Antiraucher-Medikamente zeigen offenbar Wirkung

Fabian Peters

Antiraucher-Medikamente reduzieren wirksam das Verlangen nach Rauchen: US-Forscher bestätigen Wirkung von Bupropion und Vareniclin

05.01.2011

„Endlich Schluss mit dem Rauchen!“ – so auch in diesem Jahr der gute Vorsatz zahlreicher Bundesbürger. Doch wie jedes Jahr werden 2011 viele dem Griff zur Zigarette nicht widerstehen können. Der Grund: Schlüsselreize, die ein starkes Verlangen nach den gewohnten Glimmstängeln auslösen. Hier können Antiraucher-Medikamente offenbar Abhilfe schaffen, wie US-Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Archives of General Psychiatry“ berichten.

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Der Blick auf eine Zigarette, die Gesellschaft anderer Raucher, die Gewohnheit nach dem Essen oder andere bestimmte Gefühle und Situationen sind Schlüsselreize, die das sogenannte Craving – das starke Verlangen nach einer Zigarette – auslösen können. US-Forscher haben dieses Verlangen jetzt mit Hilfe von Magnetresonanztomographen sichtbar gemacht und dabei die Wirkung von Antiraucher-Medikamenten auf die Hirnaktivitäten untersucht.

Christopher Culbertson von der Universität von Kalifornien hat im Rahmen seiner Studie 30 Rauchern kurze Videoclips vorgeführt, die ihnen entsprechende Schlüsselreize setzten. Dabei hat Culbertson zeitgleich die Hirnaktivität der Raucher mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht. Nach dem Setzen der Schlüsselreizen wurde in mehreren Hirnregionen der Studienteilnehmer eine deutliche erhöhte Aktivität sichtbar. Sowohl im präfrontale Cortex (Aufmerksamkeit), der Amygdala (Emotion) und der Area tegmentalis ventralis (Belohnungssystem) als auch im Striatum (Motivation), war eine gesteigerte Hirnaktivität zu verzeichnen, erklärten Christopher Culbertson und Kollegen.

Antidepressivum Bupropion hilft offenbar auch bei Nikotin-Sucht
Um die Wirkung des Antiraucher-Medikaments Bupropion zu beurteilen, führte Christopher Culbertson die MRT-Untersuchung jeweils vor und nach dem Ende einer achtwöchigen Behandlung mit Bupropion (15 Teilnehmer) oder einem Placebo (15 Teilnehmer) durch. Dabei haben die MRT-Bilder gezeigt, das der Wirkstoff tatsächlich das Aufflammen des Cravings an verschiedenen Stellen des Gehirns hemmt, berichtet der US-Forscher im Rahmen seiner aktuellen Veröffentlichung. Diese verminderte Aktivität in den verschiedenen Hirnregionen habe auch mit dem verminderten Verlangen übereingestimmt, das die Probanden in zusätzlich auszufüllenden Fragebögen angaben, so Culbertson weiter.

Das ursprünglich als Antidepressivum entwickelte Bupropion gelte schon seit längerem als wirksames Hilfsmittel auf dem Weg zum Nichtraucher. Seine Wirkung sei dabei eher zufällig entdeckt worden, als Patienten, die Bupropion einnahmen, leichter von der Zigarette loskamen. Wieso das so ist, verdeutlichen nun ihre Untersuchungen, erklärte Christopher Culbertson. Offenbar hemmt Bupropion die Aktivität in den entscheidenden Hirnregionen, so dass die Raucher bei entsprechenden Schlüsselreizen ein weniger ausgeprägtes Verlangen nach einer Zigarette empfinden, so die Aussage des Experten.

Auch das Antiraucher-Medikament Vareniclin zeigt Wirkung
Im Rahmen einer weiteren Studie hat das Wissenschaftlerteam um Teresa Franklin von der University of Pennsylvania in Philadelphia, das bereits als Antiraucher-Medikament zugelassene Präparat Vareniclin untersucht. Die Methodik der ebenfalls im Fachmagazin „Archives of General Psychiatry“ veröffentlichten Studie ähnelt dabei stark den oben dargestellten Untersuchungen von Christopher Culbertson. Teresa Franklin und Kollegen hatten 22 Raucher vor und nach einer dreiwöchigen Suchtbekämpfung mit Vareniclin oder Placebo ebenfalls etwa 10 minütige Videosequenzen mit Schlüsselreizen (z. B. rauchende Personen) gezeigt, während die Studienteilnehmer in einem MRT lagen. Auch hier habe vor der Therapie der Teil des Gehirns, der mit Sucht in Verbindung steht, deutlich erhöhte Aktivitäten gezeigt, wie Teresa Franklin berichtet. Nach der dreiwöchigen Behandlung mit dem Antiraucher-Medikament sei die Aktivität in den entsprechenden Hirnregionen weit geringer gewesen, so die Expertin weiter. Vareniclin soll nach Angaben des Herstellers Entzugssymptome lindern und den Effekt des Rauchens minimieren, indem es den Nikotin-Kick hemmt.Das in der verminderten Aktivierung der verschiedenen Hirnzentren zu erkennende und auch von den Rauchern selbst beobachtete verminderte Craving bei den Untersuchungen von Teresa Franklin, scheint die Aussagen der Hersteller eindeutig zu bestätigen.

Kritik an der Bekämpfung von Tabaksucht mit Medikamenten
Kritiker sehen in der gestiegene Verabreichung von Medikamenten zur Bekämpfung der Nikotin-Sucht jedoch eher einen Fluchtweg als eine Lösung des Problems. Denn anstatt sich selber der Verantwortung zu stellen und ihr Verhalten grundlegend zu ändern, würden die Raucher ihre Zigarettensucht nur durch andere Wirkstoffe substituieren. Diese könne zwar das gesundheitliche Risiko erheblich reduzieren, doch die grundlegenden Ursachen des Suchtverhaltens würden damit nicht aus der Welt geschafft. Hier sei die Eigenverantwortung der Patienten gegebenenfalls mit psychotherapeutischer Unterstützung gefragt, anstatt die Raucher mit Pillen zu versorgen, so der Vorwurf von Seiten vieler kritischer Ärzte. (fp)