Antibiotika-Resistenzen: Tasmanische Teufelsmilch wirkt gegen multiresistente Superkeime

Alexander Stindt
Studie: Tasmanische Teufelsmilch hilft bei resistenten Erregern
Experten warnen schon seit längerer Zeit vor einer zunehmenden Antibiotika-Resistenz. Die Auswirkungen könnten katastrophale Folgen für die gesamte Menschheit haben. Australische Forscher fanden jetzt heraus, dass die Milch von Tasmanischen Teufeln eine vielversprechende Möglichkeit zur Bekämpfung von sogenannten multiresistenten Superkeimen sein könnte.

Die Wissenschaftler der Sydney University stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die Milch des aggressiven Beuteltiers in Zukunft die Behandlung von multiresistenten Superkeimen ermöglichen könnte. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“.

Kann ein aggressives Beuteltier dazu beitragen, dass wir eines Tages multiresistente Erreger besiegen können? Mediziner stellten bei einer Untersuchung fest, dass die Milch von Tasmanischen Teufeln tatsächlich die Behandlung von resistenten Bakterienstämmen ermöglichen könnte. (Bild: Tobias Gueldner/fotolia.com)
Kann ein aggressives Beuteltier dazu beitragen, dass wir eines Tages multiresistente Erreger besiegen können? Mediziner stellten bei einer Untersuchung fest, dass die Milch von Tasmanischen Teufeln tatsächlich die Behandlung von resistenten Bakterienstämmen ermöglichen könnte. (Bild: Tobias Gueldner/fotolia.com)

Milch von Tasmanischen Teufeln wirkt gegen resistenten Erregern
Auf der ganzen Welt gibt es immer mehr Fälle von Antibiotika-Resistenzen bei verschiedenen Bakterienstämmen. Viele Mediziner versuchen neue Klassen von Antibiotika im Labor zu entwickeln. Es gibt aber auch Wissenschaftler, die sich darauf konzentrieren, die Lösung des Problems in der Natur zu finden. Australische Forscher erklärten nun nach mehr als drei Jahren Forschung, dass die Milch von Tasmanischen Teufeln bei der Behandlung von resistenten Erregern helfen könnte.

Milch der Tasmanischen Teufel bietet starke antimikrobielle Resistenz
Das Team der Sydney University arbeitete an der Sequenzierung des Genoms des Tasmanischen Teufels. Dabei machten die Mediziner eine bedeutende Entdeckung. Die Mütter der Tiere säugen ihre Welpen nur 21 Tage. Danach wird die Entwicklung des jungen Tieres in der Tasche der Mutter fortgesetzt, erläutern die Experten. Angesichts der kurzen Schwangerschaft und dem Wissen, dass der Beutel dieser Tiere sicherlich keine sterile Umgebung ist, vermuteten die Forscher, dass die Milch der Tasmanischen Teufel eine starke antimikrobielle Resistenz bieten muss.

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Tasmanische Teufelsmilch wirkt als natürliches Antibiotikum
Die Wissenschaftler fanden schließlich heraus, dass die Milch der Tasmanischen Teufel sechs Sorten von Peptiden enthält. Diese gehören zu einer Klasse mit dem Namen Kathelicidine und wirken als natürliche Antibiotika. Menschen besitzen nur eine Klasse von Peptiden, die meisten Beuteltiere scheinen aber große Mengen aufzuweisen. Die Körper von Opossums enthalten beispielsweise zwölf Sorten von Peptiden.

Peptide erwiesen sich als wirksam gegen alle getesteten Keime
Die gefundenen Peptide wurden künstlich repliziert und dann gegen eine Vielzahl von Keimen getestet, erläutern die Autoren. Einige dieser Keime stellen für Menschen eine große Gefahr dar. Die Peptide erwiesen sich als wirksam gegen alle getesteten Keime. Unter den getesteten Keimen war auch Staphylococcus aureus. Dieses Bakterium wurde bei etwa 30 Prozent aller Menschen im der Nase und dem Mund gefunden. Normalerweise ist es harmlos. Die Bakterien können aber durchaus tödlich sein, wenn sie in den Blutkreislauf gelangen, erklären die Experten.

Sogenannte Supererreger könnten im Jahr 2050 etwa zehn Millionen Menschen jährlich töten
Eine weitere getestete Bakterienart war Enterococcus. Einige Stämme dieser Bakterie sind bereits resistent gegen Vancomycin. Dieses Medikament gilt als eines der stärksten Antibiotika im derzeitigen Arsenal der Mediziner. Eine 18-monatige Überprüfung von antimikrobiellen Resistenzen ergab bereits vor einem Jahr, dass resistente Supererreger im Jahr 2050 etwa zehn Millionen Menschen jährlich töten könnten. Damit würden die Erreger mehr Todesopfer fordern als Krebs es tut, sagen die Mediziner.

Rettet der Tasmanische Teufel eines Tages Millionen Menschenleben?
Es ist wirklich bemerkenswert, dass dieses Beuteltier eines Tages Millionen von Menschenleben retten könnte, obwohl es zur Zeit selber am Rande des Aussterbens lebt, berichten die Forscher. In nur zehn Jahren haben etwa 80 Prozent der Tasmanischen Teufel einen bösartigen Gesichtskrebs entwickelt, mit einer fast 100-prozentigen Sterblichkeitsrate, erklären die Wissenschaftler. Zum Glück verfügen einige Tiere heute über einen Widerstand gegen den Krebs und es scheint, dass die Tasmanischen Teufel aus diesem Grund überleben werden. (as)