Assistierter Kaiserschnitt: Mutter holt ihr Kind selbst aus dem Bauch

Sebastian
In einem Krankenhaus im nordrhein-westfälischen Bad Oeyenhausen wurde ein Baby durch einen sogenannten „mütterlich assistierten Kaiserschnitt“ zur Welt gebracht. Die Mutter packte dabei selbst mit an und holte ihr Kind aus dem Bauch. Dies war das erste Mal, dass so ein Eingriff in Deutschland durchgeführt wurde.

Erstmals „mütterlich assistierten Kaiserschnitt“ durchgeführt
Am Krankenhaus Bad Oeyenhausen (Nordrhein-Westfalen) ist ein Baby durch einen sogenannten „mütterlich assistierten Kaiserschnitt“ zur Welt gebracht worden. Angaben der Klinik zufolge handelte es sich dabei um den ersten Eingriff dieser Art in Deutschland. Laut einer Pressemitteilung der „Mühlenkreiskliniken“ erklärte Dr. Manfred Schmitt, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Krankenhaus Bad Oeynhausen: „Ich stand dieser Methode anfänglich sehr skeptisch gegenüber.“ Anfang des Jahres habe er aus den Medien erfahren, dass ein Kollege in Australien einen solchen Eingriff durchgeführt hatte.

Begleitete Kaiserschnitt-Geburt: Die Mutter holte ihr Baby selbst aus dem Bauch. Bild: GordonGrand/fotolia
Begleitete Kaiserschnitt-Geburt: Die Mutter holte ihr Baby selbst aus dem Bauch. Bild: GordonGrand/fotolia

Mütter berichten vom Gefühl des Ausgeliefertseins
„Wir haben das im Kollegenkreis und mit unseren Hebammen einfach mal fachlich diskutiert und fanden außer einem gewissen unbehaglichen Gefühl keine nachhaltigen Gründe für unsere Skepsis“, so der Mediziner. Dazu kam die Erfahrung des geburtshilflichen Teams, dass Frauen nach ihrer Entbindung per Kaiserschnitt oft von einem Gefühl des Ausgeliefertseins berichteten. „Besonders stark ist dieses Gefühl bei Frauen, die unter Vollnarkose entbinden“, sagte die Beleghebamme im Krankenhaus Bad Oeyenhausen, Irina Wittemeier. „Sie werden nach dem Eingriff wach und haben plötzlich ein Kind. Den ganzen Vorgang, wie das Kind auf die Welt kommt, haben Sie nicht miterlebt. Viele Frauen empfinden das als belastend.“

Mehr zum Thema:

Per Kaiserschnitt und bei vollem Bewusstsein
Auch bei Oxana Kaiser aus Minden war das so. Da sie ihr erstes Kind per Kaiserschnitt und die nächsten drei auf natürlichem Weg zur Welt brachte, kennt sie den Unterschied: „Nach der Geburt meiner ältesten Tochter hatte ich zunächst immer einen kleinen Zweifel, ob das wirklich mein Kind ist. Bei meinen anderen Kindern hatte ich dieses sehr unangenehme Gefühl nicht.“ Für sie war aufgrund einer Begleiterkrankung klar, dass sie das fünfte Kind wieder per Kaiserschnitt zur Welt bringen wollte. In Deutschland findet mittlerweile etwa jede dritte Geburt per Kaiserschnitt statt, wie im vergangen Jahr berichtet wurde. Gründe für diese Entbindungsmethode sind unter anderem ein sehr hohes Gewicht des Babys oder mögliche Risiken bei Schwangerschaft mit Zwillingen oder Mehrlingen. Nachdem ihr die Hebamme von der neuen australischen Methode erzählt hatte, war für Oxana Kaiser klar, dass dies die richtig Geburtsmethode für sie ist. Per Kaiserschnitt und bei vollem Bewusstsein.

Werdende Mutter konnte Oberkörper und Arme bewegen
Bei dieser Methode erhielt die Mutter wie bei einem normalen Kaiserschnitt eine rückenmarksnahe Narkose, die es ihr erlaubte, Oberkörper und Arme zu bewegen. Den Angaben zufolge führte Chefarzt Dr. Manfred Schmitt die Operation zunächst wie üblich durch, hob das Kind jedoch nur zum Teil aus dem Bauchraum. Dann konnte die Mutter, assistiert vom Arzt, ihre Hände um ihr Kind legen und es selber komplett auf die Welt holen. „Ich war sehr glücklich in diesem Moment“, so die 30-jährige Mutter. Eric Maximilian Kaiser wog bei seiner Geburt über 4.100 Gramm und war bereits 57 Zentimeter groß. „Das war ein ganz schöner Brummer“ sagte Oxana Kaiser.

„Mutter und Kind geht es hervorragend“
Besonders wichtig war die Keimfreiheit der Hände der werdenden Mutter. Bei einem Kaiserschnitt muss die große Operationswunde unter allen Umständen vor Infektionserregern geschützt werden. Durch das Anziehen von OP-Handschuhen und einer Abdeckung der Arme konnte hier die nötige Sicherheit gewährleistet werden. Chefarzt Manfred Schmitt äußerte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf. „Mutter und Kind geht es hervorragend, das ist das Wichtigste. Wenn es von der Diagnose und vom Elternpaar her passt, ist der mütterlich assistierte Kaiserschnitt eine alternative Geburtsform, die wir sicherlich noch mehrfach anwenden werden.“ (ad)

/span>