Arzttermine: Kassenpatienten werden benachteiligt

Sebastian

Arzttermine: Gesetzlich Versicherte werden benachteiligt

06.06.2011

Gesetzlich Krankenversicherte werden bei der Vergabe von Arztterminen deutlich benachteiligt. Das ergab eine repräsentative Umfragestudie im Auftrag der Deutschen Betriebskrankenkassen.

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Viele Kassenpatienten haben es schon immer vermutet: Bei der Vergabe von Arztterminen werden Gesetzlich Versicherte gegenüber Privatpatienten deutlich benachteiligt. Im Schnitt müssen GKV-Versicherte bis zu sechs Tage länger auf einen Arzttermin warten, als Privatversicherte. Einzige Ausnahme in der medizinischen Versorgung bildet die Notaufnahme. Zu mindestens hier werden die Menschen im vorherrschenden Gesundheitssystem gleich behandelt.

6 Tage geringere Wartezeiten für PKV Versicherte
Kassenmitlieder müssen laut der Studie insgesamt 20 Tage auf einen Termin warten, ehe sie einen Arzt konsultieren können. Waren die Befragten in einer Privaten Krankenversicherung versichert, so dauerte die Wartezeit nur 14 Tage. Auch die Wartezeit im Warteraum ist für Privatpatienten geringer, als für Kassenpatienten. Während letztere fast eine halbe Stunde (27 Minuten) warten mussten, betrug die Wartezeit für Privatversicherte nur 21 Minuten. Zu diesen Ergebnissen gelangte eine repräsentative Studie des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen BKK. Bei der Studie wurden insgesamt 6000 Frauen und Männer befragt. Seit 2008 hat die offensichtliche Benachteiligung zwischen Gesetzlich und Privatversicherten nur unwesentlich abgenommen. Demnach mussten sich die Gesetzlichen schon damals 21 Tage gedulden.

Notfälle werden gleichberechtigt behandelt
Wer jedoch als akuter Notfall mit Schmerzen oder lebensbedrohlichen Komplikationen gilt, bekommt gleich schnell einen Termin, egal welcher Versicherungsform er angehört. In zwei Drittel der untersuchten Fälle fand noch am gleichen Tag eine ärztliche Konsultation statt.

Eine Studie der Universität Köln hatte ähnliches zutage gebracht. Forscher versuchten in 189 Facharzt-Praxen im Raum Köln, Bonn und Leverkusen telefonisch einen Termin für eine Reihe von Untersuchungen zu vereinbaren. Am gravierendsten waren im Ergebnis die Unterschiede bei den Facharzt-Praxen. Auf einen Allergie-Test mussten Privatpatienten durchschnittlich 8,4 Tage warten. Wurde am Telefon benannt, dass man gesetzlich krankenversichert ist, so dauerte die durchschnittliche Wartezeit 26 Tage.

Viele Arzthelferinnen umgingen die Frage nach der Versicherungsart mit der Formulierung, ob man bereits schon einmal in Behandlung war. Während des Telefonates findet dann am Computer ein Abgleich statt. Die Praxisangestellte kann nunmehr sehen, ob der Anrufer Privat- oder Gesetzlich versichert ist.

Privatpatienten sind lukrativer
Ursache für die Zwei-Klassen-Medizin ist die rein ökonomisch orientierte Terminvergabe. Die Behandlung eines Privatversicherten ist im Schnitt 20 bis 45 Prozent lukrativer. Um den Patienten nicht an einen Kollegen zu verlieren, werden schnellstmöglich Termine vereinbart. Das bekommen auch die Patienten zu spüren. Laut einer anderen Umfrage des Meinungs- und Marktforschungsinstituts GfK gaben 83 Prozent der Bundesbürger an, Kassenmitlieder werden weniger gut behandelt, als Privatversicherte. Das gelte nicht nur für Termine. (sb)