Armut und Krankheit – Ein dauernder Teufelskreis

Dr. Utz Anhalt
Armut macht krank. Seit der Antike und weltweit haben Reiche, die gute Ärzte bezahlen können, generell ein besseres Leben als Habenichtse: Sauberes Wasser mit wenig Krankheitskeimen, neue Kleidung, in der sich keine Erreger einnisten und gesundes Essen? Das ist in den meisten Ländern der Welt eine Frage des Geldbeutels.

Kranke Arme global
1,2 Milliarden Menschen unserer Welt leiden unter elementarer Armut mit weniger als einem Dollar pro Tag. Das macht die Menschen krank: Sie haben keinen festen Wohnsitz oder ihre Wohnungen sind so eng, dass sich Erreger leicht von Mensch zu Mensch übertragen; das Wasser, zu dem sie Zugang haben ist mit Keimen verseucht; die Toiletten sind entweder mit Bakterien und Viren besiedelt oder fehlen ganz. Sie sind mangelernährt, es gibt keine staatliche Gesundheitsvorsorge, und ihnen fehlen selbst einfachste Mittel, sich zu schützen wie Moskitonetze oder Mundschutz.

Armut führt zu Krankheiten und Krankheiten führen zu Armut (stephm2506/fotolia.com)
Armut führt zu Krankheiten und Krankheiten führen zu Armut (stephm2506/fotolia.com)

Armut durch Krankheit
Mehr als über 100 Millionen Menschen verarmen, weil sie Medizin selbst bezahlen müssen. Nicht nur körperliche, sondern auch psychische Krankheiten können selbst zur Verarmung führen, weil die Betroffenen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können. So sagt ein WHO-Bericht: Fast zehn Prozent der Menschen leiden an Depressionen.

Deutschland – das Paradies der Krankenkassen?
Wer Therapien selbst bezahlen muss, dem droht der finanzielle Ruin. So lautet ein Fazit der WHO:Fehlende Krankenversicherung macht arm. Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung genießen in Deutschland eine Behandlung im Krankheitsfall, für die Menschen in anderen Ländern in die eigene Tasche greifen müssen oder leiden, wenn sie keine Mittel haben.

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Ärztekammer und Schuldnerberatung
Ärztekammer Niedersachsen und Schuldnerberatung der Diakonie Hannover-Land halten jedoch auch für Deutschland fest: Armut durch Überschuldung führt zu Krankheit.

Überschuldung
Die Diakonie berät Menschen, die sich so verschuldet haben, dass sie ihre Schulden nicht bezahlen können, selbst wenn sie sämtliche Kosten für elementare Ausgaben auf das Minimum reduzieren.

Wie viele sind betroffen
Das sind laut dem Inkasso-Unternehmen Creditreform in Deutschland immerhin 6,7 Millionen Betroffene. Bremen liegt mit 14 % an der Spitze, Bayern mit 7,2 % am Schluss.

In Armut versunken
Laut dem Paritätischen Wohlfahrtsverband leben 68 % der Klienten der Schuldnerberatung von weniger als 900 Euro pro Monat und müssen davon Schulden in Höhe von rund 23.000 Euro abbezahlen.

Kein Geld für Medikamente
Eine Studie ergab, dass 65 % der Betroffenen sich keine Medikamente leisten, die Ärzte ihnen verschrieben hatten. 61 % gingen wegen der Praxisgebühr nicht zu einem Arzt.

Hohe Krankheitsrate
Die Überschuldeten hätten aber solche Arztbesuche und Medikamente bitter nötig, denn sie leiden unter Krankheiten weit mehr als der Durchschnitt: Mit mehr als 40 % psychisch Erkrankten stellen Überschuldete in diesem Bereich eine der höchsten Quoten. 38 % quälen sich mit Erkrankungen der Wirbelsäule und jeder vierte muss auf Hausmittel gegen Bluthochdruck zurückgreifen. Schlafstörungen und Kopfschmerzen sind extrem verbreitet.

Ungesunder Lebensstil
Die Überschuldeten geraten zusätzlich in eine ungesunde Lebensführung. Sie haben kein Geld mehr für Sportverein, Sportkleidung oder Ausflüge und können kein Geld für gesunde, also auch teure Lebensmittel bezahlen.

Sie rauchen mehr, sie trinken mehr Alkohol und sie nehmen mehr Beruhigungsmittel als der Durchschnitt.

Arme sterben früh
Materiell an den Rand Gedrängte werden nicht nur häufiger krank und können sich keine Medikamente leisten, sondern sie sterben auch elf Jahre früher als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Männer unter der Armutsgrenze sterben im Schnitt mit 70, 1 Jahren, Männer mit mehr als 150 % des Durchschnittseinkommens mit 80,9 Jahren.

Arm durch Krankheit
Menschen werden nicht nur durch Armut krank, sondern auch durch Krankheit arm. Kaufsüchtige zum Beispiel verschulden sich, weil sie unnütze Dinge in Mengen erwerben; Bipolare verschleudern in manischen Phasen Geld, das sie nicht haben.

Menschen, die ihre Arbeit wegen chronischen Krankheiten nicht mehr ausführen können, rutschen nach einem Jahr Arbeitslosigkeit in die Hartz-IV-Falle.

Überschuldung als Krankheitssymptom
Kaufsüchtige kaufen vor allem im Internet und verheimlichen ihre Erkrankung. Sie nehmen oft erst dann wahr, dass sie nicht gesund sind, wenn die Beziehung kaputt und das Haus verpfändet ist. (Dr. Utz Anhalt)