Antipasti mit Listerien-Bakterien verseucht

Sebastian

Rückrufaktion: Antipasti mit Listerien-Bakterien verseucht

26.09.2011

Ein Vertriebshändler aus Süddeutschland ruft sogenannte Antipasti-Vorspeisen aus dem deutschen Handel zurück. In einer Probe von gefüllten Paprika und Peperoni wurden Listerien-Bakterien labortechnisch nachgewiesen. Die Erreger verursachen beim Menschen Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit. In schlimmen Fällen kann auch eine schwere Listeriose ausgelöst werden. Betroffen von der Rückrufaktion sind neben kleineren Geschäften die Supermärkte Kaufland und Edeka. Bereits gekauft Waren sollte gegen Erstattung des Kaufpreises zurück gebracht werden. Vor einem Verzehr wird ausdrücklich gewarnt.

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Schon wieder wurden Listerien Bakterien in Lebensmitteln festgestellt. Dieses mal sind Produkte des Herstellers Momeni mit Sitz im Landkreis Tübingen betroffen. Der Produzent stellt unter anderem Antipasti-Waren mit Käsefüllung her. Das sind kleine italienische Vorspeiseteller, die auch hierzulande sich einer immer größeren Beliebtheit erfreuen. Von dem Rückruf durch den Hersteller sind insgesamt drei Antipasti-Produkte aus dem Sortiment von Momeni betroffen. Es handelt sich dabei um kleine Paprika-Stücke (Minipaprika) sowie rote und grüne Peperoni, die allesamt mit Frischkäse gefüllt sind. Bei einer Prüfung wurden in einer Probe die gesundheitsgefährdenden Listerien Erreger gefunden, wie der Geschäftführer des Unternehmens „Alireza Momeni“ bestätigte. Das Bakterium stammt aus der Gattung der Listeria monocytogenes und verursache auch bei gesunden Erwachsenen Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Zwar sei nur eine Probe bei der internen Prüfung aufgefallen, allerdings wolle man im Sinne des Verbraucherschutzes alle Waren der Chargen zwischen 2. und 19. September 2011 aus dem Handel zurückholen.

Gesundheitsbehörden sind alarmiert
Die Veterinärbehörde sowie alle Zwischenhändler wurden bereits durch die Firma informiert. Die Öffentlichkeit habe man eingeschaltet, um die Kunden vor dem Verzehr zu warnen. "Wir fühlen uns für die Sicherheit unserer Kunden verantwortlich", sagte Momeni. Der Feinkost-Händler liefert seine Waren an zahlreiche kleine Lebensmittelgeschäfte, Fleischereien, die vor allem in Süddeutschland angesiedelt sind. Nach Informationen einiger Medien sind aber auch die Bundesländer Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Sachsen und Berlin betroffen. Auch größere Supermarktketten wie Edeka und Kaufland verkaufen die betroffenen Artikel und sind bereits gewarnt.

Umstände noch ungeklärt
Der Hersteller wisse nach eigenen Angaben noch nicht, wie die bakterielle Verunreinigung passieren konnte. Das Unternehme erhalte den Frischkäse für die betroffenen Produkte ausschließlich von deutschen Großhändlern. Seit Gründung der Firma vor 24 Jahren habe es noch nie eine solche Kontaminierung gegeben. Um eine unabhängige Qualitätssicherung zu gewährleisten, werden die Lebensmittel kontinuierlich durch ein externes Labor untersucht, um sicher zustellen, dass die Ware die hygienischen Standards einhalten. Eben bei jener Kontrolle wurde das Listerien Bakterium festgestellt, wie der Geschäftsführer berichtete. Nun müsse abgewartet werden, was weitere Laboruntersuchungen und Prüfungen der Gesundheitsbehörden ergeben. Hierfür werden die Produkte zurückverfolgt. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurden derzeit alle Auslieferungen gestoppt. "Bis wir nicht sicher wissen, was die Ursache ist, liefern wir die drei betroffenen Produkte nicht aus."

Die Supermarktketten haben bereits reagiert. Gegenüber unserer Redaktion sagte eine Sprecherin, dass die betroffenen Artikel bereits umgehend aus den Regalen entnommen wurden. „Sobald eine solche Warnung herausgegeben wird, werden die Waren aus dem Verkaufshandel entfernt“. Kunden, die bereits die benannten Vorspeisen-Artikel gekauft haben, sollen diese in keinem Fall essen sondern dorthin zurückbringen, wo diese erworben wurden. Auch ohne Vorlage des Kassenbons werde der Kaufpreis umgehend zurückerstattet. Der Produzent der Antipasti rief die Geschäfte und Supermärkte auf, noch vorhandene Ware umgehend zu vernichten. Denn die Bakterien können auch Wochen nach dem Essen der kontaminierten Artikel Auslöser einer schweren Infektionskrankheit sein.

Bakterien können Listeriose auslösen
Jedes Jahr werden hunderte von Listerien Verseuchungen dem Bundesinstitut für Risikobewertung gemeldet. Meist sind Frischwaren wie Käse (insbesondere Rohmilchkäse), Fisch oder Fleisch bakteriell kontaminiert. Nach Angaben des staatlichen Instituts sind die gemeldeten Erkrankungsfälle in Deutschland in den letzten Jahren leicht gestiegen.

Lebensmittelwaren die mit Listerien verseucht sind, können weder am Geschmack, Geruch, Aussehen oder mit bloßem Auge erkannt werden. Nur ein Lebensmitteltest im Labor kann darüber Aufschluss geben, ob der Käse oder das Fleisch verseucht ist. Über ein hohes Erkrankungsrisiko verfügen Menschen, die nur eine geschwächte Immunabwehr aufweisen. Demnach sind Schwangere, Kleinkinder, chronisch Kranke und ältere Menschen besonders gefährdet. Bei Schwangeren können Fehl-, Früh- oder auch Totgeburten ausgelöst werden. Zudem haben Schwangere ein etwa 12-fach höheres Risiko, an einer Listeriose zu erkranken. Gesunde Erwachsene verspüren vielmals kaum etwas von einer Infektion. Dennoch besteht auch hier eine Gesundheitsgefahr.

Der Verlauf einer Listeriose ist ähnlich den Symptomen einer saisonalen Grippe. Patienten beklagen zunächst Durchfall und Bauchschmerzen. Im weiteren Krankheitsverlauf können sich Fieber, Kopfschmerzen, Lähmungserscheinungen, Schwindel und Benommenheit dazugesellen. In einigen Fällen endet der Verlauf der Krankheit sogar tödlich.

Ein schwieriges Unterfangen ist die Diagnose von Listeriose. Zwischen der Infektion und dem Ausbruch können bis zu acht Wochen vergehen. Kaum ein Patient kann sich dann noch erinnern, welches Lebensmittel er vor zwei Monaten gegessen hat. Allerdings kann eine bakteriologische Untersuchung die ärztliche Diagnostik sichern. Als erstes Mittel der Wahl werden antibiotische Medikamente verabreicht, die in aller Regel die Krankheit zum ausklingen bringen. Bei ersten Anzeichen einer Infektion sollten Verbraucher unbedingt einen Arzt aufsuchen. (sb)