Anteil der Kaiserschnittgeburten leicht rückläufig

Fabian Peters
Steigende Zahl der Entbindungen und geringerer Anteil an Kaiserschnittgeburten
Nachdem der Anteil der Kaiserschnittgeburten über Jahre kontinuierlich gestiegen ist, hat sich im Jahr 2015 laut Angaben des Statistischen Bundesamtes ein leichter Rückgang der Kaiserschnittrate ergeben. Möglicherweise zeichnet sich hier eine Trendwende ab, die wieder zu einem höheren Anteil der natürlichen Geburten führt, wie ihn Experten schon seit langem fordern. Die Zahl der Krankenhausentbindungen ist insgesamt im Jahr 2015 gestiegen, was auch bei der demografischen Entwicklung auf einen Umschwung hoffen lässt.

Insgesamt waren 716.539 Krankenhausentbindungen im Jahr 2015 zu verzeichnen. Ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent (24.626 Geburten). Die Zeiten der kontinuierlich sinkenden Geburtenraten scheinen damit überwunden. Auch haben sich mehr Frauen für eine natürliche Entbindung entschieden. Der Anteil der Frauen, die per Kaiserschnitt entbunden haben, sank gegenüber 2014 geringfügig um 0,7 Prozentpunkte auf 31,1 Prozent, so die Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis).

Der Anteil der Kaiserschnitte an den Entbindungen ist erstmals seit Jahren leicht zurückgegangen. (Bild: Dan Race/fotolia.com)
Der Anteil der Kaiserschnitte an den Entbindungen ist erstmals seit Jahren leicht zurückgegangen. (Bild: Dan Race/fotolia.com)

Unterschiedliche Kaiserschnittraten in den einzelnen Bundesländern
In den vergangen Jahren waren immer mehr Kaiserschnittgeburten festzustellen http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/immer-mehr-kaiserschnitt-geburten-2015082043464, wobei oftmals keine medizinische Notwendigkeit für eine solche Entbindung bestand. Im Jahr 2015 ist der Anteil der Kaiserschnittentbindungen an den Krankenhausentbindungen nun leicht zurückgegangen. Allerdings kommt immer noch knapp jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Zwischen den einzelnen Bundesländern bestehen hier jedoch deutliche Unterschiede. So lag die Kaiserschnittraten im Saarland extrem hoch (38,5 Prozent), während Brandenburg (25,6 Prozent) und Sachsen (24 Prozent) vergleichsweise einen sehr niedrigen Anteil der Kaiserschnittgeburten aufwiesen.

Nordrhein-Westfalen mit den meisten Entbindungen
Entgegen dem abnehmenden Trend ist der Anteil der Kaiserschnittentbindungen in Hamburg und in Sachsen-Anhalt laut Mitteilung des Statistischen Bundesamtes jeweils leicht gestiegen (+ 0,7 beziehungsweise + 0,5 Prozentpunkte). Hamburg erreicht damit die zweithöchste Kaiserschnittgeburtenrate deutschlandweit. Insgesamt hatte Nordrhein-Westfalen mit Abstand die meisten Krankenhausentbindungen zu verzeichnen (157.065 Geburten), gefolgt von Bayern (114.909 Geburten). Hier wurden nach absoluten Zahlen auch die meisten Kaiserschnitte durchgeführt (50.164 bzw. 36.595).

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Andere Geburtshilfen eher selten
Neben den Kaiserschnitten wurden andere Geburtshilfen im Jahr 2015 nur verhältnismäßig selten angewandt. „Eine Saugglocke (Vakuumextraktion) wurde bei 5,9 % der Entbindungen eingesetzt, eine Geburtszange bei 0,4 % der Entbindungen“, berichtet das Statistische Bundesamt. Der Anteil der lebend geborenen Kinder habe wie auch im Vorjahr bei 99,7 Prozent gelegen.

Hebammenverband fordert Stärkung der natürlichen Geburt
An dem weiterhin hohen Anteil der Kaiserschnittgeburten äußerte der Deutsche Hebammenverband (DHV) erhebliche Kritik und forderte eine „Stärkung der physiologischen Geburt“. Medizinisch notwendig sei nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lediglich eine Kaiserschnittrate von bis zu 10 Prozent. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf, die Kaiserschnittrate in Deutschland zu senken. „Denn jeder Kaiserschnitt ist eine Operation und sollte nur dann durchgeführt werden, wenn er medizinisch notwendig ist“, so die Mitteilung des Verbandes.

Kaiserschnittrate muss gesenkt werden
„Die Kaiserschnittrate in Deutschland ist zu hoch und muss gesenkt werden“, betont Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des DHV. Als Gründe für den hohen Anteil dieser Geburten nennt die Expertin Personalmangel in den Kreißsälen, der verhindere, sich intensiv um jede Gebärende kümmern zu können. Auch gebe es „mittlerweile zu wenig Wissen über die unterschiedlichen Verläufe einer normalen Geburt.“ Heute werde „häufig schon bei der kleinsten Abweichung von Gynäkologinnen und Gynäkologen eingegriffen“, so Steppat. Hier würden gültige Standards fehlen, wann ein Kaiserschnitt geboten ist. Die Entscheidung werde daher in vielen Fällen subjektiv getroffen, auch mit der Angst vor Fehlern und folgenden Geburtsschäden.

Risiken für Mutter und Kind
Zwar können Kaiserschnitte Leben retten, doch sollten sie nur im Notfall angewendet werden, fordert der Hebammenverband. Denn der Eingriff bringe Risiken für die Gesundheit von Mutter und Kind mit sich. So bestehe für die Kinder beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Asthma, Diabetes und Allergien als Folge.„Ein bundesweiter Aktionsplan zur Förderung der physiologischen Geburt wäre das richtige Signal“, so das Fazit von Steppat. (fp)