Antibiotika gegen Husten nutzlos

Fabian Peters

Antibiotika wirkt bei Husten nicht besser als ein Placebo

19.12.2012

Das Antibiotikum Amoxicillin zeigt bei Husten keinen therapeutischen Nutzen, dafür mit vermehrte Nebenwirkungen. Ein internationales Forscherteam hat den Einsatz des Antibiotikums bei Infektionen der unteren Atemwege genauer untersucht und dabei festgestellt, dass die Wirkung vergleichbar der eines Placebos ausfiel. Allerdings zeigten sich nach der Antibiotika-Einnahme häufiger Nebenwirkungen, berichten die Wissenschaftler um Professor Paul Little von der University of Southampton (UK) im Fachmagazin „The Lancet“.

„Infektionen der unteren Atemwege sind eine der häufigsten akuten Erkrankungen in der hausärztlichen Versorgung“ und nicht selten werde provisorisch auch ein Antibiotikum verschrieben, obwohl der Husten meist durch Viren und nicht durch Bakterien bedingt wird, schreiben die Forscher. Bisher seien erst wenige Placebo-kontrollierte Studien zum Antibiotika-Einsatz bei akutem Husten durchgeführt worden und „die allgemeine Effektivität (insbesondere in Untergruppen wie ältere Menschen) ist umstritten“, begründeten Prof. Little und Kollegen ihren aktuellen Forschungsansatz. Sie verglichen den Nutzen und Schaden von Amoxicillin für akute Infektionen der unteren Atemwege mit der Wirkung eines Placebos.

Antibiotika bei Atemwegsinfektionen wirkungslos?
Insgesamt 2.061 Patienten im Alter über 18 Jahren „mit akuten unteren Atemwegsinfektionen (Husten von ≤ 28 Tagen Dauer), bei denen kein Verdacht auf eine Lungenentzündung bestand, wurden randomisiert auf eine Amoxicillin-Gruppe (Einnahme von einem Gramm dreimal täglich für sieben Tage) und eine Placebo-Gruppe aufgeteilt“, berichten die Wissenschaftler. Es folgte eine Beobachtung bis zu dem Zeitpunkt der Genesung. Weder bei der Linderung der Symptome noch bei der Dauer der Erkrankung habe das Antibiotikum eine signifikant bessere Wirkung erzielt als das Placebo, so eines der Ergebnisse. Dies gelte explizit auch für den Einsatz bei Senioren. Allerdings beobachteten die Forscher in der Amoxicillin-Gruppe deutlich weniger „neue oder sich verschlechternde Symptome.“ So hätten in der Placebo-Gruppe 19,3 Prozent der Patienten eine Verschlechterung bestehender Beschwerden oder das Auftreten neuer Symptome beobachtet, während dies für lediglich 15,9 Prozent der Patienten aus der Antibiotika-Gruppe zutraf. Das bedeute jedoch, dass 30 Patienten mit Amoxicillin behandelt werden müssten, um in einem einzigen Fall die Verschlechterung zu verhindern, erläuterte Prof. Little.

Vermehrtes Auftreten von Nebenwirkungen durch das Antibiotikum
Gegen den Einsatz des Antibiotikums bei Atemwegsinfektionen spricht laut Aussage der Forscher vor allem das vermehrt Auftreten von Nebenwirkungen. So hätten die Probanden der Amoxicillin-Gruppe signifikant häufiger unter Juckender Hautausschlag, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen gelitten. In einem Fall führte die Einnahme das Antibiotikums sogar zur Anaphylaxie. Insgesamt zeigten in der Placebo-Gruppe 24 Prozent der Patienten Nebenwirkungen, in der Antibiotika-Gruppe waren es 28,7 Prozent. Laut Angaben der Wissenschaftler mussten zwei Patienten aus der Placebo-Gruppe und ein Patient aus der Amoxicillin-Gruppe ins Krankenhaus eingeliefert werden. Todesfälle seien im Rahmen der Studie nicht aufgetreten.

Hausärzte sollten können bei Atemwegsinfektionen häufiger auf Antibiotika verzichten
„Wenn keine Lungenentzündung vermutet wird, bietet Amoxicillin klinisch wenig Nutzen für akute Infektionen der unteren Atemwege sowohl insgesamt als auch bei Patienten im Alter von 60 Jahren oder mehr“, berichten Prof. Little und Kollegen. Hinzu komme, dass bei dem Antibiotikum mehr Nebenwirkungen zu erwarten seien. Die meisten Patienten würden auch ohne Antibiotika-Einsatz von alleine wieder gesund, allerdings habe das Antibiotikum vereinzelt durchaus einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes entgegen gewirkt. Hier gelte es in Zukunft die Patienten zu identifizieren, die tatsächlich von dem Antibiotikum profitieren können. Insgesamt zeige die Untersuchung des Forscherteams um Prof. Little, dass niedergelassene Allgemeinmediziner bei der Behandlung von Infektionen der unteren Atemwege durchaus häufiger auf Antibiotika verzichten können, erläuterte Philipp Schütz vom Medical University Department des Kantonsspitals Aarau (Schweiz) in einem Kommentar zu dem aktuellen Artikel. Dies gelte insbesondere für risikoarme Patienten ohne Verdacht auf Lungenentzündung. (fp)

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