Antibiotika-Resistenzen nehmen stark zu

Astrid Goldmayer

Die Verbreitung von multiresistenten Keimen hat in den letzten Jahren stark zugenommen

17.11.2011

Antibiotika galten lange Zeit als Allzweckwaffe gegen jede Art von Bakterien. Selbst bei häufig durch Viren verursachten Erkrankungen, wie z.B. Schnupfen, werden sie zum Teil verschrieben. Die Folge sind immer häufiger auftretende multiresistente Keime, die sogenannten MRSA. Einer internationalen Studie zufolge, die das Auftreten von Infektionen auf Intensivstationen untersucht hat, stieg die Anzahl der gramnegativen Erreger von 39 Prozent im Jahr 1992 auf über 62 Prozent im Jahre 2007. Die Studie besagt weiter, dass die Zahl der Todesfälle der infizierten Patienten auf Intensivstationen mehr als doppelt so hoch war als bei nicht infizierten Patienten (Quelle: Vincent JL, Rello J, Marshall J et al.: International Study of the prevalence and outcomes of infection in intensive care units).

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Was sind multiresistente Keime?
Als multiresistente Keime (MRSA = Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) werden allgemein Bakterien des Stammes Staphylococcus aureus bezeichnet, die gegen nahezu alle Antibiotika resistent sind. Dazu gehört z.B. Penicillin.

Wird ein Antibiotikum verabreicht, werden die Erreger normalerweise abgetötet. Durch Mutationen einiger Erreger können diese jedoch resistent gegen das Antibiotikum werden. Die resistenten Bakterien können sich weiter vermehren und über die resistenzvermittelnden Gene auch an andere Bakterienarten weitergegeben werden. Begünstigt werden die Resistenzen durch die Verwendung bestimmter Reinigungsmittel, die die sogenannten quartären Amoniumverbindungen mit desinfizierender Wirkung beinhalten. Denn dieselben Gene der Bakterien, die gegen die quartären Amoniumverbindungen Resistenzen beinhalten, übermitteln auch die Antibiotika-Resistenz an die Bakterien.

Wie gelangt der Keim in die Krankenhäuser?
Grundsätzlich kann jeder Mensch multiresistente Keime übertragen, auch wenn die Antibiotika-Behandlung schon längere Zeit zurückliegt. Bei gesunden Menschen lösen die Erreger in der Regel keine Erkrankungen aus. Gelangen die Keime jedoch in den Körper eines schwerkranken Menschen, dessen Immunsystem stark geschwächt ist, können sie schwere Schäden verursachen, die sogar zum Tod des Patienten führen können. Typischer Folgen einer Infektion mit MRSA sind z.B. schwere Entzündungen von Operationswunden, Blutvergiftungen und Lungenentzündungen.

Vorbeugende Maßnahmen
Laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) und dem Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) sterben in Deutschland jährlich ca. 30.000 Menschen an sogenannten Krankenhauskeimen . Da sowohl gesunde Besucher als auch das Krankenhauspersonal als Überträger der Keime in Frage kommen, müssen spezielle Hygienevorschriften beachtet werden. Mit der Änderung des 2001 eingeführten Infektionsschutzgesetzes will die Bundesregierung bessere Hygienestandards in Krankenhäusern durchsetzen und damit der Ausbreitung von Krankenhausinfektionen und Krankenhauserregern entgegenwirken. Das Bundesministerium für Gesundheit spricht von 400.000 bis 600.000 Patienten, die jedes Jahr in Deutschland an Infektionen, die in Zusammenhang mit medizinischen Behandlungen auftreten, erkranken. Das Ministerium geht weiter davon aus, dass diese sogenannten nosokomialen Infektionen nicht vollständig zu vermeiden sind, jedoch durch die Einhaltung der entsprechenden Hygienevorschriften stark einzudämmen sind. Experten gingen davon aus, dass 20 % bis 30 % der Infektionen durch die Hygienemaßnahmen zu vermeiden wären. Ein großes Problem stellen dabei die multiresistenten Keime dar, da die Erreger aufgrund ihrer Resistenzen zum Teil praktisch behandelbar seien. Das Ministerium sieht die Hauptursachen im unsachgemäßen Verschreiben von Antibiotika sowie in Hygienemängeln, die sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich auftreten.

Durch die Änderung des Infektionsschutzgesetzes will die Bundesregierung einen rationalen Einsatz von Antibiotika unterstützen. Des Weiteren sollen die Hygienevorschriften und –Empfehlungen besser beachtet und umgesetzt werden.

Als Vorreiter in der Bekämpfung von Krankenhausinfektionen können die Niederlande genannt werden. Erstmals gelang es, die Neuansteckungsrate durch gezielte Maßnahmen auf unter ein Prozent zu senken. Dazu gehört die Untersuchung jedes neuen Patienten auf MRSA. Im Fall eines positiven Testergebnisses, wird der Patient umgehend isoliert und mit speziellen Antibiotika behandelt. Das Krankenhauspersonal ist zudem verpflichtet besonders strenge Hygienevorschriften einzuhalten.

Naturheilkunde zur Bekämpfung von Bakterien und resistenten Keimen
In der Diskussion um Bakterien und resistente Keime wird oft vernachlässigt, dass in der Natur natürliche Wirkstoffe zur Bekämpfung von Erregern vorkommen. Kürzlich veröffentlichten portugiesische Wissenschaftler im „Journal of Medical Microbiology“ ihre Ergebnisse bezüglich der Untersuchung von Koriandröl zur Bekämpfung von Bakterien. Die Forscher fanden heraus, dass das antibakteriell wirkende Korianderöl das Bakterienwachstum eindämmt. Dies gilt auch für multiresistente Keime. Die Wissenschaftler der Universität Beira Interior berichten, dass das Korianderöl, die Membran, welche die Zelle umgibt, zerstöre und so letztlich zum Tod der Bakterienzelle führe. (ag)