Apfel-Allergen kann Apfelallergie heilen

Alfred Domke

Apfel-Allergen reduziert Symptome der Apfelallergie

Bei vielen Menschen, die an Heuschnupfen leiden, kommt oft noch eine Nahrungsmittelallergie hinzu. So vertragen etwa Patienten mit einer Birkenpollenallergie häufig keine Äpfel. Solche Kreuzreaktionen fallen meist besonders intensiv aus. Österreichische Forscher haben nun in einer Studie festgestellt, dass ein Apfel-Allergen die Symptome einer Apfelallergie deutlich vermindert.

Manche Pollenallergiker vertragen bestimmte Lebensmittel nicht

Fast ein Drittel der deutschen Erwachsenen und rund jedes vierte Kind leidet an einer Allergie. Die häufigste Allergieform ist der Heuschnupfen, der mit Beschwerden wie triefender Nase, geschwollenen und juckenden Augen und Atemnot einhergehen kann. Oft gesellt sich zu der Pollenallergie auch noch eine Nahrungsmittelallergie. Österreichische Forscher haben nun eine Behandlungsoption für eine dieser Kreuzallergien gefunden.

Viele Patienten, die an einer Birkenpollenallergie leiden, vertragen keine Äpfel. Forscher haben nun festgestellt, dass ein spezielles Apfel-Allergen die Symptome einer Apfelallergie deutlich reduziert. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Wenn zur Birkenpollen- eine Nahrungsmittelallergie kommt

Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) gehören pollenassoziierte Lebensmittel-Allergien zu den häufigsten Lebensmittel-Allergien im Erwachsenenalter.

„Vor allem bei einer Pollenallergie auf früh blühende Bäume und Sträucher (Birke, Erle, Hasel) treten häufig gleichzeitige Lebensmittel-Allergien auf“, schreiben die Experten.

Die Allergie gegen Birkenpollen zählt zu den am weitesten verbreiteten Arten des Heuschnupfens, ihre Pollen gelten als besonders aggressiv.

„Für über 50 Prozent der Birkenpollen-Allergiker gilt: Wer auf Birke, Erle und Hasel reagiert, verträgt hauptsächlich Nüsse und einige rohe Obstsorten aus der Familie der Rosengewächse, wie Apfel, Birne, Pfirsich, Pflaume, Kirsche und Mandel nicht“, so der DAAB.

Vor allem der Verzehr von Äpfeln kann bei Birkenpollenallergikern zu unangenehmen Beschwerden führen. Schon vor Jahren gab es Hinweise darauf, dass ein spezifisches Allergen gegen Apfelallergie helfen kann. Nun gibt es dazu neue Erkenntnisse.

Symptome einer Apfelallergie konnten vermindert werden

Die Birkenpollen-assoziierte Nahrungsmittelallergie ist eine sehr häufige Begleiterscheinung einer Birkenpollenallergie – so leiden rund 70 Prozent aller Menschen mit einer Birkenpollenallergie auch unter einer Apfelallergie, berichtet die Medizinische Universität Wien in einer Mitteilung.

Der Verzehr von Äpfeln führt bei den Betroffenen zu Schwellungen und Rötungen oder Juckreiz im Mund- und Rachen- sowie Ohrenbereich bis hin zu Bläschenbildung.

Nun konnte eine Forschergruppe unter der Leitung von Barbara Bohle am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung in enger Zusammenarbeit mit Tamar Kinaciyan an der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien in einer Phase-II-Studie nachweisen, dass das Apfel-Allergen „Mal d 1“ die Symptome einer Apfelallergie deutlich vermindert und damit eine wirksame und sichere Behandlungsoption darstellt.

Die Studienergebnisse wurden vor kurzem im „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlicht.

Beschwerdefrei Äpfel essen

Von den 60 ProbandInnen mit Birkenpollen-assoziierter Apfel-Allergie erhielten je 20 eine Behandlung mit Placebo, mit einem Birkenpollen-Allergen und mit dem rekombinanten ApfelAllergen Mal d 1, also genetechnisch hergestellt, reproduzierbar, sehr stabil und damit auch gut lagerbar.

Einmal täglich wurde Mal d 1 in Form von Tropfen unter der Zunge verabreicht. Die Ergebnisse sind vielversprechend:

„Bei 6 von 20 Probanden schlugen die Allergie bzw. die Symptome gar nicht an. Sie könnten nach der Therapie beschwerdefrei täglich zwei Äpfel essen. Bei allen anderen wurden die Symptome signifikant vermindert, sodass auch diese nicht mehr grundsätzlich auf den Verzehr von gesunden, heimischen Äpfeln verzichten müssen“, sagt Studienleiterin Bohle.

Die Ergebnisse der Phase-II-Studie müssen nun in einer (multizentrischen) klinischen PhaseIII-Studie überprüft werden – sobald diese Studie erfolgreich abgewickelt und ein pharmazeutischer Unternehmenspartner gefunden ist, könnte diese Immuntherapie der Apfel-Allergie in wenigen Jahren verfügbar sein.

Impfstoffe wirken nicht gegen Kreuzallergien

Die Birkenpollenallergie gilt als eine der aggressivsten Pollenallergien.

Die durch Pollen ausgelösten Symptome können durch eine Immuntherapie gut behandelt werden – die bisherigen Impfstoffe wirken aber nur gegen das Birkenpollen-Allergen und nicht gegen diverse Kreuzallergien.

Die Studien-Ergebnisse lassen darauf hoffen, dass mit Mal d 1 die Symptome der Kreuzallergien mit Apfel abgeschwächt werden können und auch bei anderen Obst-Allergien wirksam sein könnten. (ad)