Antidepressivum: Generikum anders als Original

Fabian Peters

Antidepressivum: Generikum wirkt laut einer Untersuchung anders als ein Original-Präparat

11.12.2012

Eine Studie offenbart bei einem Antidepressivum Wirkungsunterschiede zwischen dem original Medikament und einem Generikum. Das Generikum Budeprion XL wirke in der 300 Milligramm Dosierung therapeutisch nicht äquivalent zu dem Originalpräparat Wellbutrin XL 300 Milligramm, berichtet das Fachmagazin „The New England Journal of Medicine“ unter Berufung auf eine aktuelle Untersuchung der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration). Die Studienergebnisse werfen die Frage auf, wie die Wirkung von Generika künftig ermittelt werden sollte.

Antidepressiva auf Basis des Wirkstoffs Bupropion Hydrochlorid werden als Original unter dem Namen Wellbutrin angeboten, können in den USA jedoch auch als Generika unter dem Namen Budeprion erworben werden. Das Generikum ist deutlich günstiger und sollte eigentlich die gleiche Wirkung entfalten, wie das Original. Die FDA hat in einer Bioäquivalenzstudie von Einzeldosen der unterschiedlichen Präparate nun jedoch erhebliche Wirkungsunterschiede festgestellt. Dieses aufsehenerregenden Studienergebnis stellt die bisherige Praxis bei der Zulassung von Generika grundsätzlich in Frage.

Generikum mit erheblichen Nebenwirkungen
Bereits im ersten Jahr nach der Zulassung des Generikums hatten die Nebenwirkungen bei zahlreichen Patienten, die von dem Originalmedikament auf Budeprion XL 300 mg gewechselt waren, die Aufmerksamkeit der Behörden und Medien geweckt. Daraufhin wurde das Genehmigungsverfahren erneut unter die Lupe genommen. Wie auch bei anderen Generika üblich, wurde nicht die 300 Milligramm Dosis explizit für die Zulassung geprüft, sondern die Zulassungsstelle orientierte sich an den Ergebnissen einer Bioäquivalenz-Studie für Budeprion XL 150 mg und Wellbutrin XL 150 mg, welche anschließend für die 300-Milligramm Produkte extrapoliert wurden. Die neue Untersuchung der FDA ermöglicht nun eine „direkte vergleichende pharmakokinetische Analysen der 300-mg-Produkte“, berichtet das „New England Journal of Medicine“.

Generikum und Originalmedikament nicht therapeutisch äquivalent
Bei der aktuellen Bioäquivalenzstudie stellte die FDA deutliche Unterschiede zwischen den Einzeldosen des Generikums Budeprion XL 300 mg (hergestellt von Impax Laboratories; vertrieben von Teva Pharmaceuticals) und den Einzeldosen des Originalmedikamentes Wellbutrin XL 300 mg (Hersteller Biovail) fest. Das Generikum könne demnach nicht als therapeutisch äquivalent zu dem Markenprodukt gewertet werden. So habe beispielsweise die Aufnahmerate des Generikums lediglich 77 bis 96 Prozent der Aufnahmerate des Originalpräparates erreicht. Die durchschnittliche Plasmakonzentration erreichte nur 75 Prozent der Konzentration bei dem Originalmedikament, berichtet die FDA. Über den Metabolisierungszeitraum hätten die Werte sogar nur 40 Prozent jener des Originalpräparats erreicht. Außerdem war die Dauer bis zum Erreichen der maximalen Wirkstoffkonzentration im Blut unterschiedlich. Insgesamt kommt die FDA zu dem Ergebnis, dass die bisherige Vorgehensweise bei der Zulassung von Generika dringend angepasst werden muss, um vergleichbare Fehleinschätzung wie bei Budeprion XL 300 mg künftig zu vermeiden. Auch bei den übrigen Herstellern von Generika-Produkten mit dem Wirkstoff Bupropion Hydrochlorid seien nun zusätzliche Bioäquivalenzstudien angefordert worden, ergänzten die Experten des Zentrums für Arzneimittelbewertung und -forschung (engl.: Center for Drug Evaluation and Research).

Erleichterte Zulassungsbestimmungen für Generika
Generika bieten ein enormes Potenzial zur Kostenreduktion im Gesundheitswesen. Bei älteren Medikamenten, deren Patentschutz ausgelaufen ist, lässt sich durch die Generika eine deutlich kostengünstigere Versorgung der Patienten erreichen. Um die Einführung von entsprechenden Generika zu erleichtern, unterliegen diese in den USA und in Europa erleichterten Zulassungsbestimmungen, bei denen keine erneuten klinischen Prüfungen erforderlich werden, sondern lediglich die Bioäquivalenz belegt werden muss. Dies bedeutet, die Generika müssen zum Beispiel eine dem Originalprodukt entsprechende Wirkstoffaufnahme und Wirkstoffkonzentration im Blut über einen gewissen Zeitraum hinweg erreichen. Dabei sind in der Regel nicht für alle Dosierungen einzelne Nachweise erforderlich, sondern die Ergebnisse werden von den Bioäquivalenz-Studien mit niedrigen Dosierung für höhere Dosen hochgerechnet. Dieses Verfahren hat jedoch erhebliche Schwächen, wie die aktuelle FDA-Studie belegt. Hier scheint eine Anpassung der Zulassungsbestimmungen dringend erforderlich. Dies gilt auch für den europäischen Arzneimittelmarkt, obwohl in der EU Antidepressiva auf Basis des Wirkstoffs Bupropion Hydrochlorid derzeit ohnehin nur als Originalmedikamente verfügbar sind. Eingesetzt werden die Präparate vor allem zur Behandlung von Depressionen, aber auch zu Raucherentwöhnung. (fp)

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Bild: Eva-Maria Roßmann / pixelio.de