AOK: Deutliche Behandlungsunterschiede in Kliniken

Fabian Peters

Krankenhaus-Report 2011

Krankenhaus-Report 2011: Starke Unterschiede in der Behandlungsqualität bei Deutschlands Kliniken

10.12.2010

Das wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat den Krankenhaus-Report 2011 veröffentlicht, aus dem hervorgeht, das erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen deutschen Kliniken bestehen. In vielen Krankenhäusern ist demnach das Komplikationsrisiko nach einer Operation deutlich erhöht – auch bei medizinischen Routine-Eingriffen.

Mehr zum Thema:

Komplikationen treten auch bei Routine-Eingriffen auf
Das WIdO kommt in dem Krankenhaus-Report 2011 zu dem Ergebnis, dass in jeder zehnten Klinik beim Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks 80 Prozent mehr Komplikationen auftreten, als statistisch zu erwarten wären, erklärte der Geschäftsführer des Instituts, Jürgen Klauber, bei Vorstellung des Berichts. Die Experten des WIdO hatte für den aktuellen Bericht unter anderem untersucht, wie oft es zu Komplikationen bei Routine-Eingriffen (z. B. Einsetzen eines Hüftgelenks) in den verschiedenen Kliniken kommt. Die besten zehn Prozent der Kliniken haben im Rahmen der Untersuchung des WIdO die statistisch erwarteten Komplikationsfälle um 44 Prozent unterschritten, so der Instituts-Geschäftsführer. Der Vergleich zwischen den Komplikationen, die nach einem Routine-Eingriff in den verschiedenen Krankenhäusern innerhalb eines Jahres auftraten, habe außerdem ergeben, dass zahlreiche Operationen aufgrund unerwarteter Probleme ein zweites Mal durchgeführt werden mussten.

Viele Hüftoperationen mussten wiederholt werden
Das WIdO hat im Rahmen des Krankenhaus-Report 2011 zum Beispiel die Komplikationen nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks (aufgrund von Gelenkverschleiß) zwischen 2006 und 2008 genauer untersucht. Mit dem Ergebnis, dass in jeder zweiten Klinik mehr als vier Prozent der Hüftoperationen innerhalb eines Jahres wiederholt werden mussten. Die 25 Prozent der Kliniken mit den meisten Komplikationen, mussten sogar in mehr als 5,9 Prozent der Fälle eine neue Operation ansetzen. Bei Einberechnung aller anderen medizinischen Komplikationen wie zum Beispiel Brüchen, Thrombosen und Lungenembolien, sind in der Hälfte der Krankenhäuser bei mehr als 12 Prozent der Patienten Komplikationen nach einer Operation aufgetreten, erklärte Jürgen Klauber unter Bezug auf den Krankenhaus-Report. Um Verzerrungen durch individuelle Komplikationsrisiken der Patienten zu vermeiden, wurde die unterschiedliche Verteilung von Älteren und Menschen mit Vorerkrankungen bei Erstellung des Berichts vom WIdO berücksichtigt.

Patienten sollten sich über die Klinikqualität informieren
Angesicht der stark variierenden Behandlungsqualität in den verschiedenen Kliniken, erklärte Jürgen Klauber: „Die Unterschiede können vielfältige Ursachen haben“, zum Beispiel seien die Abläufe in den Krankenhäusern unterschiedlich stark professionalisiert. Für die Patienten sei es daher umso wichtiger, eine verlässliche Auskunft über die Qualität des jeweiligen Krankenhauses zu haben. „Patienten, die einen Krankenhausaufenthalt planen, brauchen nicht nur Informationen über den Service eines Hauses, sondern vor allem eine zuverlässige Auskunft über die Qualität der Behandlung“, betonte Jürgen Klauber. Der Instituts-Geschäftsführer verwies dabei auch auf das Bewertungsportal für Krankenhäuser im Internet, der im Bereich der Hüft- und Knie-Eingriffe sowie bei Operationen wegen eines Oberschenkelhalsbruches, den Patienten verlässliche Informationen zur Klinikqualität gibt. Zum Bedauern des Experten gibt es trotz jahrelanger Qualitätsmessungen in Deutschland bislang keine offizielle Liste, die für jeden einsehbar ist und die zeigt, welche Kliniken in welchen Bereichen wie gut sind. Daher sollten sich die Patienten von ihrem Arzt bei der Suche nach einer guten Klinik helfen lassen, rät der Experte. Zudem sollten die Krankenkassen seiner Ansicht nach mehr Möglichkeiten bekommen, mit den Krankenhäusern spezielle Verträge abzuschließen, um es den Versicherten zu ermöglichen, verstärkt gute Kliniken anzusteuern.

Zusammenhang von Qualität und Wettbewerb
Der jährlich von Max Geraedts von der Universität Witten-Herdecke und Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen gemeinsam mit dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) herausgegeben Krankenhaus-Report, bewertet in erster Linie die Qualität der deutschen Kliniken. Dabei widmet sich der Krankenhaus-Report 2011 umfassend dem Zusammenhang von Qualität und Wettbewerb, dem Stand der stationären Qualitätssicherung in Deutschland, der Bedeutung von Qualität als Marktfaktor der Krankenhäuser sowie der Nutzung von Qualitätsinformationen durch die Patienten bei der Auswahl einer Klinik. Auch versucht der Report Konzepte darzustellen, mit denen die Qualität entweder im bestehenden Kollektivvertragssystem oder über einzelvertragliche Möglichkeiten der Krankenkassen verbessert werden kann. (fp)