Auch gemäßigter Alkohol-Konsum kann das Gehirn langfristig verändern

Alfred Domke
Forscher zeigen: Schon wenig Alkohol kann das Gehirn verändern
Das ein oder andere Gläschen Wein oder Bier wird schon nicht so schlimm sein, denken viele. Doch Alkohol kann auch schon in sehr geringen Mengen negative Auswirkungen haben. So weist eine aktuelle Studie aus Großbritannien darauf hin, dass bereits ein mäßiger Konsum von Alkohol schädigende Einflüsse auf das Gehirn hat.

Auswirkungen auf das Gehirn
Immer mal wieder ist zu hören oder zu lesen, dass es gesund sei, täglich ein Gläschen Rotwein zu trinken. Andererseits wird ständig vor den Risiken durch regelmäßigen Alkoholkonsum gewarnt. In einer aktuellen Studie, die im Fachjournal „The BMJ“ veröffentlicht wurde, zeigte sich nun, dass schon geringe Alkoholmengen das Gehirn verändern können. Zudem konnten die Forscher aus Großbritannien keine schützende Wirkung durch moderates Trinken feststellen.

Forscher haben herausgefunden, dass schon kleine Alkoholmengen das Gehirn dramatisch verändern können. Einen schützenden Effekt durch moderaten Konsum haben sie nicht festgestellt. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Ein hoher Alkoholkonsum schadet der Gesundheit
In Deutschland trinken die Menschen überdurchschnittlich viel Alkohol. Das hat gesundheitliche Konsequenzen.

Wer trinkt, schadet seinem Körper: Ein hoher Konsum kann prinzipiell jedes Organ des menschlichen Körpers schädigen. Durch den Alkohol erhöht sich das Risiko für zahlreiche Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, Fettleber und Nervenschäden.

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Laut der Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) stirbt statistisch gesehen „alle sieben Minuten ein Mensch in Deutschland, weil der Alkohol Leber und Bauchspeicheldrüse, Rachen, Magen und Darm oder das Herzkreislauf-System geschädigt hat“.

Schon geringe Mengen können sich negativ auswirken
Allerdings gibt es auch immer wieder Studien, die darauf hinweisen, dass kleine Mengen an Alkohol, etwa in Form eines Glases Rotwein am Tag, positive Auswirkungen auf die Gesundheit – und hier insbesondere auf das Herz-Kreislauf-System – haben könnten.

Doch selbst geringer Alkoholkonsum kann Auslöser von sieben verschiedenen Krebsleiden sein, wie Wissenschaftler feststellten.

Dass sich schon relativ geringe Mengen an Alkohol negativ auswirken können, hat nun auch ein Forscherteam aus Großbritannien festgestellt.

Abbau von Nervenzellen im Gehirn
Für die Studie hatten die Forscher um Anya Topiwala von der University of Oxford Daten von insgesamt 550 gesunden Frauen und Männern ausgewertet, die im Rahmen der sogenannten Whitehall II-Studie untersucht worden waren.

Wie es in einer Mitteilung der Universität heißt, waren die Probanden nicht alkoholabhängig und im Durchschnitt 43 Jahre alt.

Am Ende der Studie wurden ihre Gehirne mittels Kernspintomografie untersucht.

Es zeigte sich, dass diejenigen, die mehr als 240 Gramm Alkohol wöchentlich zu sich nahmen, ein erhöhtes Risiko für den Abbau von Nervenzellen im Hippocampus im Vergleich zu jenen hatten, die nicht tranken. Diese Gehirnregion ist zuständig für Gedächtnis und Lernen.

Zudem stellten die Forscher fest, dass Studienteilnehmer die alkoholabstinent waren, auch nach Jahren bessere kognitiv-sprachliche Fähigkeiten hatten als diejenigen, die geringe, mäßige oder große Mengen an Alkohol tranken.

Selbst bei „moderaten Trinkern“ (Alkoholmengen zwischen 116 und 168 Gramm pro Woche) zeigten sich Hinweise auf einen Zellabbau im Hippocampus.

Kein schützender Effekt von Alkohol feststellbar
Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass sie keinen schützenden Effekt von kleinen Mengen an Alkohol feststellen konnten.

Ihre Studie widerspricht damit anderen Untersuchungen, die zu dem Ergebnis kamen, dass wer nur moderat Alkohol trinkt, Herz und Hirn nicht schädigt.

„Unsere Ergebnisse bekräftigen die jüngste Verringerung der britischen sicheren Grenzen für Alkohol und stellen die aktuellen US-Richtlinien in Frage“, schreiben die Forscher. Im vergangenen Jahr wurden im Vereinigten Königreich die Richtlinien reformiert.

Demnach sollen sowohl Frauen als auch Männer nicht mehr als sechs Bier pro Woche konsumieren.

Die Studienautoren hoben hervor, dass es sich bei ihrer Untersuchung um eine Beobachtungsstudie handelt, ein kausaler Zusammenhang ist also nicht bewiesen. Dennoch werde es mit der Veröffentlichung schwieriger, moderates Trinken zu rechtfertigen. (ad)