Antibaby-Pille kann Frauen langfristig vor rheumatoider Arthritis schützen

Alexander Stindt
Wie wirkt es sich auf das Risiko für rheumatoide Arthritis aus, wenn Frauen die Pille nehmen?
Die rheumatoide Arthritis ist eine mehrere Wochen anhaltende chronische Gelenkentzündung. Alleine in Deutschland leiden etwa 800.000 Menschen an dieser Erkrankung. Die Forscher fanden jetzt heraus, dass die Einnahme von bestimmten Verhütungsmitteln das Risiko für rheumatoide Arthritis verringern kann.

Die Wissenschaftler des Institute of Environmental Medicine in Stockholm stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass orale Kontrazeptiva vor der Entwicklung von rheumatoider Arthritis schützen können. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Annals of the Rheumatic Diseases“.

Die sogenannte Antibabypille wird eigentlich eingenommen, um sich vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen. Mediziner stellten fest, dass die Einnahme der Pille auch vor rheumatoider Arthritis schützen kann. (Bild: Wolfilser/fotolia.com)

Wenn Frauen länger als sieben Jahre die Pille einnahmen, senkte dies das Risiko um 19 Prozent
Wenn die Teilnehmerinnen über mindestens sieben aufeinanderfolgende Jahre orale Kontrazeptiva einnahmen, umgangssprachlich auch als Antibabypille bezeichnet, führte dies zu einem reduzierten Risiko für die Entwicklung von rheumatoider Arthritis um 19 Prozent, erläutern die Experten.

Forscher stellten keine signifikante Verbindung zwischen Stillen und rheumatoider Arthritis fest
Die Verwendung oraler Kontrazeptiva bietet Frauen eine schützende Wirkung gegen rheumatoide Arthritis. In der Vergangenheit wurde das Stillen von Kindern ebenfalls mit einer schützenden Wirkung vor rheumatoider Arthritis verbunden. Die Forscher stellten aktuell aber keine signifikante Verbindung zwischen Stillen und rheumatoider Arthritis fest.

Frauen leiden wesentlich häufiger an rheumatoider Arthritis
Bei Frauen tritt die rheumatoide Arthritis zwei bis drei Mal häufiger auf, verglichen mit Männern. Dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern könnte teilweise durch reproduktive Faktoren erklärt werden, mutmaßen die Wissenschaftler.

Mediziner untersuchten mehr als 6.500 Frauen für ihre Studie
Für ihre Studie untersuchten die Forscher die Daten von über 2.500 Frauen mit rheumatoider Arthritis. Zum Vergleich wurden ebenfalls 4.100 Frauen ohne die Erkrankung untersucht, welche im gleichen Alter waren.

Blut der Teilnehmerinnen wurde auf ACPA-Antikörper untersucht
Die Mediziner nahmen Blutproben von allen Teilnehmern, um nach sogenannten ACPA-Antikörpern zu suchen, welche stark mit der rheumatoiden Arthritis assoziiert sind. Die Frauen wurden außerdem über ihre Verhütungstechniken und ihre Vorgeschichte der Fortpflanzung befragt. Neun von zehn Personen, welche positiv auf ACPA-Antikörper getestet wurden, leiden an rheumatoider Arthritis. Die Anwesenheit dieser Antikörper kann also auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten, erläutern die Wissenschaftler.

Auswirkungen der Einnahme der Pille auf das Risiko für rheumatoide Arthritis
Die Ergebnisse der Untersuchung deuten darauf hin, dass Frauen, die in der Vergangenheit ein orales Kontrazeptivum verwendet hatten, generell ein geringeres Risiko für die Entwicklung von rheumatoider Arthritis aufweisen, verglichen mit Frauen die niemals die Pille eingenommen hatten. Das Risiko war um 15 Prozent reduziert, wenn Frauen gegenwärtig orale Kontrazeptiva einnahmen. Wenn Frauen in der Vergangenheit orale Kontrazeptiva zu sich genommen hatten, führte dies zu einem um 13 Prozent reduzierten Risiko, erläutern die Autoren. Wenn die Frauen für mehr als sieben Jahre die Pille einnahmen, was die durchschnittliche Dauer der Nutzung der Teilnehmerinnen während der Studie betrug, konnte dies mit einem um 19 Prozent reduzierten Risiko für die Entwicklung von rheumatoider Arthritis verbunden werden. (as)