AOK plus: Schulnoten für Ärzte

Sebastian

AOK plus: Schulnoten für Ärzte: Ab Janaur 2011 können Patienten ihre Ärzte bewerten.

(08.09.2010) Die Allgemeine Ortskrankenkasse AOK plus startet ein neues Bewertungsportal für Fach- und Hausärzte. Auf diesem Portal können Versicherte der AOK den letzten Arztbesuch bewerten. Damit will die AOK den Versicherten die Wahl des Hausarztes bzw. Facharztes erleichtern. AOK-Mitglieder können Schulnoten für die Wartezeit, die Behandlung durch den Arzt, Terminvergabe, Zustand der Arztpraxis und die Arbeit der Arzthelfer/innen bewerten. Die Kassenärtzliche Vereinigung und die Unabhängige Patientenberatung begrüßen die Bewertungsaktion, allerdings geben beide Verbände zu bedenken, dass die Bewertungen nach subjektiven Maßstäben durch die Patienten erfolgt.

Die AOK plus, die aus den AOK Kassen Thüringen und Sachsen gebildet wurde, will ein neues Ärzte-Bewertungsportal im Internet anbieten. Patienten können ab Januar 2011 ihren letzten Hausarzt-Besuch oder die Konsultation eines Facharztes bewerten. Versicherte können bei der Bewertung sogenannte Schulnoten vergeben. Dabei werden anhand eines Fragenkatalogs Zensuren vergeben. So können AOK-Mitglieder die Praxis-Einrichtung, Wartezeiten, Terminvergabe, Behandlungsqualität des Arztes sowie die Kompetenz der Arzthelfer/innen bewerten. Die Krankenkasse will damit erreichen, Patienten einen besseren Überblick zu verschaffen und die Arztwahl künftig zu erleichtern. Andere Versicherte können die bereits getätigten Bewertungen vergleichen und haben somit eine bessere Orientierungshilfe.

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Bereits zu Beginn des Jahres hatten weitere AOK Krankenkassen ein ähnliches Pilotprojekt gestartet. So gibt es ähnliche Arzt-Bewertungsportale für AOK-Versicherte in Hamburg, Berlin und Thüringen. Auch ein sog. Krankenhaus-Navigator soll helfen, die passende Klinik zu finden. Doch die Resonanz war nicht so ausgefallen, wie es sich die AOK erhofft hatte. Die Annahme des Angebots blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Dennoch plant die AOK die Online- Bewertungsaktion von Ärzten bundesweit zu erweitern. Wann ein solches Bundesweites Ärzte-Bewertungsportal startet, ist bislang noch unbekannt. Zu Beginn des Jahres hatte man angekündigt, bereits im Herbst diesen Jahres ein solches Projekt zu starten. Anscheinend hindert die schwachse Resonanz der Patienten eine Ausweitung des Angebots. Allerdings können nur Versicherte der AOK das Bewertungs-Angebot wahrnehmen. Ob auch andere Krankenkassen ein solches Angebot planen, ist bislang unbekannt.

Die Unabhängige Patientenberatung und die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen begrüßten unterdessen die Online-Bewertung von Ärzten und unterstützen auch diese Aktion. Neben den positiven Aspekten werden allerdings auch negative gesehen. So ist nicht ausgeschlossen, dass Versicherte die Bewertungen der Ärzte nach rein subjektiven Maßstäben vornehmen. So sagte die Ulrike Dzengel von der Unabhängigen Patientenberatung: "Es kann hier keine gesicherten Aussagen geben". Denn solche Bewertungen sind sehr subjektiv und damit leider zu ungenau. Nur aufgrund der eigenen Erfahrungen habe jede Bewertung auch einen subjektiven Blickwinkel, wie es weiter hieß. Zudem hätten viele Patienten vor allem auf dem Land keine große Auswahlmöglichkeiten an Ärzten. Dennoch könne ein solches Portal dazu beitragen, die Arbeit der Ärzte transparenter zu gestalten.

Ebenfalls begrüßte die Kassenärztliche Vereinigung in Leipzig ein solches Portal. Hier sehe man allerdings die Gefahr, dass vor allem unzufriedene Patienten eher eine Bewertung vornehmen. Auch sei ein Schulnotensystem nicht besonders geeignet. So sagte der Vorstandvorsitzende der sächsischen Kassenärztlichen Vereinigung, Klaus Heckemann, vor allem unzufriedenen Patienten nehmen ein solches Angebot wahr. Das könne zu einer verzehrten Bewertung von Ärzten führen. Auch ein weiteres Problem könne auftauchen, zum Beispiel könnten Ärzte mit den besten Bewertungen einen Massenandrang erleben, der im Alltag kaum mehr zu bewältigen ist.

Nach Angaben der AOK Plus sind insgesamt zwei Millionen AOK plus Versicherte in Sachsen dazu aufgerufen, sich zu beteiligen. Zu hoffen bleibt, dass auch eine große Anzahl von Patienten mit macht. Im Internet gibt es zahlreiche bekannte Bewertungsportale, bei denen beispielsweise Urlaubsreisen bewertet werden können. Diese Portale erleben eine große Beliebtheit und haben teilweise zu einer Verbesserung des Service einzelner Anbieter geführt. Ähnlich könnte es auch bei einem Arzt-Bewertungsportal sein. Durch die Vergabe von Schulnoten könnte die Arbeit der Ärzte effektiv verbessert werden. Denn auch schlechte Benotungen können durch gute Bewertungen wieder verbessert werden. Somit könnten auch Ärzte dazu angehalten werden, ihre Arbeit deutlich zu verbessern. So weit soll es nach Angaben der AOK allerdings nicht gehen. Man widerspreche der Ansicht, bei einem solchen Bewertungsportal ginge es um ein „Mediziner-TÜV“. Es soll lediglich dazu dienen, Patienten die Arztsuche zu erleichtern. Doch die genannten Punkten dürften dennoch eine Rolle spielen.

Die Versicherten können in dem Bewertungsportal einzelne Kriterien bewerten. Dabei werden Schulnoten vergeben. Zu bewerten sind u.a. wie lange dauerte es, bis man einen Termin bekam, wie war die Ausstattung und der allgemeine Zustand der Praxis, wie viel Zeit hat sich er Arzt für den Patienten genommen und wie war die Patientenberatung insgesamt. Zudem soll auch die Arbeit und die Kompetenz der Praxis-Angestellten bewertbar sein. Und schlussendlich soll auch die Wartezeit benotet werden können. Die Versicherten haben dabei die Möglichkeit Zensuren zwischen Eins (Bestnote) und Sechs (Völlig Unzureichend) zu vergeben.

Es bleibt abzuwarten, wie ein solches Benotungs-Portal von den Versicherten angenommen wird und wie Ärzte darauf reagieren. Wir werden deshalb weiter berichten. (sb)