Asthma durch normale Erkältungen auslösbar

Heilpraxisnet

Asthma durch gewöhnliche Erkältungen

05.10.2014

Bestimmte Viren, die bei gesunden Menschen gewöhnliche Erkältungen oder andere leichte Erkrankungen hervorrufen, können bei Menschen mit Asthma zu lebensbedrohlicher Atemnot führen. Die neuen Erkenntnisse könnten dazu beitragen, künftig Asthmaschübe zu unterbinden.

Asthmaschübe durch gewöhnliche Erkältungsviren
Britische Forscher haben einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa zufolge einen Mechanismus entdeckt, mit dem gewöhnliche Erkältungsviren Asthmaschübe auslösen. In Versuchen im Labor als auch an Mäusen und Menschen zeigten die Wissenschaftler, dass weitverbreitete Rhinoviren in bestimmten Lungenzellen die Produktion des Signalstoffes Interleukin-25 (IL-25) ankurbeln. "Sie lösen damit eine ähnliche Signalkaskade aus wie bei einer allergischen Reaktion". Im Fachblatt „Science Translational Medicine“ schreibt das Team vom Imperial College London, dass Wirkstoffe, die IL-25 blockieren, solche Asthmaanfälle verhindern könnten.

Weltweit rund 235 Millionen Asthmatiker
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen weltweit rund 235 Millionen Menschen an Asthma leiden. Unterschieden wird zwischen allergischem und nicht-allergischem Asthma. Bei der nicht-allergischen Variante werden die Asthmaschübe häufig durch virale Infektionen der Atemwege ausgelöst, überwiegend von Rhinoviren. Diese Erreger rufen bei gesunden Menschen gewöhnlich eher harmlose Erkrankungen, wie eine Erkältung, Schnupfen oder eine Nasennebenhöhlenentzündung, manchmal begleitet von Kopfschmerzen, hervor. Bei Asthmatikern hingegen können solche Infektionen mitunter lebensbedrohliche Atemnot auslösen, ähnlich der Reaktion des Immunsystems auf Allergien.

Asthmaschübe unterbinden
Die Londoner Wissenschaftler untersuchten nun die Rolle des Botenstoffes IL-25, welcher an allergischen Reaktionen beteiligt ist. Im Labor infizierten sie dazu Zellen des Lungenepithels von Asthma-Patienten und von gesunden Menschen mit Rhinoviren. Daraufhin wurde festgestellt, dass die Zellen der Asthmatiker rund zehnmal mehr IL-25 produzierten. Anschließende Versuche mit Menschen, die mit Rhinoviren infiziert wurden, bestätigten, dass sich im Nasenschleim der Asthmatiker mehr IL-25 befand. Schließlich zeigten Studien an Mäusen, dass neben IL-25 weitere Signalstoffe produziert wurden, welche Entzündungen begünstigen. Wurde IL-25 mit einem Antikörper blockiert, wurden auch weniger solche Stoffe gebildet. Wie die Forscher mitteilten, sei dies ein Ansatz, um Asthmaschübe zu unterbinden.

Kettenreaktion führt zu Anfällen
Laut der „Welt“ wird einer der Studienleiter, Nathan Bartlett, in einer College-Mitteilung folgendermaßen zitiert: „Unsere Studie zeigt zum ersten Mal, dass die Zellen, die die Luftwege von Asthmatikern auskleiden, anfälliger dafür sind, das kleine Molekül IL-25 zu bilden, das dann anscheinend eine Kettenreaktion auslöst, die zu Anfällen führt.“ Weiter heißt es: „Wenn wir auf das Molekül am Beginn dieser Kaskade abzielen, können wir vielleicht eine viel benötigte neue Therapie entdecken, um diese potenziell lebensbedrohliche Reaktion zu kontrollieren.“

Bisherige Therapiemöglichkeiten
Wie die „Welt“ weiter schreibt, erklärt die Studie für Professor Tobias Bopp von der Universitätsklinik Mainz, warum Rhinoviren für Asthmatiker so gefährliche Folgen haben können. „Das war bisher nicht bekannt“, so der Immunologe. Die Blockade von IL-25 sei besonders viel versprechend, da dieser Stoff am Anfang der Kettenreaktion stehe. Vor allem für die Menschen, bei denen die bisherigen Therapiemöglichkeiten bei Asthma bronchiale an ihre Grenzen stoßen, könnten neue Behandlungsmethoden dazu beitragen, die Beschwerden zu unterbinden oder zu lindern. (ad)

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