Apotheker verursachen hohe Arzneimittelausgaben?

Heilpraxisnet

DAV: Gesenkter Herstellerabschlag für patentgeschützte Arzneimittel und Kosten für innovative Medikamente Ursachen für erhöhte Arzneimittelausgaben

30.01.2015

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) schlägt angesichts erneut gestiegener Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Arzneimittel Alarm. Schuld seien der Anfang 2014 abgesenkte gesetzliche Herstellerrabatt, aber vor allem die hohen Preise von Originalpräparaten. Der KKH zufolge sei nun die Politik gefordert, da sich die Lage auf dem Arzneimittelmarkt anderenfalls weiter zuspitze. Laut Berechnungen des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) wurden neun Prozent mehr als im Vorjahr für Medikamente ausgegeben (31,4 Milliarden Euro). Die Anzahl der GKV-Rezepte und das Honorarvolumen der Apotheken seien aber konstant geblieben, wie die Online-Ausgabe der „Deutschen Apotheker Zeitung“ berichtet.

Apothekerhonorar ist annähernd konstant geblieben
Dem DAV zufolge wurden 2013 etwa 747 Millionen Euro für Medikamente über GKV-Rezepte (inklusive Hilfsmitteln, Rezepturen und Nichtarzneimitteln) ausgegeben. Das entspreche einem Kostenanstieg von lediglich 0,1 Prozent. Ebenso sei das Honorar für Apotheken „weitgehend konstant geblieben“, erläutert der DAV-Vorsitzende Fritz Becker gegenüber dem Internetportal. Die Zahl der abgegebenen Packungen sei nicht gestiegen. Im vergangenen Jahr gab die GKV 4,5 Milliarden Euro für Apotheken-Honorare aus. Das entspricht rund 16 Prozent der Arzneimittelausgaben der GKV und weniger als drei Prozent ihrer Gesamtausgaben.

Dennoch sei der Ausgabenanstieg für Arzneimittel dem DAV zufolge keine Überraschung, da GKV-Spitzenverband und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in ihren Rahmenvorgaben für das vergangene Jahr bereits einen Zuwachs von 7,9 Prozent vorgesagt hätten. Es würden aber noch Rekordeinsparungen durch Rabattverträge erwartet, die noch nicht in den Berechnungen berücksichtigt worden seien. In den ersten drei Quartalen 2014 seien das bereits mehr als 2,2 Milliarden Euro gewesen.

„Die Entscheidung des Gesetzgebers zur Absenkung des Herstellerabschlags auf patentgeschützte Arzneimittel erklärt einen Teil des Ausgabenanstiegs für Arzneimittel“, erläutert Becker. Ein weiterer Kostentreiber seien die Ausgaben für innovative Medikamente, wie etwa für Sofosbuvir zur Behandlung von Hepatitis C. Für Patienten seien solche Arzneimittel zum Teil lebenswichtig. „Die Frage nach einem angemessenen Preis für diese Präparate wird die Gesundheitspolitik aber sicher weiterhin beschäftigen. Jedes neue Medikament erfordert eine Einzelfallbetrachtung.“

Bild: I-vista / pixelio.de