Asbest: Trotz Verbot noch immer eine Gefahr

Astrid Goldmayer

Asbest: Trotz Verbot noch immer eine Gefahr

16.11.2011

Obwohl die Herstellung und Verwendung von Asbest seit 1993 in Deutschland verboten ist, sterben jährlich mehr als 1000 Menschen an den Folgen von Asbest laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Kürzlich sprach die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) von einem hohen Gesundheitsrisiko im Fall von Sanierungsarbeiten in Darmstadt, wenn man die Asbestgefahr nicht ausreichend beachte. Neben der Gefahr bei Sanierungen wurde jetzt bekannt, dass im Raum Wunstorf-Luthe in Niedersachsen Asbestfunde auf zur Lebensmittelproduktion genutzten Ackerflächen nahe einer ehemaligen Betriebsstätte der Firma Fulgurit gemacht wurden.

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Warum ist Asbest gesundheitsgefährdend?
Lange galt Asbest als Wunderfaser der Baubranche. Durch seine hohe Widerstandsfähigkeit und Stabilität wurde es jahrzehntelang unter anderem in der Bau- und Schifffahrtsindustrie eingesetzt. Für die Gesundheit ist Asbest jedoch hochgradig gefährlich. Bei der Verarbeitung von Asbest und asbesthaltigen Materialien werden Asbestfasern freigesetzt, die sich in den Lungenbläschen festsetzen und auch bei geringer Belastung Asbestose, eine Staublungenerkrankung, die häufig zu Lungenkrebs führt, auslösen.

Zwischen der Schädigung und dem Ausbruch der Krankheit können mehrere Jahrzehnte liegen, so dass man davon ausgehen kann, dass sich die meisten der Todesfälle der letzten Jahre aufgrund von Asbestkontakten vor dem 1993 eingesetzten Verbot für die Produktion und Verwendung von Asbest ereignet haben.

Asbestsanierung in Darmstadt
Wie die IG BAU mitteilt, sind in vielen Häusern in Darmstadt Asbesthaltige Materialien verbaut worden, so dass nun ein erhöhtes Gesundheitsrisiko bei den Sanierungsarbeiten besteht. Sowohl in Nachtspeicherheizungen, Bodenbelägen als auch in Abdeckplatten sei Asbest zu finden. Es wird dringend geraten Spezialfirmen mit der Entsorgung der Materialien zu beauftragen. Atemmasken und Schutzkleidung seien ein absolutes Muss im Umgang mit den krebserregenden Stoffen.

Besorgniserregende Asbestfunde auf Ackerfläche nahe Wunstorf-Luthe
Nahe einer ehemaligen Betriebsstätte der Firma Fulgurit im Raum Wunstorf-Luthe in Niedersachsen wurden besorgniserregende Asbestfunde auf Ackerflächen gemacht. Das Umweltnetzwerk – Büro für Umweltfragen in Hamburg berichtet, dass die Asbestablagerungen um die ehemalige Produktionsstätte schon lange bekannt ist, jedoch haben sich die Behörden nicht in der Verantwortung gesehen, einzugreifen. Herr Priebs, Umweltdezernent der Region Hannover, gab an, dass in diesem Falle keine Zuständigkeit der Behörden bestehe, da es sich um Asbestfunde auf privatem Grund und Boden handele. Trotz der allgemein bekannten Gefahren von Asbest scheinen hier politische Interessen und bürokratische Vorgehensweisen einer für die Bevölkerung akzeptablen Lösung im Wege zu stehen. Die Bevölkerung sei sehr beunruhigt, besonders nachdem bekannt wurde, dass bisher noch keine offiziellen Messungen von Böden, Grundwasser und Luft durchgeführt wurden und somit auch keine Gefährdungsabschätzung vorliege, aus der dann die entsprechenden Maßnahmen abgeleitet werden könnten, berichtet das Umweltnetzwerk weiter. Nach Recherchen des NDR soll sogar das hochgefährliche Blauasbest auf den Ackerflächen gefunden worden sein. (ag)