Rückstände von Arzneimitteln belasten die Umwelt

Fabian Peters

11.04.2014

Gewässer und Böden werden zunehmend durch die Rückstände von Arzneimitteln belastet. Ein Forschungsprojekt im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) hat gezeigt, dass sich in vielen Teilen der Erde Spuren von mehr als 630 verschiedenen Arzneimittelwirkstoffen in Gewässern, Böden, Klärschlamm und Lebewesen nachweisen lassen. „17 Wirkstoffe kamen in allen Regionen der Welt vor“, so die Mitteilung des UBA.

Derzeit wird laut Angaben des Umweltbundesamtes durch das „Umweltprogramm UNEP der Vereinten Nationen“ geprüft, ob das Thema „Arzneimittel in der Umwelt“ ein neues wichtiges Handlungsfeld im internationalen Chemikalienprogramm SAICM bilden soll. Die Tatsache, dass immer mehr Rückstände beziehungsweise Abbauprodukte von Arzneimitteln in der Umwelt nachzuweisen sind, ist nach Ansicht des UBA ein deutlicher Grund zur Sorge.

Schmerzmittel in Gewässern und Böden
Sehr häufig zeige sich zum Beispiel eine Umweltbelastung durch den Wirkstoff Diclofenac (Schmerzmittel und Entzündungshemmer), berichtet das Umweltbundesamt. Dieser Wirkstoff sei in den Gewässern von insgesamt 50 verschiedenen Ländern nachgewiesen worden. In 35 dieser Länder überstiegen die Messwerte eine Gewässerkonzentration von 0,1 Mikrogramm pro Liter – einen Wert nahe der „im Laborversuch ermittelten Konzentration, bei der erste Schädigungen an Fischen beobachtet wurden“, so die Mitteilung des UBA. In Europa ist dieser Wert als Grundlage der „Umweltqualitätsnorm für Oberflächengewässer“ in der Diskussion gewesen, die EU-Mitgliedstaaten konnten sich allerdings lediglich darauf einigen, die Konzentration des Stoffes in den Gewässern regelmäßig zu messen und mögliche Gegenmaßnahmen bei Überschreitung zu entwickeln. Weitere vielfach nachgewiesene Wirkstoffe waren laut Mitteilung des UBA „das Antiepileptikum Carbamazepin, das Schmerzmittel Ibuprofen, das Pillen-Hormon Ethinylestradiol sowie das Antibiotikum Sulfamethoxazol.“

Arzneimittelrückstände in der Umwelt ein weltweites Problem
Insgesamt hat sich die Datenlage zum Vorkommen von Arzneimitteln in der Umwelt für Deutschland und die anderen EU-Staaten sowie für Nordamerika und China in den letzten Jahren deutlich verbessert, berichtet das Umweltbundesamt. Bisher sei zu der weltweiten Situation wenig bekannt gewesen. „Im Besonderen gelangen Informationen zur Umweltbelastung in einigen Hauptproduktionsländern von Medikamenten wie Indien kaum an die Öffentlichkeit“, bemängelte das UBA. Laut Aussage des amtierenden UBA-Präsidenten, Thomas Holzmann, kann „das Umweltbundesamt jetzt sicher belegen, dass Arzneimittelrückstände in der Umwelt weltweit ein relevantes Problem darstellen.“ Dies sei nur zu lösen, wenn die internationale Chemikaliensicherheit deutlich verbessert wird, beispielsweise im Rahmen des internationalen Chemikalienprogramms SAICM (Strategischer Ansatz zum internationalen Chemikalienmanagement). Dieses Programm für mehr Chemikaliensicherheit unter dem Dach der Vereinten Nationen habe sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 die negativen Wirkungen von Chemikalien auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt auf das geringst-mögliche Maß zu reduzieren.

Ungeklärte Auswirkungen auf die Umwelt
Die Humanarzneimittel gelangen laut Angaben des UBA „hauptsächlich über das häusliche Abwasser in die Umwelt“, da sie nach der Einnahme vom Körper meist nicht vollständig abgebaut und daher wieder ausgeschieden werden. Die Kläranlagen können oft nicht alle Arzneimittelrückstände zurückhalten und in vielen Ländern fehlen die Kläranlagen komplett, so dass die Wirkstoffe direkt ins Gewässer gelangen. Hier können sie dem UBA zufolge „Pflanzen und Tiere schädigen.“ Des Weiteren würden Tierarzneimittel „zum größten Teil über Gülle und Dung von behandelten Tieren in Böden und Gewässer“ gelangen. Zu den langfristigen Auswirkungen dieser Substanzen auf die Ökosysteme seien bisher nur wenige Informationen verfügbar. In Laborexperimenten und Freilandversuchen hätten sich aber „negative Effekte wie reduziertes Wachstum, Verhaltensänderungen oder verminderte Vermehrungsfähigkeit bei Lebewesen in der Umwelt“ gezeigt. Des Weiteren seien „Hormone, Antiparasitika und bestimmte Schmerzmittel“ als besonders umweltrelevant zu bewerten, da sie schon in geringen Konzentrationen toxisch für die Umwelt wirken können und oft sehr langlebig sind. (fp)

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Bild: Andrea Damm / pixelio.de