Antibiotika-Resistenz: Superkeime in Deutschland erstmals entdeckt

Auch in Deutschland tragen viele Bakterienstämme das Resistenzgen mcr-1 in sich. (Bild: science photo/fotolia.com)
Fabian Peters
Bei Nutztieren und Menschen Bakterien mit übertragbarem Resistenz-Gen nachgewiesen
Antibiotikaresistente Bakterien bilden weltweit ein wachsendes Problem. Zunehmend entwickeln einzelne Bakterienstämme auch Resistenzen gegen sogenannte Notfall-Antibiotika, die eingesetzt werden, wenn herkömmliche Mittel versagen. Bakterienstämme, die gegen das Notfall-Antibiotikum Colistin resistent sind, haben sich auch in Deutschland ausgebreitet, so das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover. Da die Bakterien die Resistenz über ein bestimmtes Gen (Gen mcr-1) an andere Bakterienstämme weitergeben können, werden die Beobachtungen äußerst kritisch bewertet.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in einer aktuellen Mitteilung vor der „Übertragbarkeit eines Resistenzgens in der Human- und Veterinärmedizin“ gewarnt.

Vermehrt wurde in den vergangenen Jahren über bakterielle Erreger berichtet, die Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt haben. Hierbei seien „Erreger aus der Familie der Enterobakterien, die gegen eine Vielzahl von antibiotischen Wirkstoffen resistent sind“, besonders problematisch, berichtet die Tierärztliche Hochschule Hannover.

Zeigen die Bakterien außerdem eine Resistenz gegen Antibiotika aus der Carbapenemgruppe, bleiben kaum therapeutische Optionen zur Behandlung entsprechender Infektionen. Colistin war laut Mitteilung der TiHo bislang „eines der wenigen verbliebenen Antibiotika, das gegen Infektionen mit diesen multi- und Carbapenem-resistenten Erregern aus der Familie der Enterobakterien noch wirkt.“

Die im vergangenen Jahr von chinesischen Wissenschaftlern festgestellte genetische Übertragbarkeit der Resistenz gegen Colistin auf andere Bakterienstämme hat daher unter Medizinern weltweit für Aufsehen gesorgt. Eine Analyse vorliegender Bakterienproben aus Deutschland auf das Gen mcr-1 hat nun ergeben, dass sowohl in Proben von Nutztieren als auch in menschlichen Proben Erreger mit dem übertragbaren vorhanden waren.

Auch in Deutschland tragen viele Bakterienstämme das Resistenzgen mcr-1 in sich. (Bild: science photo/fotolia.com)
Auch in Deutschland tragen viele Bakterienstämme das Resistenzgen mcr-1 in sich. (Bild: science photo/fotolia.com)

Resistenzgen seit 2011 in Deutschland verbreitet
„Der Forschungsverbund konnte erstmalig zeigen, dass das Resistenzgen mcr-1 in Deutschland bei Escherichia coli in Nutztieren sowie im Menschen vorkommt“, berichtet die TiHo Hannover. Allerdings könnten damit noch keine Aussagen zum Ausmaß der Verbreitung, zu möglichen Übertragungswegen oder zur Richtung der Übertragung (von Mensch auf Tier oder umgekehrt) getroffen werden. Fest stehe jedoch, dass das Resistenzgen mindestens seit dem Jahr 2011 in Deutschland vorkomme und somit die Möglichkeit einer Übertragung auf den Menschen seit mehreren Jahren bestehe.

„Übertragbare Resistenzgene können von harmlosen Darmbakterien, den sogenannten kommensalen Keimen, auf Krankheitserreger übertragen werden und die Therapie gegen diese Krankheitserreger erschweren“, warnt das BfR. „Die aktuellen Ergebnisse bestätigen erneut, dass die Strategie eines verantwortlichen Einsatzes von Antibiotika weiter konsequent verfolgt werden muss“, betont der Präsident des BfR, Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Weitere Untersuchungen zur Abschätzung des Risikos erforderlich
Den Angaben des BfR zufolge sollen nun „weitere molekularbiologische Untersuchungen zum genetischen Hintergrund und Übertragungspotential“ durchgeführt werden, „um mögliche Risiken für die Verbraucherinnen und Verbraucher abzuschätzen.“ Inwiefern die „nachgewiesene, seit Jahren bereits vorhandene, übertragbare Antibiotikaresistenz bei der Behandlung von Infektionskrankheiten des Menschen eine Rolle spielt, muss nun auf der Seite der Humanmedizin erforscht werden“, berichtet das BfR. Der TiHo Hannover zufolge sind weitere Untersuchungen in Deutschland und in anderen Ländern zudem erforderlich, „um abschätzen zu können, seit wann dieses Resistenzgen vorkommt und in welchem Umfang es bei Bakterien von Menschen und Tieren verbreitet ist.“ Dies sei wichtig, um Aufschluss über das Ausmaß der Problematik zu erlangen. (fp)

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