AOK-Studie: Pillen-Mix mit riskanter Wirkung

Fabian Peters

AOK-Studie zeigt gefährlichen Medikamenten-Mix bei zahlreichen Patienten

28.01.2013

Einer aktuellen Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zufolge nehmen viele Patienten regelmäßig einen Mix aus Tabletten und anderen Arzneien ein, bei dem erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen aufgrund der Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten drohen. Wie die „Rheinische Post“ in ihrer Montagausgabe unter Bezug auf die Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK berichtet, birgt jede sechste Arzneimittelverordnung das Risiko von gefährlichen Wechselwirkungen mit einem anderen Medikament.

Durch die Einnahme des Pillen-Mixes gehen die Patienten unwissentlich ein erhebliches Gesundheitsrisiko ein, so das Ergebnis des WIdO. Verstärkt gefährdet seien ältere Menschen mit mehreren Erkrankungen – insbesondere Pflegeheim-Bewohner. Ihnen würden teilweise Dosierungen und Kombinationen verschrieben, die unter den Tatbestand der Körperverletzung fallen, so die „Rheinische Post“. Drei von tausend Patienten erhielten einen Pillen-Mix, der tödlich wirken kann und in 3,5 Prozent der Fälle wurden Kombinationen verordnet, die „schwerwiegende gesundheitliche“ Folgen haben können, berichtet das Blatt. Hier sehen die Experten des WIdO auch die Ärzte in der Pflicht, um in Zukunft gesundheitliche Beeinträchtigung der Patienten durch riskante Wechselwirkungen der verschriebenen Medikamente zu vermeiden. Ärzte sollten sich besser darüber informieren, welche möglicherweise auch rezeptfreien Medikamente ihre Patienten noch einnehmen, um unnötige Risiken zu vermeiden.

Verschreibung riskanter Medikamentenkombinationen
Das Wissenschaftliche Institut der AOK hatte im Rahmen der aktuellen Studie die Arzneimittelverordnungen aus dem ersten Quartal des Jahres 2012 der 24 Millionen AOK-Versicherten bundesweit untersucht. Insgesamt wurden rund 65 Millionen verordneten Verpackungen in der Untersuchung berücksichtigt. Auf diese Weise konnten die WIdO-Experten eine Vielzahl riskanter Medikamentenkombinationen identifizieren, die den Versicherten regelmäßig verordnet werden. Nun solle in Zusammenarbeit mit den Ärzte diesem schwerwiegenden Gesundheitsrisiko begegnet werden. Denn nicht selten sei der Pillen-Mix Ursache für eine Krankenhausaufnahme anstatt zur Gesundung der Patienten beizutragen.

Medikamenten-Verordnungen mit Tatbestand der Körperverletzung
Laut Aussage des Chefs der AOK Hamburg/Rheinland, Günter Wältermann, kann „das Problem gefährlicher Arzneimittel-Kombinationen“ nur von den Kassen und Ärzten gemeinsam gelöst werden. Daher suche die AOK das Gespräch mit den Medizinern, sobald bedenkliche Verordnungen festgestellt werden. Insbesondere bei Pflegeheim-Bewohner bestehe jedoch weiterhin Handlungsbedarf. „Dort werden teilweise Dosierungen und Kombinationen verordnet, die unter Körperverletzung fallen", so Wältermann gegenüber der „Rheinischen Post“. Bereits im Juli 2011 hatte die Bayerische Akademie für Klinische Pharmazie eine Untersuchung der Arzneimittelverordnungen durchgeführt. Die Forscher haben in 96 bayerischen Apotheken je 100 aufeinanderfolgende Kundenkontakte dokumentiert. Es wurde festgehalten, welche Präparate die Kunden einnehme und welche möglichen Reaktionen bei einzelne Wirkstoffe mit anderen Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln oder Lebensmitteln auftraten.

Einnahme kontraindizierter Arzneimittel besonders kritisch
Die Bayerische Akademie für Klinische Pharmazie kam in ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass bei jedem sechste Apothekenkunden in Bayern Wechselwirkungen zwischen seinen Medikamenten auftraten. Bei jedem achten Betroffenen seien Arzneimittel der Selbstmedikation beteiligt gewesen. Häufigste Ursache für unerwünschte Wechselwirkungen seien Antidepressiva, Blutdruckmittel, Mineralstoffpräparate und Schmerzmittel. „Bei einer Interaktion können die Medikamente ihre Wirkungen oder Nebenwirkungen wechselseitig verstärken, aber auch abschwächen“, erläuterte Dr. Sonja Mayer, Geschäftsführerin der Bayerischen Akademie für Klinische Pharmazie, die Risiken. Besonders kritisch sei die parallele Einnahme kontraindiziert Wirkstoffe, da in solchen Fällen die Wechselwirkungen für die „Patienten lebensbedrohlich sein“ können, warnte Dr. Mayer. Doch wie die aktuelle Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigt, hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig an der durchaus gesundheitsgefährdenden Verschreibungspraxis geändert. (fp)

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