Antibiotika-Tag: Gefahren resistenter Keime

Heilpraxisnet

Antibiotika resistente Keime breiten sich immer mehr aus

18.11.2014

Antibiotika gelten noch immer als Allzweckwaffe gegen bakterielle Infektionen. Vor allem Kindern werden die Medikamente häufig von Ärzten verordnetet. Experten weisen anlässlich des Europäischen Antibiotika-Tages am 18. November daraufhin, dass damit auch Gefahren einher gehen. So breiten sich Antibiotika-resistente Keime immer weiter aus. Während vor einigen Jahren dabei vor allem gram-positive Erreger wie Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) im Fokus standen, sind mittlerweile auch gram-negative multiresistente Infektionserreger zum Problem geworden, die neben anderen Gruppen von Antibiotika auch gegen alle ß-Laktam-Antibiotika Resistenzen entwickelt haben, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt.

Im Kindergartenalter werden besonders häufig Antibiotika verordnet
Ärzte sind verstärkt dazu aufgerufen, zurückhaltender bei der Verordnung von Antibiotika vorzugehen. Experten zufolge werden sehr häufig Breitspektrum-Antibiotika in Krankenhäusern und Arztpraxen verschrieben, die gegen eine Vielzahl von Erregern wirksam sind, obwohl auch in vielen Fällen Basis-Antibiotika ausgereicht hätten. Breitspektrum-Antibiotika begünstigen die Entwicklung von Resistenzen vieler Erreger gleichzeitig.

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit werden die meisten Antibiotika an Kinder im Kindergartenalter verordnet. 41 Prozent der Vier- bis Sechsjährigen erhielten im letzten Jahr Antibiotika. Zum Vergleich: in der Gesamtaltersgruppe von 0 bis 18 Jahren traf das nur auf knapp 30 Prozent zu. Der Umfrage zufolge wurden 37 Prozent der Vier- bis Sechsjährigen Antibiotika wegen Bronchitis, 29 Prozent wegen Mittelohrentzündungund 27 Prozent aufgrund von grippalen Infekten(Erkältungen) verordnet. Jedoch sind Experten zufolge bei diesen Beschwerden Antibiotika nur in Ausnahmefällen indiziert. Möglicherweise spielt auch die Einstellung der Eltern dabei eine Rolle. So sei es der Online-Ausgabe der „Ärzte Zeitung“ zufolge normal, dass Kinder jährlich bis zu zehn Infekte pro Jahr durchmachten und diese meist ohne Komplikationen innerhalb weniger Tagen überstehen würden. Ein Antibiotikum sei dann nicht notwendig.

Neue Antibiotika gegen resistente Keime
Pharmaunternehmen forschen indes weiterhin an neuen Antibiotika, die im Idealfall auch bei multiresistenten Keimen wirksam sind. In diesem Jahr wurden vier Mittel auf den Markt gebracht, wie der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa) informiert: Zwei Antibiotika gegen den Krankenhauskeim MRSA und zwei gegen multiresistente Tuberkulose. Drei weitere Präparate seien bereits im Zulassungsverfahren und 15 weitere in Phase-III-Studien.

„Neue Antibiotika lassen sich jedoch nicht nach Belieben nachliefern", erläutert vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. „Deshalb ist es ebenso wichtig, die Bildung und Verbreitung weiterer Resistenzen möglichst zu vermeiden. Das aber erfordert die Kooperation von vielen Akteuren, darunter Ärzten, Grundlagenforschern, Pharma- und Diagnostika-Unternehmen und der Politik."

Apotheken klären über den richtigen Umgang mit Antibiotika auf
Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände weist anlässlich des Antibiotika-Tages daraufhin, wie wichtig die richtige Einnahme von Antibiotika ist. „Durch eine verantwortungsvolle Anwendung von Antibiotika können Resistenzen vermieden werden. Jeder Patient ist mit dafür verantwortlich, dass Antibiotika wirksam bleiben“, erklärt Karin Graf, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der ABDA. „Die Apotheken klären deshalb über den richtigen Umgang mit Antibiotika auf.“

Dem Hauptverband zufolge sollten Patienten Antibiotika ausschließlich nach ärztlicher Verordnung einnehmen und sich hinsichtlich der Dosierung und der Therapiedauer genau an die Anweisungen des Arztes halten. „Antibiotika sollten über den Hausmüll entsorgt werden, aber nicht über die Toilette oder das Waschbecken. Die Entsorgung von Antibiotika über das Abwasser verbreitet die Substanzen in die Umwelt und fördert so die Entstehung von Resistenzen“, heißt es in einer Mitteilung der ABDA. In einigen Apotheken können Arzneimittelreste zudem kostenlos entsorgt werden. (ag)

Bild: Wilhelmine Wulff / pixelio.de