Asthma-Arzneien sollen gegen Parkinson helfen

Fabian Peters
Experten berichten von neusten Entwicklungen der Parkinson-Forschung
Die Parkinson-Forschung hat zuletzt erhebliche Fortschritte gemacht und erstmals bestehen durchaus realistische Hoffnungen, die Entwicklung der Krankheit bereits im Keim zu ersticken. Über neue Möglichkeiten der Früherkennung und Therapie berichten Experten auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Leipzig.

Erst Anfang September zeigte eine im Fachmagazin „Science“ publizierte internationale Studie mit deutscher Beteiligung, dass die Entwicklung von Parkinson möglicherweise mit einem Asthma-Medikament gestoppt werden kann, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer Pressemitteilung zu den Inhalten ihres Jahreskongresses. Ein weiterer Meilenstein sei die Entwicklung eines Hauttest zur Frühdiagnose der Erkrankung gewesen. „Die Parkinson-Forschung verzeichnet derzeit einen rasanten Erkenntnisgewinn“, betont Professor Jens Volkmann von der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg in der DGN-Mitteilung.

Das Verständnis der Parkinson-Krankheit hat sich enorm verbessert und verschieden neue Ansätze der Therapie wurden abgeleitet. Hierzu könnte auch die Behandliung mit Asthma-Medikamenten zählen, die in ersten Versuchen durchaus überzeugende Ergebnisse erzielte. (Bild: Sergey Nivens/fotolia.com)

Alpha-Synuklein von entscheidender Bedeutung
Der Parkinson-Experte Professor Volkmann stellte auf dem DGN-Jahreskongress wegweisende aktuelle Forschungsarbeiten vor, die neue Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie eröffnen. Es werde zunehmend klarer, wie genetische und Umweltfaktoren die Alpha-Synukleinopathie und damit die Neurodegeneration vorantreiben, welche die Basis der Parkinson-Krankheit bildet. Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich auch neue Möglichkeiten für die Diagnostik und Strategien für kausale Therapien, so Prof. Volkmann.

Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Parkinson
Überraschen und gleichermaßen bahnbrechend war beispielsweise die Entdeckung, dass gängige Asthma-Medikamente in Form von Beta2-Adrenozeptor-Agonisten das Risiko einer Parkinson-Erkrankung senken. Die Studienautoren hatten in einem neu entwickelten Zellmodell 1.126 Substanzen mit möglichen modifizierenden Effekten auf die Transkription des Alpha-Synuklein-Gens analysiert, darunter auch gängige Pharmaka, berichtet die DGN. Denn der ersten beschriebenen monogenen Parkinson-Variante (PARK1) liege „eine Triplikation des Alpha-Synuklein-Gens mit entsprechender Überexpression des Proteins zugrunde.“

Asthma-Medikamente wirken positiv, Beta-Blocker negativ
Die Forscher stellten in ihren Untersuchungen fest, „dass Agonisten des Beta2-Rezeptors die Transkription signifikant erniedrigen, während Beta-Blocker sie signifikant erhöhen“, so die Mitteilung der DGN. In den Nachfolgeexperimenten an Wildtypmäusen sei deutlich geworden, dass eine Behandlung mit einem Beta2-Agonisten die Alpha-Synuklein-Expression in der Substantia nigra signifikant reduziert, was eine funktionelle Relevanz für die Parkinson-Krankheit nahelegte.

Effekt des Asthma-Medikaments in der Bevölkerung nachweisbar
Die Weiterhin durchgeführte Auswertung eines Populationsregisters mit Daten von vier Millionen Norwegern und einem Beobachtungszeitraum von elf Jahren habe gezeigt, „dass die Einnahme von Salbutamol das Risiko, eine Parkinson-Krankheit zu entwickeln, um den Faktor 0,66 reduziert, während die Einnahme von Propranolol es signifikant erhöht“, berichtet die DGN. Demnach ist der Effekt des Asthma-Medikaments auch empirisch in der Bevölkerung nachweisbar.

