Arsen in deutschem Bier: Ursache geklärt

Alfred Domke

Ursache für Arsen in deutschem Bier geklärt

09.04.2013

Hopfen, Malz, Hefe und Wasser, das sind nach dem deutschen Reinheitsgebot die Zutaten, die in Bier enthalten sein dürfen. Von Arsen ist darin nicht die Rede. Trotzdem ist seit Jahren bekannt, dass deutsches Bier Spuren des Giftstoffes enthält. Jetzt wurde durch Münchner Forscher die Ursache dafür entdeckt.

Münchner Forscher entdecken Ursache für Giftstoff
Die Menge, in der Arsen in Bier festgestellt wurde, scheint zwar für den menschlichen Organismus ungefährlich zu sein, aber die Konzentration ist dennoch oft höher als im Trinkwasser. Als Ursache für das Vorhandensein des Schwermetalls in Bier wurde das Filtermaterial Kieselgur festgestellt. Wissenschaftler der Technischen Universität München haben dies in jahrelangen Untersuchungen herausgefunden und ihre Ergebnisse am Sonntag auf einer Chemiker-Konferenz in New Orleans vorgestellt. Der Brauexperte und Leiter der Untersuchungen, Mehmet Coelhan erklärte aber, dass sich Biertrinker trotzdem keine Sorgen machen müssten. Eine „sehr viel realere Sorge“ sei die Gefahr einer Alkoholvergiftung. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Lösung bei den Filtern aus Kieselgur zu suchen ist. Diese werden beim Bierbrauen dazu eingesetzt, um Schwebstoffe heraus zu filtern und Bier kristallklar zu machen. Allerdings nicht bei allen Sorten, naturtrübe Biere werden zum Beispiel nicht gefiltert.

140 getestete Biere
Für die Untersuchungen wurden in den vergangenen Jahren Proben von 140 in Deutschland verkauften Bieren auf Spuren von Blei und Arsen getestet. Außerdem wurde nach unerwünschten Schadstoffen wie Pestiziden gesucht, die durch Getreide, welches für das Brauen verwendet wird, stammen könnten. Die deutschen Forscher stellten dabei Arsenwerte fest, die deutlich über dem WHO-Richtwert von zehn Mikrogramm pro Liter lagen. Für Bier gibt es zwar keinen derartigen Wert, aber für Trinkwasser hat die WHO einen solchen festgelegt.

Auch ausländische Biere betroffen
Bei den Untersuchungen wurden sämtliche beim Brauen verwendete Materialien analysiert. „Die Tests ergaben, dass einige Kieselgur-Proben Arsen abgeben", so der Untersuchungsleiter Coelhan. Kieselgur ist ein aus Schalen urzeitlicher Algen gebildetes Gestein. Der Wissenschaftler meinte aber weiter, dass es es nur eine geringe Wahrscheinlichkeit gäbe, durch Konsum von Bieren, die mit dieser Methode gefiltert wurden, krank zu werden. Auch Winzer und andere Lebensmittelhersteller setzen Kieselgur-Pulver als natürlichen Filter ein. Des Weiteren wurde bei anderen Studien auch in ausländischen Bieren Arsen gefunden, teils in höheren Konzentrationen als in deutschen.

Arsengehalt seit Jahren überwacht
Nachdem bereits vor Jahren Arsen in Bier nachgewiesen wurde, starteten der Deutsche und der Bayerische Brauerbund ein Programm zur Überwachung des Arsengehalts. Dabei wurde sowohl das gebraute Bier, als auch die Rohstoffe und Kieselgur regelmäßig untersucht. Coelham meinte: „Dadurch kommen die Lieferanten von Kieselgur unter Druck" und „Die Brauereien sind sensibilisiert – und sie sind auch bereit, hier Geld auszugeben." Seit dem Beginn der Untersuchungen vor etwa drei Jahren sei der Arsengehalt der Biere gesunken.

Weniger Schadstoffe
Nicht nur Kontrollen, auch ganz einfache Methoden können zu einer Reduzierung von Schadstoffen beitragen, so kann zum Beispiel Arsen durch das Spülen des Filtermaterials mit Wasser entfernt werden. Und es könnten auch Ersatzstoffe eingesetzt werden. Der Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds, Walter König, hat auch schon Verbesserungen registriert. So erklärte er: „Wir kontrollieren im Monitoring auch andere Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium, die wie Arsen in Spuren durch die Rohstoffe ins Bier gelangen können" und stellte fest: „Die Analysen ergaben im Gegensatz zu früher in den vergangenen Monaten keine Richtwertüberschreitung."

Arsen – Gift und Heilmittel
Schon vor Jahrhunderten war Arsen bekannt und wurde schon früh als Gift für Morde, als Pestizid oder auch als Arzneimittel eingesetzt. Zu bestimmten Zeiten wurde es wohl als Fiebersenker, als Lungenheilmittel, zur Leistungssteigerung und sogar als Aphrodisiakum verwendet. In der Medizin kommt Arsen immer noch zum Einsatz, vor allem bei der Krebs-Therapie. Andererseits kann Arsen auch tödlich wirken, schon bei einer Dosis im zweistelligen Milligrammbereich. Bei Arsenvergiftungen kann es unter anderem zu Krämpfen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall bis hin zu einem Schock und Nierenversagen kommen. (ad)