Anthrax: Zwölfjähriges Kind verstirbt an Milzbrand

Im Norden Russlands ist es erstmals seit Jahrzehnten wieder zu einem Milzbrand-Ausbruch gekommen. Ein Junge sei gestorben. Bislang seien nur Rentierhirten und ihre Tiere betroffen. (Bild: pisotckii/fotolia.com)
Alfred Domke
Erster Ausbruch seit Jahrzehnten: Zwölfjähriger stirbt an Milzbrand
Im äußersten Norden Russlands ist es laut Medienberichten erstmals seit 75 Jahren wieder zu einem Milzbrand-Ausbruch gekommen. Ein zwölfjähriger Junge sei gestorben. In Deutschland war vor zwei Jahren vor dem Verzehr von Würsten und Corned Beef gewarnt worden, die im Verdacht standen, mit dem hochgiftigen Anthrax-Erreger verseucht zu sein.

Erster Milzbrand-Ausbruch seit 75 Jahren
Medienberichten zufolge ist in Nordrussland erstmals seit 75 Jahren wieder ein Milzbrand-Ausbruch gemeldet worden. Die Behörden in Salechard am Nordpolarkreis teilten demnach mit, dass ein zwölfjähriger Junge an dem hochgiftigen Anthrax-Erreger gestorben sei und acht weitere ihn auf jeden Fall in sich trügen. Den Angaben zufolge sind insgesamt 72 Menschen mit Milzbrand-Verdacht ins Krankenhaus gebracht worden, unter ihnen 41 Kinder. Wie es heißt, steht die ganze Region unter Quarantäne.

Im Norden Russlands ist es erstmals seit Jahrzehnten wieder zu einem Milzbrand-Ausbruch gekommen. Ein Junge sei gestorben. Bislang seien nur Rentierhirten und ihre Tiere betroffen. (Bild: pisotckii/fotolia.com)
Im Norden Russlands ist es erstmals seit Jahrzehnten wieder zu einem Milzbrand-Ausbruch gekommen. Ein Junge sei gestorben. Bislang seien nur Rentierhirten und ihre Tiere betroffen. (Bild: pisotckii/fotolia.com)

Gefahr vor allem für Tiere
Die Erreger der Infektionskrankheit Milzbrand (Anthrax) sind Bakterien, die viele mit biologischer Kriegsführung in Verbindung bringen. Beim Menschen sind Milzbrand-Infektionen allgemein eher selten, für Paarhufer wie Rinder und Schafe stellen sie jedoch ein erhebliches Risiko dar. Beim Menschen werden drei verschiedene Formen des Milzbrandes unterschieden: Hautmilzbrand, Lungenmilzbrand sowie Darmmilzbrand. Ersterer birgt für die Betroffenen das geringste Risiko, allerdings kann auch er tödlich enden.

Übertragung von Mensch zu Mensch gilt als unwahrscheinlich
Lungenmilzbrand kann entstehen, wenn die Milzbrandsporen in die Lunge gelangen und sich hier ausbreiten können. Die Todesrate bei dieser Milzbrandform ist relativ hoch, oft sterben die Infizierten innerhalb einer Woche an einem septischen Schock. Der Verzehr von kontaminiertem Rindfleisch kann in seltenen Fällen auch einen Darmmilzbrand verursachen, der mit schweren Symptomen wie starkem Durchfall, Blut im Stuhl oder blutigem Erbrechen einhergeht. Auch hier droht den Betroffenen im weiteren Verlauf schlimmstenfalls eine Blutvergiftung mit Organversagen. Die Behandlung einer Milzbrandinfektion erfolgt in der Regel mit Antibiotika. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gilt als unwahrscheinlich.

Tödliche Sporen waren lange im Permafrost konserviert
Bei dem Ausbruch in Russland sind laut Behördenangaben bisher ausschließlich Rentierhirten und ihre Tiere Träger des Anthrax-Erregers. Tausende Rentiere seien getötet worden. Moskauer Experten haben mit dem Impfen von mehr als 40.000 Tieren begonnen. Die Region galt seit 1941 als Anthrax-frei. Fachleute nehmen nun an, dass die seit über einem Monat herrschenden ungewöhnlich hohen Temperaturen den Permafrost zum Schmelzen gebracht haben, in dem die tödlichen Sporen länger als ein Jahrhundert konserviert waren.

Todesfälle in Deutschland
Wie es heißt, könnte ein historischer Friedhof ein möglicher Infektionsherd sein. Das dort lebende indigene Volk bestattet seine Toten traditionell in Holzsärgen, die wegen des permanent gefrorenen Bodens nicht vergraben werden. Es sei möglich, dass durch das Auftauen infolge des Klimawandels Erreger infizierter Leichen ins Trinkwasser gelangten und so für die Infektionen sorgten. In Deutschland kam es durch den Milzbranderreger vor vier Jahren zu mindestens zwei Todesfällen und drei weiteren Infektionen. Damals sei der Erreger dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge in verunreinigtem Heroin vermutlich aus Großbritannien nach Deutschland gelangt. Derartiges Heroin sei in der dortigen Drogenszene bereits seit 2009 im Umlauf gewesen. Zudem war 2014 hierzulande auf eine Gefahr durch Milzbrand-Erreger im Rindfleisch hingewiesen worden. (ad)

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