Anstieg der Infektionen: Neues Hantavirus breitet sich durch Hitze aus

Alfred Domke
Gefährliches Hantavirus: Deutlich mehr Krankheitsfälle in Deutschland
In manchen Regionen Deutschlands nehmen derzeit Infektionen mit dem gefährlichen Hantavirus rasant zu. Betroffen ist vor allem Baden-Württemberg. Dort wurden seit Jahresbeginn bereits über 460 Krankheitsfälle gemeldet. Experten weisen darauf hin, wie man sich schützen kann.

2017 wird ein „Hantajahr“
In Deutschland treten derzeit vermehrt Hantavirus-Infektionen auf. Betroffen ist vor allem der Südwesten des Landes. Dem baden-württembergischen Landesgesundheitsamt wurden seit Jahresbeginn insgesamt 464 Hantavirus-Fälle gemeldet. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 22 Fälle. Damit zeichnet sich bereits jetzt ab, dass 2017 ein weiteres „Hantajahr“ wird, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha laut einer Mitteilung. Er wies darauf hin, dass bei anhaltendem warmen und trockenen Wetter mit einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen zu rechnen sei.

In Deutschland kommt es derzeit vermehrt zu Hantavirus-Infektionen. Betroffen ist vor allem der Südwesten des Landes. Die Viren werden über Ausscheidungen infizierter Nagetiere, vor allem der Rötelmaus, auf den Menschen übertragen. (Bild: Bernd Wolter/fotolia.com)

Ursachen der erhöhten Virusaktivität
Die Viren werden von infizierten Nagetieren, vor allem der Rötelmaus, über Speichel, Kot und Urin ausgeschieden. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt entweder über die Atemwege oder durch Schmierinfektionen.

„Die Ursache für die diesjährige hohe Fallzahl liegt im starken Vorkommen von Bucheckern im vergangenen Jahr, einem so genannten Buchenmastjahr“, heißt es in der Mitteilung.

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Und weiter: „Bucheckern sind die Hauptnahrungsquelle der Rötelmaus, deren Population durch die gute Futtersituation stark angestiegen ist. Damit breitet sich auch das Virus besser aus.“

„Die Häufigkeit der Erkrankung variiert von Jahr zu Jahr und ist wahrscheinlich von der Dichte und der Durchseuchung der lokalen Nagetier-Population abhängig“, erklärt das Robert Koch-Institut (RKI).

Viren werden von infizierten Nagern ausgeschieden
Die von infizierten Nagetieren über Speichel, Urin und Kot ausgeschiedenen Viren „können darin einige Zeit infektiös bleiben“, schreibt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf seiner Webseite.

„Die Übertragung auf den Menschen erfolgt entweder über die Atemwege durch Einatmen von virushaltigem Staub oder Aerosole (Tröpfcheninfektion) oder durch Schmierinfektionen über die Hände nach Kontakt mit lebenden oder toten Nagetieren bzw. deren Ausscheidungen“, heißt es dort weiter.

Zur Ansteckung ist „kein direkter Kontakt mit den Nagern notwendig“, so das RKI in einem Merkblatt.

Erkrankung mit grippeähnlichen Beschwerden
Hantavirus-Erkrankungen verlaufen meist mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. In schweren Fällen kann es auch zu einem vorübergehenden Nierenversagen kommen.

Laut dem baden-württembergischen Sozialministerium kann das gemeinsame Auftreten von hohem Fieber, Rückenschmerzen und Bauchschmerzen und Problemen beim Wasserlassen auf eine mögliche Hantavirus-Infektion hinweisen und sollte beim Hausarzt abgeklärt werden.

Dem RKI zufolge können im weiteren Verlauf der Erkrankung auch ein Blutdruckabfall und schließlich Nierenfunktionsstörungen bis zum akuten Nierenversagen hinzukommen.

Tödliche Verläufe sind bei den europäischen Hantavirusarten allerdings eher selten, im Gegensatz zu den Virusvarianten, die in Nord- und Südamerika verbreitet sind.

Wie man sich schützen kann
Um einer Infektion vorzubeugen, sollte der Kontakt mit Ausscheidungen von Nagern vermieden werden.

„Zu den Tätigkeiten mit erhöhtem Infektionsrisiko zählen das Umschichten von Holzstapeln sowie die Reinigung und das Auf- und Umräumen von Dachböden, Kellern, Garagen und Schuppen“, schreibt das baden-württembergische Ministerium.

Um Kontakt mit den Viren zu vermeiden, „wird empfohlen, Staub vor Reinigungsarbeiten durch Befeuchten zu binden und die Flächen mit einem handelsüblichen Desinfektionsmittel einzusprühen“.

Außerdem „sollten Gebäude gegen das Eindringen von Nagern gesichert werden. Nahrungsmittel sowie Nahrungsmittelreste sollten möglichst unzugänglich aufbewahrt werden“.

Solche Maßnahmen sollten laut RKI vor allem in bekannten Endemiegebieten umgesetzt werden, wenn Nagerbefall festgestellt wurde.

Das bayerische LGL weist darauf hin, dass bei Reinigungsarbeiten bei sichtbarem Mäusebefall „Handschuhe und ggf. Mundschutz getragen werden“ sollten. (ad)