Anstieg der Masern-Erkrankungen in Sachsen

Fabian Peters

Wiederbelebung der Masern – Zahlen aus Sachsen bestätigen bundesweiten Trend

11.05.2011

Nachdem in den vergangenen Wochen aus Bayern und Baden-Württemberg bereits eine deutliche Zunahme der Masern-Erkrankungen gemeldet wurde, hat nun auch das sächsische Sozialministerium vor einer wachsenden Verbreitung der Masern in Sachsen gewarnt.

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In Sachsen wurden bereits im ersten Quartal 2011 fast dreimal so viele Masern-Erkrankungen gemeldet, wie im Jahr 2010 insgesamt zu verzeichnen waren, teilte das sächsische Sozialministerium am Dienstag mit. Damit wird auch in Sachsen der bundesweite Trend einer Rückkehr der Masern bestätigt. Die eigentlich schon als besiegt geltende hoch ansteckende Krankheit, erlebt aufgrund des ungenügenden Impfschutzes in der Bevölkerung derzeit eine regelrechte Renaissance, warnen die Landesärztekammern und Gesundheitsämter.

Ausbreitung der Masern-Viren in der ungeschützten Bevölkerung
Zwar ist die Zahl der Masern-Erkrankungen in Sachsen – insgesamt elf gemeldete Fälle seit Anfang des Jahres – nicht vergleichbar mit den aktuellen Zahlen aus Bayern und Baden-Württemberg, dennoch sind sie ein Anzeichen für die dramatische Ausbreitung der Masern-Viren in der ungeschützten Bevölkerung, warnte die sächsische Landesärztekammer. In den letzten fünf Jahren wurden den Angaben des Ministerium zufolge maximal vier Erkrankungen pro Jahr in Sachsen gemeldet, so dass sich die Zahl bereits jetzt fast verdreifacht hat. Nach Einschätzung der Landesärztekammer ein besorgniserregender Trend, da Masern hoch ansteckend sind und insbesondere bei Erwachsenen einen schweren Verlauf nehmen können. Dabei treten neben den anfängliche Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Schnupfen, Husten und dem typischen fleckig-knotigen rötlichen Hautausschlag (Masernexanthem) bei älteren Patienten häufiger Augen- und Lungenentzündungen sowie in seltenen Fällen lebensbedrohliche Entzündung des Gehirns auf, so die Aussage von Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Hartmann zufolge stirbt etwa einer von 1.000 Masern-Patienten an einer Entzündung des Gehirns.

Gesundheitsbehörden plädieren für eine Verbesserung des Impfschutzes
Angesichts der massiven Zunahme der gemeldeten Masern-Erkrankung in Sachsen sprach sich die Landesärztekammer für einer Verbesserung des Impfschutzes in der Bevölkerung aus. Denn der Grund für den Anstieg der Erkrankungen sind laut Knut Köhler von der Landesärztekammer die fehlenden Schutzimpfungen. „Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr durchimpfen,“ kritisierte der Fachmann. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts hatten Anfang des Monats bereits darauf hingewiesen, dass konsequente Schutzimpfungen die einzige Möglichkeit seien, um Masern effektiv zu bekämpfen. Dabei sprachen die Experten nicht nur für Kinder, sondern auch für alle nach 1970 geboren Personen, die nicht vor Masern geschützt sind, eine Impfempfehlung aus. Bei der Masern-Impfung wird durch zwei Spritzen im Abstand von vier bis sechs Wochen eine zukünftige Ansteckungsgefahr ausgeschlossen, erläuterte der BVKJ-Präsident. Die Kosten für die zweimaligen Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln werde auch bei Erwachsenen von der Krankenkasse bezahlt, betonte Hartmann.

Verlorenes Vertrauen als Ursache schlechter Impfquoten?
Dem Präsidenten des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte zufolge ist der gegen Masern verwendet Impfstoff insgesamt gut verträglich und Nebenwirkung seien nicht zu befürchten bzw. äußerst selten. Dass dennoch immer mehr Eltern auf eine entsprechende Schutzimpfung verzichten, ist jedoch durchaus verständlich, da häufig ein generelles Misstrauen gegenüber Schutzimpfungen vorliegt. Dieses mag teilweise durch Unwissen begründet sein, ist jedoch ebenfalls durch fragwürdige Impfempfehlungen der Vergangenheit – wie zum Beispiel bei der Schweinegrippe 2009 – bedingt. Hier haben die Gesundheitsbehörden wie die Ständige Impfkommission einen Großteil ihres Vertrauens verspielt und müssen dieses nun mühsam zurückgewinnen, um eine höhere Resonanz auf die ausgesprochenen Impfempfehlung zu gewährleisten. (fp)