Arzt soll dutzendfach ohne Grund operiert haben

Sebastian

Ein Arzt am Altmark-Klinikum Gardelegen soll vielfach ohne Grund operiert haben

08.11.2012

Laut eines Berichts des ARD Fernsehmagazins „Fakt“ soll ein Arzt in Sachsen-Anhalt zahlreiche Operationen unnötig durchgeführt haben. Sieben leitende Mediziner des Altmark-Klinikums Gardelegen erheben gegen den Arzt und die Klinikleitung schwere Vorwürfe. Die Eingriffe ohne ausreichende Indikation seien vermutlich aus Kostengründen durchgeführt worden.

Im Altmark-Klinikum Gardelegen in Sachsen-Anhalt hat offenbar ein Neurochirurg unnötige Operationen an Patienten durchgeführt. Das haben Recherchen des ARD-Magazins „Fakt“ ergeben. Dabei sollen dutzende Patienten angeraten worden sein, einen Eingriff durchführen zu lassen, obwohl keine ausreichenden medizinischen Gründe vorlagen. Sieben Ärzte der Klinik erheben schwere Vorwürfe gegen den eigenen Arbeitgeber.

Bandscheibenvorfall-Operationen ohne Bandscheibenvorfall
Dem Magazin liegt nach eigenem Bekunden eine Liste mit den Namen zahlreicher Patienten vor, die in den letzten zwölf Monaten ohne hinreichenden Grund operiert wurden. Bei fast allen Betroffenen wurden Eingriffe an der Wirbelsäule vorgenommen. Den Angaben des Magazins zufolge, „belegen Krankenakten, dass der behandelnde Neurochirurg in vielen Fällen einen Bandscheibenvorfall operiert hat, obwohl ein Radiologe zuvor festgestellt hatte, dass gar kein Bandscheibenvorfall vorliegt.“ In einem Patientenfall habe der Arzt eine Einengung des Spinalkanals der Wirbelsäule operiert, die angeblich verengt gewesen sein soll. Zuvor habe ein Radiologe jedoch notiert, dass der lebensnotwendige Nervenkanal „mäßig normal“ sei.

Wusste die Klinikleitung davon?
Das Magazin behauptet in seiner Ausgabe, dass das Verhalten des Arztes der Klinikleitung bekannt sei. So hätten mehrere leitende Ärzte die Missstände in der Klinik immer wieder kritisiert. Sieben Mediziner unterzeichneten einen Brief an den Aufsichtsrat des Krankenhauses, in dem stehe, dass es sich bei den Vorfällen um schwere und gefährliche Körperverletzungen handele, die strafbar seien. „Sollten die Vorfälle nicht restlos aufgeklärt werden, sei die Existenz und das Ansehen des Altmark-Klinikums gefährdet.“

Statt aber die Missstände aufzuklären, würde die Klinik Druck auf die unterzeichnenden Mediziner ausüben. Einer der Ärzte, Dr. Bernd Falkenberg, habe innerhalb weniger Monate drei Kündigungen erhalten, die allerdings immer ins Leere liefen. Der Chirurg erklärte dazu: „Ich vermute, dass ich mundtot gemacht werden soll.“

Starb ein Patient durch eine unnötige Operation?
Der Anwalt von Bernd Falkenberg berichtet, dass sogar ein Patient an den Folgen einer unnötig durchgeführten Operation verstorben sei. Grund für die Operationen ohne Indikation seien „höhere Erlöse gewesen“, wie ein weiterer Arzt berichtete, der jedoch anonym bleiben will. Patienten seien geradezu gedrängt worden, sich operieren zu lassen, so der Arzt gegenüber dem „Fakt“.

Die Klinikleitung weist die Vorwürfe von sich. In einer schriftlichen Erklärung heißt es, dass die Hinweise auf Unregelmäßigkeiten und angeblichen Behandlungsfehlern ernst genommen werden. Eine interne Prüfung habe allerdings keine Anhaltspunkte erbracht. Zudem würde der medizinische Dienst regelmäßig alle Befunde überprüfen. Zwar wurde ein Arzt in der Tat entlassen, allerdings sei dies aus „persönlichen Gründen“ geschehen.

Nunmehr haben sich auch die gesetzlichen Krankenkassen eingeschaltet. Der Fakt-Bericht werde derzeit überprüft. Stellen sich die Informationen als authentisch heraus, werden gegebenenfalls auch die Ermittlungsbehörden eingeschaltet, wie ein Sprecher des Verbandes der Ersatzkassen betonte. (sb)

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