Antibiotika-resistente Erreger in Schlachthähnchen

Heilpraxisnet

Forscher finden Darmbakterien in gesunden Schlachthähnchen aus Deutschland

11.07.2013

Die besorgniserregenden Nachrichten im Zusammenhang mit Hähnchen und Antibiotika reißen nicht ab – denn Wissenschaftler aus Hannover haben gesunde Schlachthähnchen aus Deutschland untersucht und dabei antibiotikaresistente Bakterien gefunden. Dabei handelt es sich um Darmbakterien (Enterobakterien), die die Enzyme „Extended-Spectrum Beta-Laktamase“ (ESBL) sowie „AmpC Beta-Laktamase“ (AmpC) produzieren, welche wiederum die Fähigkeit besitzen, „sogenannte Betalaktam-Antibiotika zu inaktivieren und den Bakterien eine antibiotikaresistente Eigenschaft zu verleihen“, wie die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) in einer aktuellen Pressemitteilung schreibt.

Blinddarm- und Karkassenproben von vier unterschiedlichen Herden analysiert
Für ihre Studie hatten die Forscher aus dem Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit der „Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover“ (TiHo) in mehreren Schlachthöfen etwa 120 Blinddarm- und Karkassenproben von vier unterschiedlichen Herden untersucht – mit dem Ziel „die Verbreitung von ESBL und AmpC-Produzenten in der Hähnchen-Produktionskette in Deutschland in verschiedenen Spezies der Familie der Enterobakterien zu beurteilen“, so die Forscher in einem aktuellen Artikel im Fachmagazin „Emerging Infectious Diseases“. Dabei hatten sich die Wissenschaftler insbesondere auf verschiedene Masthähnchenherden zum Schlachtungszeitpunkt konzentriert, „um die Einführung von Enterobakterien während des Schlachtungsprozesses sowie die Übertragung auf das Produkt zu veranschaulichen“, schreiben Felix Reich, Viktoria Atanassova und Günter Klein weiter.

Escherichia coli-Bakterien in mehr als der Hälfte der Proben
Durch die Untersuchung kamen die Forscher zu einem besorgniserregenden Ergebnis, denn „ESBL produzierende Bakterien konnten in 88,6 Prozent der Proben aus dem Knochengerüst und 72,5 Prozent der Proben aus dem Blinddarm gefunden, AmpC-Produzenten zudem in 52,9 Prozent der Karkassenproben und in 56,9 Prozent der Blindarmproben“, wobei es sich in den meisten Fällen um „Escherichia coli“ (abgekürzt E. coli) gehandelt habe – ein Bakterium, das häufig im menschlichen und tierischen Darm vorkommt, in jeweils zwei Proben hatten die Forscher zudem „Enterobacter cloacae“ und „Proteus mirabilis“ gefunden, so die Information in dem Fachartikel.

Bakterien produzieren Enzym, welches Antibiotika inaktivieren kann
Bei den gefundenen AmpC und ESBL produzierende Bakterien handele es sich den Wissenschaftlern demnach um verschiedene Darmbakterien (Enterobakterien), „die unterschiedliche Formen des Enzyms „Beta-Laktamase“ produzieren – die Besonderheit dabei: Dieses Enzym ist in der Lage, „sogenannte Betalaktam-Antibiotika zu inaktivieren und den Bakterien eine antibiotikaresistente Eigenschaft zu verleihen“, so die Forscher in ihrem Artikel. Dabei sei der bekannteste Vertreter dieser Antibiotikagruppe das Penicillin – darüber hinaus seien ESBL-Enzyme aber auch in der Lage, Betalaktam-Antibiotika mit einem breiteren Wirkspektrum zu inaktivieren.

Masthähnchen „Quelle für die Verbreitung von Resistenzen in Darmbakterien“
Laut den Wissenschaftlern würde die aktuelle Studie „belegen, dass gesunde Masthähnchen in Deutschland eine Quelle für die Verbreitung von übertragbaren Resistenzmechanismen in Darmbakterien sind“ – dabei wird gerade die Behandlung von Tieren mit Antibiotika vielfach heftig kritisiert, da sie sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin den Behandlungserfolg bei Infektionskrankheiten gefährdet, indem Mensch und Tier nicht mehr auf Antibiotika ansprechen. Gerade in Kliniken kämpfen Ärzte mehr und mehr gegen multiresistente Keimen, die unter Umständen schwer behandelbare Erkrankungen auslösen können. Daher wurde erst kürzlich durch den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat eine Änderung des Arzneimittelgesetzes (AMG) beschlossen, wodurch nun die erlaubte Antibiotika-Menge in der Tierhaltung in den nächsten Jahren deutlich reduziert werden soll.

Bild: Uschi Dreiucker / pixelio.de