Antibiotika-resistenter Tripper in Japan entdeckt

Fabian Peters

Resistente Tripper-Bakterien beunruhigen die Fachwelt

12.07.2011

In Japan ist ein Antibiotika-resistenter Tripper-Keim aufgetreten. Die lebensbedrohliche Geschlechtskrankheit könnte damit in Zukunft eine weltweite Renaissance erleben, der Mediziner nichts entgegen zu setzen hätten, warnen schwedische und japanische Forscher auf einer Konferenz der Internationalen Gesellschaft für die Erforschung sexuell übertragbarer Krankheiten (engl. International Society for Sexually Transmitted Diseases Research, ISSTDR) in Quebec City, Kanada.

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Magnus Unemo vom schwedischen Referenzlabor für pathogene Neisseria und Makoto Ohnishi vom National Institute of Infectious Diseases in Tokio haben über eine neue Variante der Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae) berichtet, die gegen sämtliche gängigen Antibiotika Resistenzen entwickelt haben soll. Damit drohe die Geschlechtskrankheit Tripper (Gonorrhoe) zu einem weltweiten Problem zu werden, dem die Mediziner mit ihren herkömmlichen Behandlungsmethoden nichts entgegen zu setzen hätten. Die neue Gattung mit dem Namen HO41 wurde in Japan entdeckt, könnte sich jedoch in den nächsten zehn bis 20 Jahren über den ganzen Globus ausbreiten, warnen die Forscher.

Entwicklung von Resistenzen bei den Gonorrhoe-Keimen
Die in Japan entdeckten Tripper-Keime HO41 seien bereits gegen die normalen Breitband-Antibiotika resistent, so die Aussage der internationalen Forschergruppe um Magnus Unemo und Makoto Ohnishi. Damit drohe eine weltweite Renaissance der vor dem Antibiotika-Zeitalter häufig tödlich verlaufenden Tripper-Erkrankungen, warnen die Experten. Denn erst mit dem Einsatz von Antibiotika wurde die Geschlechtskrankheit zu einer relativ harmlosen, leicht zu behandelnden Infektion. „Seit den 1940er-Jahren werden Antibiotika bei der Standardtherapie gegen Gonorrhoe eingesetzt“, erklärte Magnus Unemo auf dem Kongress in Quebec. Dass der nun entdeckte Tripper-Keim gegen sämtliche bei Gonorrhoe eingesetzten Antibiotika resistent ist, werteten die Experten daher als eine „alarmierende“ Entwicklung. Doch diese sei auch vorhersehbar gewesen, da die Tripper-Bakterien bei dem regelmäßigen Kontakt mit verschiedenen Antibiotika „Abwehrmechanismen gegen all diese Medikamente bilden“, berichteten die Forscher. Bereits im Vorfeld des Kongresses hatte die internationale Forschergruppe um Magnus Unemo und Makoto Ohnishi in der Fachzeitschrift „Antimicrobial Agents and Chemotherapy“ eine Studie veröffentlicht, in der die neu entdeckte Tripper-Variante beschrieben wurde. Im Rahmen ihrer Untersuchungen gelang es den Forschern auch die Genmutationen zu identifizieren, welche für die Antibiotika-Resistenz der neuen Neisseria gonorrhoeae Bakterien verantwortlich sind.

Japan als Ursprungsland der resistenten Tripper-Keime
Dass ausgerechnet in Japan die neuen Antibiotika-resistenten Tripper-Bakterien entdeckt wurden, ist Magnus Unemo zufolge besonders besorgniserregend, da „Japan in der Geschichte oftmals das Ursprungsland für verschiedene Resistenz-Typen der Gonorrhoe-Keime“ war. Diese haben sich anschließend häufig von Japan aus weltweit verbreitet, erklärte Unemo. Ähnliches steht nach Einschätzung der Experten auch mit dem neu entdeckten Tripper-Keim bevor. Da die Bakterien gegen die noch zur Tripper-Behandlung verbleibenden Breitbandantibiotika resistent sind, würden die Mediziner einer weltweiten Ausbreitung mehr oder weniger hilflos gegenüber stehen und müssten im Zweifelsfalls auf bisher ungetestete Behandlungsmethoden gegen Gonorrhoe zurückgreifen. Allerdings bleibt der Wissenschaft noch ein wenig Zeit, um eine Antwort auf die Ausbreitung der resistenten Erreger zu finden, denn laut Einschätzung der Experten wird es voraussichtlich zehn bis 20 Jahre dauern, bis die neuen Keime sich über den Globus verteilt haben.

Gonorrhoe eine der verbreitetsten Geschlechtskrankheiten weltweit
Doch das Risiko des neuen Antibiotika-resistenten Tripper-Keims ist dennoch nicht zu unterschätzen. Denn Tripper zählt schon heute zu den verbreitetsten sexuell übertragbaren Krankheiten weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO kommt zu dem Ergebnis, dass sich jährlich etwa 60 Millionen Menschen mit der Geschlechtskrankheit infizieren. Dabei ist Gonorrhoe auch in den modernen Industriestaaten keineswegs besiegt. So geht das amerikanische Center for Disease Control and Prevention (CDC) davon aus, dass in den USA durchschnittlich rund 700.000 Personen im Jahr an Tripper erkranken. Übertragen werden die Bakterien in der Regel durch Geschlechtsverkehr, wobei sich die Bakterien anschließend beim Mann auf den Schleimhäuten der Harnröhre und bei den Frauen auf den Schleimhäuten des Gebärmutterhalses ansiedeln. Die Immunabwehr reagiert mit der Abtötung der infizierten Schleimhautzellen, wodurch schwerwiegenden Schädigungen der Schleimhäute verursacht werden können. Als typische Symptome einer Gonorrhoe werden Schmerzen beim Urinieren, Juckreiz der Geschlechtsorgane und gerötete bzw. geschwollene Hautstellen im Bereich des Austritt der Harnröhre sowie ein eitriger Ausfluss genannt. Erfolgt keine medizinische Behandlung droht eine weitere Ausbreitung der Bakterien im Organismus wodurch massive gesundheitliche Beschwerden verursacht werden können. Daher ist die Entdeckung der Antibiotika-resistenten Tripper-Keime nach Einschätzung der Experten besonders alarmierend. Denn eine erfolgversprechende medikamentöse Behandlung ist bei diesen Gonorrhoe-Keimen bisher ausgeschlossen. (fp)