Asthma-Risiko in den Regionen von Frackinganlagen laut Studie stark erhöht

In einer US-amerikanischen Studie zeigte sich, dass das Asthma-Risiko in der Nähe von Frackinganlagen um bis zu viermal höher sein kann, als unter normalen Bedingungen. (Bild: jon_mullen/fotolia.com)
Alfred Domke
Studie: Fracking kann das Asthma-Risiko um das Vierfache erhöhen
Laut einer US-amerikanischen Studie kann das Asthma-Risiko in der Nähe von Frackinganlagen zur Erdgasförderung bis zu viermal höher sein als unter normalen Umständen. Die Technologie wird noch mit weiteren Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht. In Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern wird über den Einsatz des Verfahrens diskutiert.

Umstrittene Technologie
In den USA wird Fracking schon seit Jahren praktiziert, dort stammt mittlerweile bereits ein Drittel der gesamten Erdgasproduktion aus dieser Technik. Auch in Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern wird über den Einsatz des Verfahrens diskutiert. Doch es gibt große Vorbehalte gegen die Technologie. Untersuchungen zeigten, dass Fracking-Chemikalien ins Grundwasser gelangen können. Und eine Studie aus den USA stellte im vergangenen Jahr fest, dass es zu mehr Frühgeburten und Risikoschwangerschaften durch Fracking kommen kann. Einer aktuellen Untersuchung zufolge erhöht sich durch diese Technik auch das Asthma-Risiko.

In einer US-amerikanischen Studie zeigte sich, dass das Asthma-Risiko in der Nähe von Frackinganlagen um bis zu viermal höher sein kann, als unter normalen Bedingungen. (Bild: jon_mullen/fotolia.com)
In einer US-amerikanischen Studie zeigte sich, dass das Asthma-Risiko in der Nähe von Frackinganlagen um bis zu viermal höher sein kann, als unter normalen Bedingungen. (Bild: jon_mullen/fotolia.com)

Erhöhtes Asthma-Risiko in der Nähe von Frackinganlagen
Laut einer US-Studie kann das Asthma-Risiko in der Nähe von Frackinganlagen zur Erdgasförderung bis zu viermal höher sein als unter normalen Umweltbedingungen. Das geht aus einer wissenschaftlichen Untersuchung hervor, die kürzlich in der Zeitschrift der American Medical Association, „JAMA Internal Medicine“, veröffentlichte wurde. Den Angaben zufolge bezieht sich die Studie auf Daten, die Forscher zwischen 2005 und 2012 in Pennsylvania erhoben hatten. Insgesamt wurden über 35.000 Asthma-Patienten zwischen fünf und 90 Jahren berücksichtigt. Im Rahmen ihrer Untersuchung registrierten die Wissenschaftler den Wohnort der Patienten sowie Lage, Größe und Ausmaß der nahegelegenen Erdgasförderung. Dann verglichen sie die Daten mit Asthma-Patienten, die im selben Jahr keine Asthma-Anfälle hatten.

Auswirkungen auf Gesundheit sind beunruhigend
Es zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit von Asthma-Anfällen bei Patienten, die näher an einer großen Zahl von Erdgasbohrlöchern oder größeren Förderanlagen lebten, „um 1,5 bis viermal höher“ war. Wie es in der Studie heißt, habe auch die Berücksichtigung anderer Faktoren, die Asthma auslösen können, wie beispielsweise die Nähe zu stark befahrenen Straßen, familiäre Veranlagung oder Rauchen, nicht zu einem anderen Ergebnis geführt. „Die wachsende Zahl an Studien, die die Auswirkungen dieser Industrie auf die Gesundheit zeigt, ist beunruhigend“, meinte Studienautor Brian S. Schwartz in einer Mitteilung der Johns Hopkins University (JHU).

Fracking-Boom in den USA
Die leitende Wissenschaftlerin Sara G. Rasmussen von der Abteilung für Umweltgesundheit der Bloomberg-Schule an der JHU erklärte, es handele sich um die erste Untersuchung zu Asthma im Zusammenhang mit der Frackingtechnologie, doch, „wir haben nun mehrere Studien, die auf Gesundheitsschäden durch die unkonventionelle Förderung von Erdgas hindeuten“. Jetzt müssten die genauen Ursachen ermittelt werden, „damit die Industrie sicherer gemacht“ werden könne. Die Frackingindustrie in den USA wuchs in den vergangenen Jahren immer weiter an. In Pennsylvania gibt es bereits mehr als 6.000 Bohrlöcher. Die Frage nach der Luft- und Wasserqualität rückt daher immer mehr in den Vordergrund.

Experten fordern komplettes Verbot
Es ist schon länger bekannt, dass Faktoren wie Luftverschmutzung, Stress oder Schlafstörungen Asthma verschlimmern können. Diese drei Faktoren werden in anderen Studien auch mit der Frackingindustrie in Zusammenhang gebracht. Fracking wird insbesondere in den USA eingesetzt, um Erdgas, aber auch Erdöl aus Gesteinsschichten herauszupressen, aus denen der Rohstoff nicht einfach via Bohrloch strömen kann. Dabei wird Gestein in großer Tiefe unter hohem hydraulischen Druck aufgebrochen, wobei normalerweise ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien zuerst durch Bohrlöcher in die Tiefe geleitet und dort horizontal in die jeweilige Zielschicht gepresst wird. Dadurch entstehen Risse im Gestein, durch die Gas oder Öl entweichen und dann mit Rohren durch das Bohrloch an die Oberfläche befördert werden kann. Mit dieser Technik ist es möglich, ansonsten nicht nutzbare Rohstoffvorkommen auszubeuten. In Deutschland gibt es aufgrund der befürchteten Umweltfolgen erheblichen Widerstand gegen das Fracking. Vom Umweltbundesamt (UBA) wird eine gesetzliche Regelung der Technologie gefordert. Fracking solle in Wasserschutz- und Heilquellschutzgebieten sowie anderen sensiblen Gebieten grundsätzlich verboten werden. Eine umfangreiche Risikobewertung soll sowohl vor Erprobungs- als auch vor Förderbohrungen erfolgen. Naturschutzverbände und viele andere Experten fordern aber ein komplettes Verbot der Technologie. (ad)

Advertising