„Die Arbeit ist bedeutsam, weil sie eine Modifikation der Alpha-Synuklein-Transkription als neuen krankheitsmodifizierenden pharmakologischen Therapieansatz vorstellt, der auch noch mit gängigen und recht gut verträglichen Asthma-Mitteln theoretisch möglich wäre“, berichtet Prof. Volkmann auf dem DGN-Jahreskongress. Eine solche Therapie könne früher in der Pathogenese eingreifen als heute verfügbare Behandlungen.

Die neuesten Entwicklungen der Parkinson-Diagnostik und -Behandlung werden auf dem Jahreskongress der DGN in Leipzig vorgestellt. (Bild: rob3000/fotolia.com)

Darmflora an der Entstehung von Alzheimer beteiligt
Weitere relativ neue Erkenntnisse der Parkinson-Forschung zeigen, dass der Magen-Darm-Trakt eine besondere Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielt. Zuletzt habe die Forschung der Dresdner Arbeitsgruppe um Dr. Francisco Pan-Montojo am Rotenon-Modell der Maus „nahegelegt, dass pathologische Alpha-Synuklein-Ablagerungen in autonomen Nervenfasern der Darmwand entstehen könnten und sich über retrograden Transport in den dorsalen Vaguskern und von dort entsprechend der Braakschen Stadien in andere Hirnregionen ausbreiten“, berichtet die DGN. Durch eine Vagotomie (Durchtrennung einzelner Äste des Nervus vagus) habe sich die Ausbreitung der Alpha-Synuklein-Ablagerungen deutlich verzögert. Auch habe eine aktuelle schwedische Registerstudie belegt, dass ein signifikant geringeres Erkrankungsrisiko besteht, „wenn eine trunkale Vagotomie mindestens fünf Jahre vor Symptombeginn durchgeführt wurde“, so die Mitteilung der DGN.

Krankheitssymptome gingen insgesamt zurück
Die Bedeutung des Magen-Darm-Trakts bei Parkinson wurde laut Aussage des Experten auch durch eine weitere Studie US-amerikanischer Forscher bestätigt. Diese habe gezeigt, dass der Darmflora eine wichtige Rolle für die Neurodegeneration bei der Parkinson-Krankheit zukommt. Im Mausmodell mit Tieren, die eine Überexpression von Alpha-Synuklein aufwiesen, habe eine Sterilisierung des Darms durch Antibiotikagabe zu verringerten Alpha-Synuklein-Ablagerungen im Gehirn geführt. Auch sei eine geringere „Neuroinflammation durch reduzierte Mikrogliaaktivierung“ festzustellen gewesen und die Krankheitssymptome gingen insgesamt zurück. Bei Übertragung der Darmbakterien von Parkinson-Patienten auf das sterile Mausmodell verstärkten sich die Krankheitssymptome.

Früherkennung mittels Hauttest
Den Durchbruch bei der Parkinson-Früherkennung könnte laut Aussage von Prof. Volkmann möglicherweise ein Hauttest bringen, den Deutsche Neurowissenschaftler um Dr. Kathrin Doppler und Professor Claudia Sommer aus Würzburg sowie Professor Wolfgang Oertel aus Marburg entwickelt haben. Bei Risikopatienten mit der sogenannten REM-Schlafverhaltensstörung konnten sie den Biomarker Alpha-Synuklein in der Haut identifizieren und damit Parkinson nachweisen, Jahre bevor die Erkrankung sichtbar ausbricht, berichtet die DGN. Angesichts des einfachen Zugangs zu Hautbiopsien und der hohen Spezifität der Untersuchung habe die Methode das Potenzial, „Parkinson-Patienten im prodromalen Stadium der Erkrankung zu identifizieren und für klinische Studien zum Test von krankheitsmodifizierenden Medikamenten zu gewinnen.“ So ließe sich Parkinson frühzeitig erkennen und mit neusten Methoden therapieren. (fp)