit einhergehen. Zum Beispiel eine Änderung des Verhaltens oder emotionale Symptome wie Antriebslosigkeit, Aggressivität oder auch Unruhe.

Auslöser von Demenz

Was die genauen Auslöser von Alzheimer sind, ist zwar noch immer unklar, doch von Wissenschaftlern wurden mittlerweile eine Reihe von Faktoren identifiziert, die bei der Entstehung und Entwicklung von Demenz eine Rolle spielen.

Britische Forscher berichteten vor kurzem, dass ein Drittel der Demenz-Fälle verhindert werden könnte, wenn von Kindheit an bestimmte Risikofaktoren eliminiert werden. In einem Beitrag der „BBC“ wurden die neun von den Wissenschaftlern identifizierten Risikofaktoren für Demenz aufgelistet:

Hörverlust im mittleren Lebensalter, mangelnde Bildung im Jugendalter, Rauchen, Depressionen, Bewegungsmangel, soziale Isolation, Bluthochdruck, Adipositas, und Typ 2-Diabetes.

Das persönliche Erkrankungsrisiko könne zwar bis zu einem gewissen Grad beeinflusst werden, doch die Experten räumten ein, dass die Zahlen „mit Vorsicht interpretiert werden“ sollten, da es nicht möglich sei, alle Risikofaktoren komplett zu eliminieren.

Außerdem seien bei den Berechnungen andere potenzielle Risikofaktoren wie z.B. Alkoholkonsum oder Schlafstörungen nicht einbezogen worden. Nicht desto trotz zeige die Studie, dass es möglich sei, gegen die unheilbare Demenz vorzugehen. (ad)