AOK-Studie: Beitragssteigerungen von 2700 Euro

Sebastian

PKV-Beiträge sollen laut einer Studie der AOK stark ansteigen: Privatversicherer weisen Ergebnisse zurück

04.05.2012

Seit einigen Wochen ist ein erbitterter Streit zwischen den Privaten Krankenversichern und den gesetzlichen Krankenkassen ausgebrochen. Die Kritik gegenüber der PKV wächst. Befeuert wird die Debatte durch eine aktuelle Studie des Bundesverbandes Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK). Der Kassenverband hatte die Unternehmensberatung McKinsey beauftragt, die Altersrückstellungen der Privatkassen (PKV) zu analysieren. Die Ergebnisse zeigten, dass diese anscheinend ungenügend sind und heftige Tariferhöhungen bei den Vollversicherungen folgen könnten. Doch die PKV sieht sich selbst so stark wie nie. Schließlich sei das Neukundengeschäft im vergangenen Jahr sehr erfolgreich gewesen.

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Deckungslücke bei der PKV
Laut der AOK-Studie besteht künftig in der PKV eine nicht zu unterschätzende Deckungslücke zwischen den Einnahmen und Ausgaben. Bei der Analyse wurden der zu erwartende demografische Wandel, die Preisentwicklung bei den Arzneimittelherstellern und die Kostensteigerungen im Medizinischen Sektor (Kliniken, Praxisärzte) miteinbezogen. Laut der Berechnungen ist von einem Unterdeckungsbetrag von rund 24 Milliarden Euro auszugehen. Hinzukommend werden kaum noch adäquate Zinserträge auf den Finanzmärkten erreicht, so dass aus Sicht der Studie hier mit erheblichen Mindereinnahmen zu rechnen sei. Als einziger Ausweg könnten nur noch Anpassungen der Prämien helfen, um die Altersrückstellungen Privatversicherter retten.

Pro Jahr 2700 Euro Preissteigerungen pro Vollversicherten
Damit die PKV überleben kann, hat das beauftragte Institut eine Prämiensteigerung von rund 2700 Euro pro Jahr und Vollversicherten errechnet. Die Studie bezieht sich dabei auf einen Zeitverlauf von 40 Jahren. Im Zuge dessen äußern die gesetzlichen Krankenkassen heftige Kritik gegenüber der PKV. Derlei Finanzprobleme sollen nicht „am Ende der Solidargemeinschaft der gesetzlichen Versicherten aufgebürdet werden.“ Diese Entwickelung solle daher umgehend von Seiten der Politik gestoppt werden.

PKV sieht sich im Aufwind
Der Bundesverband der Privaten Krankenversicherungen widerspricht den Angaben der Studie. Dr. Volker Leienbach, Vorsitzender des Bundesverbandes der PKV berichtet, im vergangenen Jahr hätten rund 75.100 Menschen von den gesetzlichen Krankenkassen in die PKV eine Wechsel vollzogen. Somit sei die Zahl der Privatversicherten auf 8,89 Millionen Menschen in Deutschland gestiegen. Insgesamt verzeichne die Branche einen Zuwachs von rund 90.000 Neukunden in Vollversicherung. Zudem, so der PKV Chef, würden anders als bei der GKV, die Versicherten „freiwillig wechseln“.

Gesundheitsreformen erleichterten Wechselbedingungen
Möglich wurden die Hinzugewinne allerdings erst durch die Gesundheitsreformen der schwarz-gelben Koalition. Arbeitnehmern wurde der Wechsel erheblich erleichtert. Statt der Drei-Jahreswartepflicht bei Überschreiten der Pflichtgrenze, müssen Arbeitnehmer nur noch einmal im laufenden Jahr den Betrag mit ihrem Einkommen erreichen. Kritiker behaupten, die Bundesregierung habe die Wechselbedingungen vereinfacht, um den Privatkassen den Rücken in der Krise zu stärken.

Beitragsanstieg um durchschnittlich zwei Prozent
Der PKW-Vorsitzende wies noch einmal daraufhin, dass die PKV- Tarife in Schnitt nur um 2,0 Prozent aktuell gestiegen sind. Das hätten unabhängige Branchendienste ermittelt. Einzelfälle seien hingegen Tarife, die zwischen 20 und 60 Prozent höhere Prämienzahlungen verlangten. Zudem würden die steigenden Gesundheitskosten nicht nur die PKV treffen, sondern „beide Versicherungssysteme gleichermaßen, wobei die PKV mit ihren kapitalgedeckten Alterungsrückstellungen weitaus besser vorbereitet“ sei. Leienbach berichtet, dass die Kapitaldeckung derzeit eine Höhe von 150 Milliarden Euro einnähmen. Besonders für die Pflege seien die Finanzreserven wichtig. (sb)